„Wie Sie reden, damit ihr Kind zuhört und wie Sie zuhören, damit ihr Kind redet.“ So heißt das 2017 als Neuauflage des 2011 im GU Verlag erschienene Buch von Jan-Uwe Rogge und Angelika Bartram.

Wenn du bereits beim Lesen des Buchtitels aussteigst, dann kannst du in etwa nachempfinden, wie es deinem Kind geht, wenn du ihm bei einem Wutausbruch einen unendlichen Sermon an perfekter Argumentationskette hältst, warum sein Verhalten nun unangebracht gewesen wäre. Dein Kind hat bereits aufgehört zuzuhören, ehe du mit der Hälfte deiner Ansprache durch bist.

Kommunikation ist auch im Umgang mit Kindern der Schlüssel zur lebendigen und vertrauensvollen Beziehung. Typische Muster, falsche Erwartungen und häufige Fallen können aus Konfliktlösungsversuchen rasch verfahrene Kommunikationseinbahnen machen, mit Frustration, Wut und Hilflosigkeit auf beiden Seiten.

Im Buch nach dem Motto „Vom Reden, zuhören und sprechen ohne Worte“ wird anhand klassischer Beispiele aus dem Familienalltag Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir Konfliktsituationen entschärfen und wieder in Beziehung treten können.

Über die Autoren Jan-Uwe Rogge und Angelika Bartram:

Jan-Uwe Rogge, geb. 1947 in Stade, ist verheiratet und Vater eines Kindes. Er wirkt als deutscher Erziehungsberater, Autor und Kolumnist. Nach Matura und Militärdienst studierte er Germanistik, Politwissenschaften sowie Kulturwissenschaften. Er promovierte in Verhaltens- und Sozialwissenschaften. Von 1976 bis 1985 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Ludwig-Uhland-Institut für empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen und leitete mehrere Forschungsprojekte zu den Themen Familie, Kindheit und Medien. Neben Fachveröffentlichungen in Fachzeitschriften und Büchern verfasste er auch eigenständige Publikationen. Gleichzeitig bildete er sich zum Familien- und Kommunikations-Berater weiter und gibt seit 1985 Seminaren und Vorträgen im In- und Ausland für Familien, Eltern und Pädagogen weiter, zugleich ist er als Erziehungsexperte häufiger Gast in Radio und Fernsehen. Seit 1984 veröffentlichte er zahlreiche, in bis zu 21 Sprachen verfasste Erziehungsratgeber, welche vereinzelt auch auf Bestseller-Listen landeten. Seit mehreren Jahren trägt er monatlich als Kolumnist zur österreichischen Zeitschrift Welt der Frauen bei.

Zusammen mit Angelika Bartram hat Jan-Uwe Rogge mehrere Kinderbücher verfasst. Angelika Bartram ist Schauspielerin, Erzählerin und Autorin und Begründerin des fantastischen Erlebnistheaters. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sie sich mit witzig-phantastischer Unterhaltung in Theater, Hörfunk und Fernsehen einen Namen gemacht, ihr Ihre berufliche Tätigkeit beinhaltet auch eine Mitwirkung an der Sesamstraße.

Zum Inhalt des Buchs:

Welche Grundsätze sollte ich kennen, wenn ich mit meinem Kind erfolgreich kommunikativ in Beziehung treten möchte? In sechs Kapiteln vermitteln die Autoren dem Leser anhand klassischer Beispiele „zum aus der Haut fahren“ aus dem Familienalltag – („Mund fusselig reden, ohne Veränderung“, wenns „Kind nicht spurt“, wenn Streit ausartet, „warum bringt mich mein Kind immer zum Schreien?“, etc.)  mit Kindern von Kleinkind bis Teenager basales Wissen rund um Kommunikation, aber auch, warum manche eingefahrene Methoden (z.B. eine Stunde über ein Verhalten zu monologisieren) einfach nicht funktionieren.

  1. Klare Botschaften, konsequent handeln: Über Absprachen und natürliche Konsequenzen vs. Strafen
  2. Sprache und Beziehung gehören zusammen: Ich-Botschaften als Zauberformel und warum manche Fragen einfach keine Fragen sind und dem Kind somit jegliche Wahl von vornherein unterbunden wird.
  3. Streiten gehört dazu  – und kann so manches klären: Vom Innehalten, wenn es eskaliert und Betrachten der Situation aus dem Winkel der vier Ohren einer Nachricht. Wie streite ich richtig?
  4. Grenzen setzen, ohne laut zu werden: Über die Bedeutung von Augen- und Körperkontakt, um sich angenommen zu fühlen und in Kontakt zu treten; warum uns manche Dinge triggern – und uns Kinder dadurch in den eigenen Spiegel zu schauen lehren; wie mit unangemessenem Verhalten (Schimpfwörter, Gewalt) umgehen.
  5. Worte prophezeien, Magie verzaubert: die positive und negative Macht von Wörtern und wie mit Wunderspielen einmal die Perspektive gewechselt werden kann.
  6. So gelingen gute Gespräche – manchmal jedenfalls: Fragetechniken für eine Atmosphäre des Vertrauens – warum es wichtig ist „wirklich“ zuzuhören, statt nur zu verhören, wie der Tag war.

Die Beispiele der einzelnen Kapitel wurden sehr lebensnah gewählt, wenngleich ältere Kinder ab Volkschule, mit ihrer Lebenswelt dominieren. Die einzelnen theoretischen Inhalte werden immer nach einem Schema präsentiert: die negativ-Situation und was es bei den Beteiligten auslöst bzw. wodurch die Probleme motiviert oder verstärkt werden, dann ein theoretischer Einwurf, welcher in seiner Formulierung jedoch eher erzählerisch-locker verpackt ist, und ein Lösungsweg, welcher alle Bedürfnisse evaluiert und zu einem erzieherischen „Happy End“ führt.

Jedem Kapitel eigene Wissensschwerpunkte werden farblich vom Fließtext abgehoben in einem extra Kasten hervorgehoben, wodurch ein späteres Nachschlagen bzw. Einprägen der Theorie, ohne alles nochmal lesen zu müssen, leicht möglich ist. Während der Haupttext von einfachen, kurzen Sätzen ohne Fremdwörter geprägt ist, mit vielen Dialogen und Metaphern, welche auch Lesern aus bildungsfernen Schichten abholen, sind die Fachinhalte mit vielem Fremdwörtern formuliert, quasi „Expertise“.

Abschließend kann der Leser an 15 Situationen mittels Multiple Choice Test sein Wissen erproben. Der Multiple Choice Test ist ein nettes Gimmick, um noch einmal manche Ansätze durchzudenken, war für mich aber eher überflüssig, da es eben sehr „schematisch“ und simpel bzw. vorhersehbar: zu schwarz-weiß sind die Formulierungen der drei möglichen Ansätze, als dass ich wirklich nochmal ins Grübeln gekommen wäre. Hier hätte man auch mit ein wenig Reflexionsfähigkeit auch ohne das Buch zu lesen erkannt, welche Antwort der Autor hören will.

Fazit zum Buch von Jan-Uwe Rogge:

Im Buch wird ein Kind präsentiert, dessen „Fehlverhalten“ (wie auch immer man dieses definiert ist letzten Endes auch eine Frage der Perspektive!) provoziert, Eltern an ihr Limit bringen, um deren authentischen Kern, eine auf vorhersehbare Regeln, Absprachen und Konsequenz basierende Haltung, hervorzukehren. Die Eltern wiederum sind in Rogges Buch völlig hilflos ihrem Kind ausgeliefert, mangels bisheriger Konsequenz oder „Laisse Faire-Haltung“, und müssen von Jan-Uwe Rogge wieder auf den „richtigen“ Weg konsequenter Erziehung gebracht werden. Leider wird das evolutionsbiologische Verhalten der einzelnen Altersstufen eher ignoriert, und primär moralisch beurteilt. Sozialisation erfolgt laut Rogge durch funktionale Erziehung und konsequentes Vorbild der Eltern.

Der unüberwindbare Berg an eigenen Erziehungsproblemen mag aber manchen Eltern angesichts der dramatisch inszenierten WorstCase-Beispiele plötzlich klein vorkommen, möglicherweise auch etwas Stress aus der Situation rausnehmen. Jedoch: nicht alles ist mit Schema F-Erziehung & Konsequenz alleine lösbar, dazu ist Be-Ziehung über Kommunikation hinaus einfach zu vielschichtig.

Aber: Für Neulinge im Bereich Kommunikation finden sich viele wichtige Eckpunkte einer gelungenen Kommunikation im Buch. Der Erzählstil ist kurzweilig und anschaulich gehalten, macht Lesen somit sehr unterhaltsam und ehe man es sich versieht, sind die 173 Seiten – auch dank einer recht großen Schrift – bereits durchgelesen. Ich hatte mir jedoch etwas mehr Bezug auch zu Kindern unter 6 Jahren erhofft. Aber: Kommunikation ist am Ende IMMER relevant, egal wie alt ein Kind ist, und viele im Buch vorgestellte Techniken können natürlich auch mit kleinen Kindern wunderbar genutzt werden, mit evtl. kleinen Abstrichen entsprechend ihrer altersbedingten Entwicklung und Fähigkeiten.

Für Menschen, welche vorrangig praktische Beispiele als orientativen Rahmen für ihr Tun brauchen, ist das Buch  sicher eine  ebenso unterhaltsame Lektüre voller Anregungen, um einmal neue Ansätze in ihnen bekannten Situationen auszuprobieren und in den Familienalltag zu integrieren, wie für Menschen, welche einfach eher Trost und Entlastung oder etwas Unterhaltung in dem Bereich suchen.

Für Personen, welche eher den theoretischen Aspekt von Kommunikation brauchen, ist z.B. die gewaltfreie Kommunikation wohl ein tieferer und langfristig bereichernderer Ansatz.

Mich persönlich hat das Buch vorrangig unterhalten, es fehlte mir aber an inhaltlicher Tiefe, aber zum Reflektieren bzw. Aufspüren der indiviuellen alltäglichen, kommunikativen Stolperfallen hilft es durchaus effektiv.

Kleiner Hinweis; Ich muss dazu sagen, ich bin bisher nicht dazu gekommen mehr Bücher von Rogge zu lesen, angeblich soll sich aber für Rogge-Vertraute Leser viel Inhalt aus anderen seiner Bücher wiederholen!

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Details zum Buch:
Jan-Uwe Rogge, Angelika Baltram: 
"Wie Sie reden, damit ihr Kind zuhört, und wie sie zuhören, damit ihr Kind redet."
ISBN/EAN: 978-3-8338-6273-1
Sprache: Deutsch 
Umfang: Hardcover, 176 Seiten, 16x 21,5cm
 Durchgehend vierfarbig, mit zahlreichen Fotos
Preis: € 17,99 (D), € 18,50 (A) 
Erschienen im August 2017 (2.Aufl.) im Gräfe und Unzer Verlag

Das Buch wurde mir vom GU Verlag freundlicherweise für die Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Cover Jan-Uwe Rogge (C) Gräfe & Unzer Verlag

Kontakt

Via Martin Luther King 44/C

08025 Oliena (Nuoro)

Sardinien (Italien)

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+39 347 492 8829

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