„Wir tragen sowieso maximal ein Jahr!“ sagen mir frischgebackene Eltern häufig bei der ersten Beratung.

Sie haben insofern recht, dass der Tragebedarf in den ersten 1- 1,5 Jahren beim Baby zweifellos am höchsten ist. Immerhin ist es mindestens die ersten 9 Monate quasi eine physiologische Frühgeburt und von uns auch in Hinblick auf seine Mobilität völlig abhängig. Von ihrem ganzen Wesen definiert man es als „Tragling“: Es ist in seinen Reflexen, seiner instinktbasierten „Programmierung“ darauf ausgerichtet, in möglichst ständigem Körperkontakt zur Bezugsperson zu verweilen.Doch nur weil das Kind rund um seinen ersten Geburtstag endlich alleine laufen kann, heißt es nicht, dass es bereits stundenlang auf zwei Beinen durchhält oder die Tragezeit mit Laufbeginn nun endgültig beendet ist. Tatsächlich erscheint es jedoch auf den ersten Blick so: das Kind erprobt begeistert seine neuen motorischen Fähigkeiten um jeden Preis. Helfende Hände oder der Vorschlag es zu tragen wird lieber abgelehnt – die grenzenlose Freiheit, auf eigenen Beinen die Welt entdecken zu dürfen, verlockt einfach zu sehr! „Mein Kind will nicht mehr getragen werden“ hört man in dem Alter oft. Aber: es ist, speziell bei einem häufig getragenen Kind, nur eine Phase. Ein temporärer Tragestreik.

Vielleicht kennt ihr die Situationen ja bereits selber:

  • Ihr seid am Heimweg vom Einkauf, Spielplatz. Justament, in Sichtweite des Ziels, will euer Kleinkind auf den Arm genommen werden. Ihr habt die Wahl zwischen Kind oder Einkaufstaschen stehen lassen.
  • Ihr unternehmt einen Ausflug, nicht Kinderwagentauglich, aber auch nicht streckentechnisch anstrengender/länger als andere Wege, welche ein Kleinkind schafft. Aber: auf 2/3 der Strecke verweigert das Kindergartenkind jeden weiteren Schritt. Und ganz ehrlich: Wieviele Kinder im Kleinkind- & Kindergartenalter kommen euch auf euren Ausflügen auf Papas Arm entgegen? ;)
  • Ein neues Baby bereichert eure Familie. Kaum befindet sich dieses im Tuch vor eurem Bauch, möchte das seit Monaten toll laufende ältere Geschwisterchen auch hoch.

Die Szenen sind individuell erweiterbar. Aber die Message bleibt gleich:

Tragen ist Liebe. Geborgenheit. Entspannung. Nah am Herzen desjenigen Menschen, der für das Kleinkind in einer turbulenten Welt den Leuchturm, seinen sicheren Hafen, darstellt.

Im 2./3. Lebensjahr aufwärts folgt eine Phase des genußvollens Tragens: Laufen wird zwar immer wichtiger, und die Tragemomente seltener. Doch hie und da Kuscheln mit Mama oder Papa wird weiterhin sehr geschätzt. Diese Momente bekommen eine ganz neue, bewusstere, innigere Qualität.  

Auch tendieren wir dazu, laufende Kinder zu überschätzen. Denn tageweise laufen sie endlose Kilometer, am Folgetag kommen aber noch so aktive Klein- oder Kindergartenkinder möglicherweise auf einem längeren oder kürzeren Ausflug binnen Augenblicken an ihre körperlichen oder emotionalen Grenzen: in der Tragehilfe oder einem Tragetuch/Sling kann der Marsch auch für den Träger bequemer, und den Körper schonender, als am Arm/auf den Schultern tragend fortgesetzt werden:

Beim Tragen am Arm kommt unser Körper automatisch in eine Ausgleichshaltung. In einer Tragevorrichtung ist durch die Nähe zum Körper des Tragenden die Wirbelsäule konstant gerade aufgerichtet und gleichmäßig belastet. Schwere Gewichte, wie sie Kleinkinder darstellen, sind zudem am Rücken, als auf Lasten am besten ausgerichteten Körperteil, aufgehoben. Der Beckenboden wird gleichzeitig geschont.

Kurz: es kann Sinn machen, auch bei seltenen Tragemomenten auf jedem Ausflug mit Laufling immer irgendeine Tragelösung zumindest proforma dabei zu haben, um allzeit bereit zu sein, wenn die Beine schwer werden!

Auf einer Wanderung kann eine Tragehilfe (hier: Nekoslings Toddler) ein praktisches Backup sein, wenn das Kleinkind vom Laufen ermüdet.

Tragen ist Liebe & Geborgenheit, auch noch im Laufalter! (hier: ISARA V3 Toddler)

Mit Kleinkind auf Städtereise – dank Tragehilfe sind wir für volle Öffentliche Verkehrsmittel wie auch volle Museen, Weihnachtsmärkte etc. gewappnet! (hier: Buzzidil Preschooler)

Tragemöglichkeiten für den Alltag mit Kleinkind

Für Tuchträger kann ein RingSling nun auch am Rücken eine Entlastung darstellen. Zum 1. Geburtstag macht es auch allerspätestens Sinn neben dem „Einfachen Rucksack“ sich mit mehrlagigen Bindeweisen auseinanderzusetzen. Klassiker hierfür wären der Double Hammock wie auch der Wickelkreuzrucksack. Mit einem kurzen Tragetuch, einem „Shorty“ mit Tuchlänge 2-4 lassen sich zahlreiche schnelle Bindeweisen kreiern, welche bequem sind, und zugleich deutlich weniger Stoff benötigen als die Base Size „5-7“, die man mit Baby vorrangig nützt.

Nun kann es auch sein, dass eure Babysizetrage zwischen Gr. 74 und 86 im Stegbereich zu knapp wird. Tragt ihr mit etwa 1,5 J. nur noch sehr sporadisch, z.B. weil ihr fast nur mit Kinderwagen unterwegs seid, mag es eine Überwindung kosten, nochmals viel Geld in eine neue Tragehilfe zu investieren. Manche Tragehilfen (z.B. Manduca, Ergobaby Carrier, Limas, Ruckeli u.a.) ließen sich mit  dem Manduca „Extend“ um kleines Geld um einige Zentimeter, bis Kleidergr. 104, erweitern. Wobei für wöchentliche „5 Minuten“ auch ein zu schmaler Steg keine Probleme fürs Kind bringen wird.

Tragt ihr jedoch noch länger und öfters, stellt eine neue Tragealternative zweifellos ein Komfortplus für alle Beteiligten dar: Es hat heutzutage bereits viele tolle „Toddler“tragen (ab Gr. 74/80, oder 86/92, ca. 1-1,5 J.) (Fullbuckles, Onbuhimos, aber auch Meitai/Wrapcons) / „Preschooler“ (ab ca. Gr. 92/98 bzw. 2 Jahren) am Markt, welche auch ein komfortables Tragen weit über den 2./3. Geburtstag ermöglichen!

Zudem bieten sie teils ein sehr geringes Packmaß bzw. mit je nach Hersteller z.B. integriertem Hüftsitz (z.B. Buzzidil) eine bequeme Kurzzeit-Lösungen als Alternative zum RingSling für unterwegs.

Sollte sich in der Kleinkindzeit ein neuer Erdenbürger unter euer Herz schleichen, so spricht bei einer geübten Tragemama bei einer komplikationslosen Schwangerschaft auch nichts gegen ein Tragen des Kleinkindes in der Schwangerschaft. Tuch & Onbuhimo sind hier beliebte Trageweisen der Wahl!

Viele Tragehilfen für nach dem ersten Lebensjahr könnt ihr u.a. auch bei mir in einer Beratung testen!

Ein müdes Kleinkind über längere Zeit am Arm tragen zu müssen, belastet Wirbelsäule und Beckenboden.

Im Tuch kann auch während der Schwangerschaft ein Kleinkind seine Kuschelstunden mit Mama genießen.

Ist die Tragezeit erst vorbei, tragen ehemalige Traglinge gerne auch so wie Mama. Viele Hersteller bieten von ihren Modellen Puppentragen oder Puppentragetücher und -ringslings an! (hier: LIMAS)

Kontakt

Via Martin Luther King 44/C

08025 Oliena (Nuoro)

Sardinien (Italien)

info@nidonellisola.it

+39 347 492 8829

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