Mein „Trage-Weg“

Wie kam ich zum Thema Tragen?

Bereits während der Schwangerschaft wurde mir klar: Ich möchte meinen Sohn tragen, wenn er auf der Welt ist!

Voller Elan machte ich mich somit im letzten Trimester auf die Suche nach „DEM“ Tragetuch… und war innerhalb weniger Stunden der Recherche einmal ernüchtert: Sling, Fullbuckle, Wrapcon, Retail, elastisches Tuch, gewebtes Tuch, Marke hier, Marke dort, das ist gut, das ist schlecht – und gefühltermaßen widersprach immer mindestens eine Mama der anderen, wenn es um das perfekte Tuch oder die ideale Tragehilfe ging. Auch die Besuche in diversen Babyläden und Einrichtungsgeschäften, bei welchen gängige Marken an Tragehilfen angeboten wurden waren wenig hilfreich – elastische Tücher griffen sich für mich „unangenehm“ an, bzw. fragte ich mich damals schon, wie weit die überhaupt langfristig ein Brockenbaby tragen würden. Und irgendwie: Ich verstand nur noch Bahnhof, mein Kopf rauchte vor Pro & Contra, fremden Begriffen…

Das einzige was ich schnell wusste: Ich brauchte Hilfe! Und zwar professionelle.

Nach einiger Recherche fand sich gottseidank in meiner Nähe eine ganz liebe Wiener Trageberaterin, die mir etwa 1,5 Monate vor der Geburt meines Sohnes eine Slingvariante mit Schiebeknoten mit meinem ersten Tuchkauf (2 2er Tücher von Didymos) zeigte. Auch die Wickelkreuztrage wurde probiert. Am Abend wurde auch gleich mein erstes Tuch (ein Natibaby) in Größe 6 dafür ergattert.

Aber ohne große Puppe oder Teddybär daheim zum Üben verschwand das Wissen bzw. die Sicherheit relativ bald im „Nirvana“ meiner akuten Schwangerschaftsdemenz.

Bei der Geburt war dann alles natürlich so wie ich es nicht geplant hatte oder wollte und es lief auf einen Kaiserschnitt hinaus. Da ich eine Mama bin, die auch schon aufgrund meines beruflichen Hintergrundes viel Wert auf Bonding legt, war das natürlich eher die „Horrorvision“ meiner Geburt, auch wenn ich dankbar bin, dass der Kaiserschnitt bei uns nicht durch eine Notsituation sondern eine schlichtwegs verflixte Lage des Kindes bedingt war, dh. ich dank PDA alles miterleben durfte. Auch das Krankenhaus legte bei einem Kaiserschnitt gottseidank viel Wert auf Bonding und so durfte mein Sohn gleich die ersten Minuten nach dem ersten APGAR-Check noch auf dem OP-Tisch liegend zu mir kuscheln kommen.

Bereits im Krankenhaus mutierte ich – allein schon aus praktischen Gründen – zur begeisterten Anhängerin des Familienbetts und irgendwie zur Attachment Parenting Mama. Kaum entlassen, wollte ich auch sofort wieder ständig in Bewegung sein, und fühlte mich trotz minimaler Schmerzen von Beginn an megafit. Doch mein erster Versuch einige Tage darauf, meinen Sohn einzubinden scheiterte kläglich. Das Kind, noch dazu ziemlich arg von den „Dreimonatskoliken“ gequält, weinte beim Einbinden bis meine Nerven blank lagen, irgendwie saß er nie so drin wie er drin sitzen sollte, beim rausnehmen fiel der Winzling mir fast vom Arm – kurz: Das Tuch landete wieder im Eck und ich war frustriert und traurig, das es nicht so klappen wollte, wie ich es mir erhofft hatte.

In der 5. Lebenswoche meines Sohnes schaffte ich es dann endlich wieder, mit meiner Trageberaterin einen Termin zu organisieren. Und diesmal hatte ich auch meinen Mann dazu „verpflichtet“ dabei zu sein, und sich aus dem umfangreichen Sortiment meiner Trageberaterin eine Tragehilfe auszuwählen, da ich zwar beim ersten Beratungstermin bereits ungefähr eine Auswahl getroffen hatte, welche Tragehilfen mir am meisten zusagen täten, aber trotzdem diese mit Mann und Kind nochmals testen wollte. Mit einigem Murren testete sich nun auch Mann durch die Tragehilfen, während mir meine Trageberaterin nochmal mit Baby die zuvor bereits geübten Bindeweisen zeigte. Schlussendlich entschieden wir uns für eine Emei Babysize für ihn (er hatte damals eine akute Knotenphobie!), für mich wurde es – wenngleich erst einige Monate darauf, da diese mir einfach nicht aus dem Kopf ging- eine Mysol.

Seit dem Tag an wurde unser Sohn ein totales Tragebaby. Wir, damals noch in Wien wohnhaft, waren natürlich froh, bei dem ganzen Lift/Stiegen/Rolltreppen-Auf-und-Ab der Großstadt, den sperrigen Kinderwagen daheim liegen lassen zu können und auch durchs ärgste Gedränge problemlos hindurchzukommen.

Selbst der Papa begann langsam seine Scheu vor Tüchern und Knoten abzulegen, und bat ab und an darum, den Sling angelegt zu bekommen und griff sogar nach einem halben Jahr von sich aus häufiger zur Mysol, als zu anderen im Haushalt verfügbaren Tragehilfen und nützt das Tragen im Alltag aktiv.

Das anfängliche Weinen beim Einbinden, weils ihm zu lange dauerte, wich beim Zwerg bald einem fröhlichen Grinsen, wenn er mich mit einem Tuch ankommen sah, und einem ohrenbetäubenden Freuden-Gequietsche – kurzum: wir genossen und genießen heute noch unsere Tragezeit in vollen Zügen!

Da ich sehr selbstkritisch und etwas perfektionistisch veranlagt bin, reichte es mir jedoch nicht, mit dem Kind viel zu tragen und viel einschlägige Literatur zum Thema zu lesen. Eine Ausbildung musste her!

So absolvierte ich während unseres Umzugs nach Vorarlberg im Juli 2015 den Grundkurs der Clauwi Trageschule (und hoffentlich im Laufe der kommenden Monate auch die weiteren Module) und will fortan als Trageberaterin meine Begeisterung fürs Tragen, mein Wissen und meine Erfahrung darüber auch an andere Eltern weitergeben, die sich wie ich im ersten Moment von dem Überangebot an Tragevarianten „erschlagen“ sehen und wie ich damals auf der Suche nach der idealen Lösung für ihre Familie sind, die einfach mit den, oftmals frustrierenden „Alltagsschwierigkeiten“ des Tragens kämpfen und Rat oder Ideen suchen, oder bereits seit längerem Tragehilfen/Tücher nützen, aber neue Bindeweisen oder Trageweisen gerne mit professioneller Unterstützung erlernen bzw. bereits bekannte Bindeweisen kontrolliert haben/festigen wollen!