Vor knapp 2 Wochen durfte ich ein besonderes Stück Handarbeit aus der Steiermark in Österreich auf Herz und Niere testen: zwei handgewebte Tragetücher der im Aufbau befindlichen Marke „Enia„.

Die Weberin dahinter kommt selbst aus der „ATTA“-Szene (Bezeichnung für Trageeltern, welche viele Tücher besitzen und „nicht genug davon“ kriegen können 😉 ) und beschloß vor nicht zu langer Zeit ihr eigenes Tuch zu designen & zu weben und hat nun die ersten Tester auf Reisen geschickt, um auch von anderen tucherfahrenen TrageberaterInnen und Eltern ein umfassendes Feedback zu erhalten, worauf sie bei zukünftigen Webarbeiten achten muss.

Kurzum: bei dem jetzt vorgestellten Tuch handelt es sich noch um KEIN Verkaufstuch, sondern um eine Webarbeit zwecks Materialerfahrung & Tragequalität-Einschätzung, nichtsdestotrotz werdet ihr bei mir sicher noch öfters Beiträge zur Entwicklung dieses Labels lesen können!

Zu Beginn aber einmal die Daten zu den Enia-Testtüchern:
  • „Marleens Regenbogen“: weißer Cottolin-Schuß, bunte Baumwollkette, 4.9m (Gr. 6)
  • „Kleine Schwester“: dunkelblauer Baumwollschuß, bunte Baumwollkette, 2.68m STIH  (Gr. 2)

Beide Tücher entstammen der selben Kette, in Leinwandbindung gewebt, variieren aber im Schußmaterial. Die Kanten sind nicht umgenäht, d.h. die Webkanten. Diese sind sehr regelmässig gearbeitet. Die Enden sind abgeschrägt. Eine Mittelpunktmarkierung mit Logo ist vorhanden. Beide Tücher haben an einem Tuchende am Rand der Längsseite einen Schmetterling eingewebt.

 

Erster Eindruck

Beide Tücher sind optisch auf den ersten Blick „WOW“. Auch wenn Streifentücher im Handwovenbereich ja leider eher unbeliebt sind angesichts der Möglichkeiten, ist die Regenbogen-Kette einfach perfekt stimmig in der Farbabstufung sowie in der Breite der Farbstreifen, und so wird aus diesem simplen Muster der totale Hingucker!

Auch der erste Grifftest überraschte – war das Baumwollshorty wie erwartet wunderbar weich, so ließ auch das Cottolintuch in Weichheit nichts zu wünschen übrig – meine ersten Bedenken, dass es sich, wie bei Cottolin hie und da möglich, um einen Teppich handeln könnte, verflogen somit sofort. Weder zu dick, noch zu dünn – kurzum: sie schienen ganz meinen Vorlieben zu entsprechen!

Bindeversuche Shorty

Ein Shorty kann manchen vor eine ziemliche Herausforderung stellen, einer der wir uns jedoch gerne stellten! Gebunden wurde zu Beginn primär mit Puppe, da mein Tragling streikte bzw. das heftige Regenwetter während der Testwoche auch ein Outdoor-Programm großteils verhinderte.

Auffallend war, dass sich das Enia-Tuch sehr leicht binden ließ. Mit der Puppe (ca. 4kg), also vergleichbar mit Neugeborenen, stimmte einfach alles – Straffbarkeit, Weichheit der Kanten auch bei straffem Binden, einfache Bahnen-Legung – also einfach wunderbar und auch für Anfänger ein Tuch, bei welchem ich keine Bedenken hätte, ob  sie damit zurechtkämen. Das Flächengewicht (ca. 250-270 geschätzt) ist gering, aber stabil

Wenige Tage darauf mit Tragling von 15 Monaten und 9.5 kg stieß ich aber an die Grenzen des Tuchs – für viele Bindeweisen hätte es einige Zentimeter mehr Tuch sein können, weshalb wir vorrangig im Rebozo bzw. Non Sew Sling Langzeittests machten. Hier fiel auf, dass aufgrund des fehlenden Grips bei schwereren Babys (ca. ab 7 kg) das Tuch schwer länger straff hält. Bereits nach wenigen Minuten musste ich wieder nachstraffen, und als Sling getragen fingen die Kanten an meiner Schulter an, etwas einzuschneiden. Entsprechend rutschte auch der Po meines Traglings leicht tiefer als für die Bindeweise zum Teil erwünscht.

Durch die Tuchqualität sich hie und da bildende Fadenschlaufen ließen sich durch etwas Bewegen des Stoffes in alle Richtungen leicht wieder einziehen.

Nichtsdestotrotz ließ es sich abgesehen von den erwähnten Punkten relativ bequem auch über länger tragen!

 

Bindeversuche Cottolin-Tuch

Das Cottolintuch war zwar nicht viel fester als das Baumwolltuch, aber doch spürbar stabiler. Auch hier glitten die Bahnen fast von selbst an ihre Stelle und das Straffen ging leicht von der Hand. Leider fehlte auch bei diesem Tuch der Grip. Selbst mehrlagige Bindeweisen (außer dem DH) gaben, trotz mehrmaligen Versuchen noch mehr Luft rauszuholen, durch die recht starke Elastizität der Leinwandbindung kaum Halt und ich gab den Versuch, dahingehend noch mehr zu probieren, schlussendlich auf und konzentrierte mich auf die Grundbindeweisen.

Am Bauch wie auch Rücken gebunden erwies sich das Tuch als sehr bequem und stabil, wobei ich im Schulterbereich trotzdem lange brauchte, um beim Tragen im ER/DH ein Finish zu finden, bei welchem ich schmerzfrei auch über längere Zeit tragen konnte, da sich nach ca. 20 Minuten die knapp 10 kg in dem Bereich durch Nackenverspannungen bemerkbar zu machen begannen. Meine gewohnten & erprobten Lieblingsfinishs (tibetanisch, Freshwater) halfen hier leider nicht weiter.

Auch ließ die Spannung bei allen Bindeweisen recht bald wieder nach, wodurch mehrmals ein Nachstraffen nötig war.

Wie beim Baumwolltuch kann ich mir auch beim Cottolin-Tuch somit eine Verwendung für ein Neugeborenes sehr gut vorstellen, aber etwa ab 7/8 kg (ein Dank hier auch an  Angelina für die Zeit und Zweitmeinung mit etwas leichterem Tragling) kommt dieses Tuch ebenfalls zunehmend an seine Belastungsgrenze.

Mein Fazit der beiden Tester von Enia:

Ich nehme stark an, dass durch eine andere Garnstärke oder Bindung noch viel mehr aus den Tüchern herausholbar wäre – gerade vom Material wurde lt. Auskunft der Weberin eher dünnes Garn bei den vorliegenden Testern verwebt. Ein höheres Flächengewicht bzw. ein etwas weniger nachgebendes Gewebe wäre als Verbesserung wünschenswert, um auch mit schweren Babys und Kleinkindern mehr Spielraum zu haben, aber für den Beginn der Tuchweberei sind die Tester bereits sehr gelungen und es hat echt sehr viel Spaß gemacht, damit herum zu experimentieren. Ich freue mich sehr, über die kommenden Wochen & Monate die weitere Entwicklung von Enia aus erster Hand miterleben zu dürfen und möchte mich bei Claire ganz herzlich für diese tolle Gelegenheit, sie auf ihrem Weg rund um Enia begleiten zu dürfen, bedanken!

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