Tragehilfen gibt es heute zahlreich am Markt, und gefühlt täglich tauchen neue Hersteller auf. Im letzten Blogartikel habe ich bereits knapp zusammengefasst, was eine empfehlenswerte Tragehilfe ausmachen sollte.

Egal wofür du dich entscheidest: Das Hauptkriterium ist am Ende des Tages, dass die Trage zu dir, deinem Partner und deinem Tragling passt. Auch wenn auf Facebook oder im Freundeskreis 99 von 100 Freunden dir eine bestimmte Marke ans Herz legen, ist nicht garantiert, dass diese mit eurer Statur bzw. der eures Kindes gut zusammenpasst. Eine Trageberatung oder der Besuch eines Tragehilfencafés oder ein Leihen von Freunden bzw. eines Testpakets, welche manche Händler anbieten, kann hier vor teuren Fehlkäufen schützen! Denn obwohl ihr jede Tragehilfe einer der genannten Typen zuordnen könnt, so unterscheidet sich jede im Schnitt, der Polsterung, der Trägerbreite bzw. -führung, wodurch selbst bei zur selben Gruppe gehörigen Systemen beim finalen Tragegefühl subjektiv Welten zwischen den einzelnen Herstellermodellen liegen können!

  • Mei Tai:

Der Mei Tai (oder „Meh Dai“) ist eine Tragehilfe asiatischen Ursprungs und besteht in ihrer Grundform aus einem rechteckigen Paneel mit einem zu knotende Hüftgurt wie Bindeträgern. Sie erlaubt das Tragen auf dem Bauch, Hüfte und Rücken und ist durch die zu bindenden Hüft- und Schultergurte individuell ohne Aufwand auf verschieden gebaute Trägerpaare einstellbar. Im Normalfall ist sie ab Geburt verwendbar. Der Meitai bietet die ideale Mischung aus der anschmiegsamen Weichheit eines Tragetuchs und einer kaum strukturierten Tragehilfe, weshalb sie von vielen Eltern als Trage für Neugeborene und kleine Babys (z.B. Frühchen) geschätzt wird. Viele Meitai-Hersteller bieten, dem Wunsch zahlreicher Eltern entgegenkommend, statt oder ergänzend zum Hüftgurtknotengurt heutzutage einen Schnallenhüftgurt bzw. Adapter an, wodurch ein Meitai sich in einen Halfbuckle verwandeln lässt.

z.B. MySol, LueMai


  • Half Buckle:

Verwandt mit dem MeiTai, besteht der einzige Unterschied darin, dass der Hüftgurt mit Schnalle („Halbschnalle“) verschlossen wird, während die Schulterträger weiterhin gebunden werden. Die Schnalle erleichtert das feste Anlegen des Hüftgurts: Dies kann beispielsweise bei eher dünnen Hüftgurten eine relevante Kleinigkeit sein, um ein unter dem höheren Gewicht eines Babys bisweilen vorkommende Kippen des Hüftgurts zu verhindern. Ein Tragen am Bauch, Hüfte & Rücken ist mit dem Half Buckle in der Regel möglich, ebenso wie ihr Einsatz ab Geburt.

z.B. Frl. Hübsch, Huckepack Halfbuckle, Storchenwiege Carrier, Kokadi TaiTai, Limas


  • Wrapcon:

Eine Wrapcon ist im Prinzip eine aus einem Tragetuch konvertierte Tragehilfe und eine Spielart des MeiTai/Halfbuckle. Der Hüftgurt ist teils zum Knoten, inzwischen mehren sich jedoch die Varianten mit Schnallenhüftgurt. Am charakteristischsten bei der Wrapcon sind die Träger. Diese sind  breitere Stoffbahnen von etwa halber Tragetuchbreite, welche sich, wenn angelegt, schön über die Schultern des Trägers auffächern lassen. Wichtig ist, das diese Bahnen anschließend wie bei einem Tragetuch strähnchenweise gestrafft werden, um  die Tragehilfe schön ans Kind anzupassen. Sie stellen eine spannende Alternative für Eltern dar, welche vor dem Tuchbinden Respekt haben, jedoch nicht völlig auf das Tragen im Tuch verzichten wollen. Auch bei Rückenbeschwerden kann der  dem Tragetuch (Wickelkreuztrage/Känguru) ähnlichen Tuchverlauf bei straffem Binden als angenehmer stützend empfunden werden, als andere Tragehilfen. Ab Sitzalter kann mittels über dem Po aufgefächerten Tuchbahnen eine zusätzliche Gewichtsentlastung erzielt werden. Beim Rückentragen wiederum können zahlreiche Rucksackfinishs einen optisch Hingucker darstellen, sowie eine gleichmäßige Gewichtsverteilung begünstigen. Dem großen Vorteil stet der für manche Eltern gleichzeitig subjektiv empfundene „Nachteil“ gegenüber: manchmal wird das Anlegen der Wrapcon als im Vergleich zum normalen Halfbuckle/Meitai zeitlich aufwendiger empfunden; manchen stört auch die durch die breiten Träger im Schulterbereich verursachte kleine Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit.

z.B. Didytai, Hoptye, Fidella Flytai/FlyClick, Wrapidil, Kokadi Wraptai/-star, Huckepack Wraptai, Lennylamb Wrapcon, Diva Milano Meitai, Madame Jordan MeiTai, Frl. Hübsch Wrapcon, NekoTai, Limas Plus


  • Full Buckle:

Isara V3 carrier

Wie der Name „Voll-Schnalle“ bereits impliziert, werden Hüft- als auch Schulterträger mit Schnallen verschlossen und dieser Typ stellt in der Regel eine beliebte „Papa-Trage“ dar. Intuitiv und schnell anzulegen und meist gut gepolstert, ist ein Fullbuckle eine häufige Wahl für Wanderungen oder Schlechtwetter-Tage.

Ein guter Fullbuckle sollte, um den Druck auf den kindlichen Rücken, verbunden mit einer verfrühten Aufrichtung der Wirbelsäule, möglichst gering zu halten, zwei Einsteckmöglichkeiten für die Schulterträger aufweisen: im Hüftgurt für Babys ab Geburt, im Rückenpaneel ab Sitzalter. Obwohl viele Hersteller ihre Tragehilfe „ab Geburt“ bewerben, sind nicht alle aufgrund der nicht immer vorhandenen Verstellbarkeit des Steges/ Konstruktion/ Trägerverlauf auch wirklich schon ab diesem Zeitpunkt zu empfehlen. Träger, welche im Rückenpaneel enden, können, speziell bei Frauen mit großer Oberweite über die Brust verlaufen, und bei Stillmüttern potentiell Milchstaus verursachen!

Ein Fullbuckle kann zumindest auf Bauch und Rücken genützt werden. Tragehilfen mit geraden, umsteckbaren Trägern können großteils auch auf der Hüfte angelegt werden.

Fullbuckles weisen den Nachteil an, dass sie am aufwendigsten an verschieden gebaute Trägerpaare angepasst werden müssen: bei einem häufigen Trägerwechsel kann die teils komplette Umstellung aller Einstellungen (z.B. zur Verkleinerung des Umfangs der Schulterträger) als lästig empfunden werden.

z.B. Buzzidil, Emei, Kokadi Flip, MilaMai, Fidella Fusion, Jonobaby Fullbuckle, Huckepack Fullbuckle, Nekoslings, Isara, Ruckeli, Manduca, Ergobaby, Lenny Lamb, Tula, KiBi etc.


  • Onbuhimo:

Rucksackartig geformt besteht der Onbu(himo) nur aus einem rechteckigen Stück Stoff mit Schulterträgern und ist eine Tragevariante welche sehr hoch, vorrangig am Rücken, getragen wird. Empfehlenswert ist die Tragehilfe etwa ab dem ab Sitzalter- bzw. Laufalter. Durch das Fehlen eines Hüftgurtes eignet sich der Onbu nicht nur als material- und platzsparende Trage für ab und an ermüdete Lauflinge, sondern auch gut als Tragehilfe während einer Schwangerschaft oder im Hochsommer. Die dadurch ungewohnte Gewichtsbelastung auf den Schultern ist allerdings nicht jedem bequem. Es macht bei der Wahl eines Onbuhimos daher Sinn, mehrere Modelle über längere Strecken zu testen, da zwischen den Herstellern bei der Trägerpolsterung starke Unterschiede herrschen, wodurch vielleicht bei einem Modell bereits nach einer kurzen Zeit Schmerzen auftreten, mit einem anderen aber lange komfortabel getragen werden kann.

z.B. Madame Jordan, Fidella, Kokadi, Huckepack, Lennylamb, Schneggle, LenIsa, Sterntuch,…


  • Hybridtrage:

Die Hybridtrage ist eine Mischung aus Fullbuckle und Onbu – je nachdem ob der Hüftgurt genutzt wird oder nicht, lässt sich die Tragehilfe rasch umwandeln. Für Menschen, welchen ein Onbuhimo attraktiv erscheint, denen dieser aber nach überschaubarer Zeit unangenehm wird, wäre eine Hybridtrage eine alternative Idee, um weiterhin auch die Vorteile beider Tragetypen nützen zu können.

z.B. Kokadi, Buzzidil „Buzzibu“, Kindsknopf „Em“


  • Podaegi:

Vorallem im asiatischen Raum bekannt handelt es sich beim Podaegi um einen rechteckigen Stoff mit Bändern, welche als Schulterträger, ähnlich dem einfachen Rucksack ums Kind gebunden werden. Diese Trageweise kommt ohne Hüftgurt aus und wird vorrangig am Rücken genutzt. Podaegi gebunden lassen sich manche MeiTais (z.B. MySol) auch für sehr kleine Babys anpassen. Auch in einer Schwangerschaft könnte er trageversierteren Eltern reizvoll erscheinen.

z.B. Fidella, Huckepack, Kokadi, Madame Jordan


  • Kraxe:

Kraxen sind, vorrangig bei Vätern, recht beliebte Wanderrucksäcke, welche eine kleine Sitzgelegenheit fürs Kind bieten, umrandet von einem rechteckig/quadratischen Gestell. Zu beachten ist, dass sich durch die Konstruktion der Schwerpunkt beim Träger verändert. Empfohlen werden Kraxen frühestens ab Sitz-, besser jedoch Laufalter. Die Kinder werden nicht wie bei einer Tragehilfe rundum aufrecht gestützt, d.h. wenn sie beim Wandern einschlafen, sacken sie tendenziell zusammen. Eine Kraxe macht somit bevorzugt dann Sinn, wenn das Kind sich selbst gut komplett aufrecht halten kann und auch die Schlafphasen seltener werden. Davor wäre ein Fullbuckle o.ä. die bessere Wahl.

Kraxen mit verstellbaren Steigbügel oder ähnlichen Bein-Abstellhilfen sind zu bevorzugen (Stichwort herabhängende Beine!). Zur Auswahl eines geeigneten Modells ist es ratsam, eine Vor-Ort-Beratung in einem einschlägigen Bergsportgeschäft zu wählen.

z.B. Deuter, Vaude, Osprey, ..

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