Dein Baby muss bitte um 18 Uhr im Bett liegen, und wenn es weint, bleib konsequent! Weinen? Reine Manipulation! Und lege bitte nur alle vier Stunden an die Brust an. Öfter verwöhnt ja nur, und wäre für dich viel zu anstrengend! Mit 17 Wochen musst du bitte dein Baby aber an Beikost GEWÖHNEN! Und fange auf alle Fälle mit Karotte an, weil wenn du Obst zuerst anbietest, wird es dir nie Gemüsebrei essen!

Unsere Erziehungsvorstellungen sind, vor allem vor der Geburt oft sehr eindeutig: Müssen, sollen, werden … doch selten ein KÖNNEN. Und Babys sind nicht klein und hilflos, sondern wissen genau was sie brauchen: Sie können ihre Muttersprache ab Geburt wiedererkennen, ihre Eltern von anderen Personen unterscheiden, können von alleine zur Brust finden und daran trinken, durch Laute und Mimik verdeutlichen, wie es ihnen geht. Kurz: Sie zeigen eine jahrtausendealte Fülle an Kompetenzen, welche ihnen dabei hilft, in Kontakt zu treten, zu überleben! „Mein kompetente Baby“ von Nora Imlau widmet sich all diesem Können des Neugeborenen bzw. Babys im ersten Lebensjahr, bis zum Übergang zum autonomen, kompetenten Kleinkind.

Über Nora Imlau:

Nora Imlau, 1983 geboren, gilt in unserem Sprachraum heute als eine der wichtigsten Expertinnen für Baby- und Kleinkindthemen. Als Journalistin und Fachautorin für Familienfragen schreibt sie unter anderem für die Zeitschrift ELTERN und hat bereits mehrere erfolgreiche Elternratgeber (z.B. „Das Geheimnis zufriedener Babys“, „Schlaf gut Baby“, „Das Geburtsbuch“ u.a.) veröffentlicht. In Vorträgen und Workshops macht sie sich für ein bindungs- und beziehungsreiches Familienleben stark. Durch ihren konsequent bedürfnisorientierten Blick auf Kinder und Eltern haben auch ihre Facebookseite und ihr Blog eine große Fangemeinde. Nora Imlau hat selbst drei Kinder und lebt in Leipzig.

Über das Buch „Mein kompetentes Baby“

Bereits am Cover lässt „der Schalk“ in Babys Grinsen darauf schließen, dass ein Baby genau weiß was es braucht und will: feinfühlige Beziehung zu seinen Bezugspersonen.

Grundlage für seine Kompetenz ist eine Jahrtausende altes, evolutionsbedingte Verhaltensrepertoire: Vom Suchreflex nach der Geburt, dem reflexbasierten „Automatismus“ für ein erfolgreiches Stillen, kleinsten Hungersignalen, einer feinen Antenne für Spannungen, aber auch der unbändige Wunsch nach enger, körperlicher Verbundenheit, ob beim Tragen, beim Schlafen etc.. In all seinem Tun signalisiert uns unser Baby „Nimm mich an!“.

Für uns Erwachsene kann diese anfängliche Abhängigkeit anstrengend sein, vielleicht ertappen wir uns auch bei einem frustrierten „jetzt könnte es ja mal funktionieren, mit Durchschlafen, Ablegen, etc.“. Das „Steinzeitbaby“, auf dessen Konzept auch das Buch aufbaut, weiß aber nicht, dass wir heute Zentralheizung, versperrbare Türen etc. haben. Unser Baby ist in seinem Verhalten kein Smartphone des 21. Jh., welches programmierbar ist, sondern lebt noch in stetiger Angst vor dem Verlust seiner Bezugspersonen, einem Aufwachen neben einem erkalteten Lagerfeuer, dem Säbelzahntiger, welcher nur auf das verlassene Baby als Beute wartet. Kurz: Ein Verlust der Beziehung, des Körperkontakts bedeutet in Babys Denken ein Todesurteil. Mutters Nähe jedoch Wärme, Nahrung und Sicherheit. Babys brauchen wie man sieht wirklich nicht viel, und beobachten wir sie, so geben sie uns klare Antworten auf ihre Bedürfnisse und vereinfachen unseren Alltag.

Alltagssituationen wie Stillen, Schlafen, Kommunikation, Motorikentwicklung, Verhalten & Empathie, aber auch Beikost mit einem Fokus ins Thema Baby Led Weaning stellen die thematischen Hauptkapitel dar. Jedes Thema wird nicht nur aus Sicht der Evolution beleuchtet („Warum agieren Babys so?“), sondern auch Stolpersteine oder, durch alte Erziehungsansichten verzerrte Erwartungshaltungen werden hinterfragt bzw. bieten neue Blickwinkel. Ein innerlicher Paradigmenwechsel beim Leser ist, wenn nicht bereits zuvor geschehen, nicht unwahrscheinlich: Weg vom Bild des unvollkommenen, von Fehlern behafteten und einer aktiven Formung/Erziehung zu unterwerfenden Baby, hin zu einem vertrauenden, bestärkenden Miteinander, in Beziehung treten.

Das Buch ist angenehm zu lesen, in Sprache wie auch Layout gut strukturiert. Manche Passagen könnten jedoch bei betroffenen Müttern vielleicht Schuldgefühle aufkommen lassen (speziell wenn Nora Imlau z.B. über den Stillstreik bzw. die Brustverweigerung, aber bevorzugte Annahme einer Flasche schreibt), aber ihre Worte unterschreibe ich sofort. Ich finde es einfach wichtig, dass sie in mancher vielleicht harten, aber klaren Aussage vor Situationen warnt, welche durch Unerfahrenheit/veraltete Ratschläge aufs Gegenteil zu dem was unser Baby braucht hinauslaufen würden, und hier zur bewussten Reflexion einlädt!

Fazit zum Buch „Mein kompetentes Baby“

Für mich persönlich war durch mein Vorwissen nicht viel neues dabei, ebenso wird wohl jemand der Renz-Polsters „Kinder verstehen“ daheim stehen hat viel Altbekanntes lesen. Für Neo-Mamas bzw. in bedürfnisorientierter Erziehung unerfahrene Eltern stellt die Lektüre aber unzweifelhaft ein „Must-Have“-Buch dar. Zu oft sind wir selber in unseren eigenen Kindheitserfahrungen einer autoritären Erziehung noch gefangen und tun uns schwer damit, ein „Sein“ einfach mal nur zuzulassen, im Moment zu leben, nicht im starren Zeitplan bzw. pädagogischen Regel-Standardwerk.

Kompakt und auf einer überschaubaren Seitenanzahl (denn gerade Muße/Wachheit zum Lesen ist mit Baby ohnehin hier ein sparsames Gut!) finden sich alle wichtigen Informationen zu den Kernthemen des ersten Lebensjahres, um mit Wissen zu den evolutionspsychologischen Hintergründen gewappnet, entspannt und feinfühlig und kompetent auf sein nicht minder kompetentes Baby zu reagieren, und eine tiefe, auf gegenseitigem Vertrauen aufbauende bindungsorientierte Basis aufbauen zu können. Das Bewusstsein, dass es ausreicht mein Baby zu lesen, um alles richtig zu machen, und es keine herkömmliche „Erziehung“ (im Sinne von „es muss jetzt dieses und jenes tun, wenn ich es will“) benötigt, gibt Familien ein richtig befreiendes, positives und bestärkendes Gefühl mit auf den Weg. Und wenn Eltern und Kind miteinander – anstatt gegeneinander – agieren und kommunizieren, so verspricht dies langfristig ein entspanntes Familienverhältnis!

Kontakt

Via Martin Luther King 44/C

08025 Oliena (Nuoro)

Sardinien (Italien)

info@nidonellisola.it

+39 347 492 8829

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Details zum Buch:
Nora Imlau: "Mein kompetentes Baby. Wie Kinder zeigen, was sie brauchen."
ISBN/EAN: 978-3-466-31067-8 
Sprache: Deutsch 
Umfang: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 208 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
 Durchgehend vierfarbig, mit zahlreichen Fotos
Preis: € 19,99 (D), € 20,60 (A) 
Erschienen am 29. August 2016 im Kösel Verlag (2. Auflage 2017)

Das Buch wurde mir vom Kösel Verlag freundlicherweise für die Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Cover „Mein kompetentes Baby“ von Nora Imlau (C) Kösel Verlag

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