Das Buch „Babymassage. Praktische Anleitung für Mütter und Väter.“ ist ein Standardwerk im Bereich Massage in der Baby und Kleinkindzeit. 1979 erschienen hat es auch heute, in der inzwischen 18. deutschen Auflage dabei kein bisschen an Aktualität oder Wertigkeit verloren – es verwundert daher wenig, dass das englische Originalwerk in zahlreiche Sprachen übersetzt worden ist.

Entspannen, beruhigen, stärken und Vertrauen fördern – das tägliches Ritual der Babymassage kann zu einem kostbaren Geschenk der Eltern an ihr Kind und an sich selber sein!

Über Vimala Schneider

Vimala Schneider lebt in Colorado, USA und praktiziert seit 1970 Yoga und Meditation. Ersteres lehrte sie auch bis zur Geburt ihres Sohnes, welcher inzwischen erwachsen ist, beruflich. Mit den Kindern begann sie sich mit dem Thema „Elternschaft zu beschäftigen“ und brachte von einem Arbeitseinsatz in einem Waisenhaus in Nordindien die Tradition der indischen Babymassage in den Westen. Nach der Veröffentlichung ihres Buches „Babymassage“ begann sie Eltern in der Technik, eine Mischung aus indischer Babymassage mit Elementen der schwedischen Massage sowie der Reflexzonenmassage und Yogastellungen (Asanas) zu unterweisen und entwickelte 1978 auf die große Nachfrage hinaus ein Trainingsprogramm für in der Geburtshilfe tätige Fachkräfte. Mit den Jahren entwickelten sich ihre Griffabfolgen zum zentralen Lehrplan der „Gesellschaft für Babymassage“, aus welcher sich 1986 die IAIM (international Association of Infant Massage), welche inzwischen in 75 Ländern weltweit Lehrpersonen aufweist, bildete.

In den vergangenen Jahren zog es Vimala Schneider häufig nach Indien (sie arbeitete u.a. in Mutter Theresas Kinderklinik „Shishu Bavan“ in Calcutta mit), sie schrieb und schreibt zahlreiche Artikel für Zeitschriften sowie einige weitere Bücher und geht ihren künstlerischen Interessen nach.

Zum Buch Babymassage von Vimala Schneider

Für mich war das Werk von Vimala Schneider wohl das Buch über Babymassage, welches mich bisher am meisten fesselte und berührte. In überschaubaren Abschnitten gegliedert schafft sie es die emotionale Bedeutung des frühkindlichen Körperkontakts in einer wunderbaren Bildsprache, ohne in Klischees oder Oberflächliche abzudriften zu vermitteln. Ergänzt werden ihre theoretischen Erläuterungen durch wertvolle Fakten von bindungstheoretischen und (zwar älteren, aber nach wie vor unangefochtenen, wenn nicht gar vielfach bestätigte) wissenschaftlichen Hintergründen bis hin zu praktischen Umsetzungstipps.

Besonders schön fand ich auch Vimalas Abschnitte zu den Vätern – auch Teeny-Vätern, Adoptiveltern, aber auch das Massieren durch Geschwisterkindern, ebenso wie das Massieren von Frühchen, behinderten oder kranken Kindern sowie Kleinkindern bis Teenagern eingeht. All dies sind Punkte, welche in vielen Büchern zur Babymassage meist komplett ignoriert werden oder nur eine Randnotiz darstellen. Vimalas Buch ist unzweifelhaft das kompletteste Werk, welches ich bisher über Babymassage lesen durfte! Zwar könnte man manche Einzelheiten als heute etwas überholt ansehen (immerhin ist die väterliche Partizipation heutzutage stärker verbreitet als noch in den 80er Jahren), vieles ist aber einem dann doch in manchen Situationen einfach nicht mehr als Möglichkeit bewusst!

Spannend ist ihr Exurs ins Thema Weinen & Schreien. Hier betont sie bewusst, dass Babymassage zwar helfen kann, ein Baby wieder ins „Lot“ zu bringen, aber kein Allheilmittel für jeden Umstand ist, und für manche Baby ein begleitetes (!) Weinen ein natürlicher Weg ist, wie manche Babys ihre Anpannungen lösen. Weinen sollte also nicht als „unliebsam“ unterdrückt und verpönt sein, sondern  kann in manchen Situationen durchaus Entspannen und Erleichterung bringen. Aufgabe der Eltern ist hier – auch bei der Babymassage – dem Baby achtsam zu begegnen, ihm zuzuhören und ihr Baby in seinen Gefühlen zu unterstützen: vielleicht ist auch eben einfach nicht der richtige Zeitpunkt für eine Massage?

Einen sehr modernen Ansatz vertritt Vimala auch in ihrer Einleitung der Babymassage: das Einholen der Erlaubnis des Babys – durch seine körperliche Bereitschaft – zum gestreichelt, zum berührt werden. Blick, Lächeln, Stimme, Berührungen werden zu einem ganzheitlichen Erlebnis um Vertrauen, Zugehörigkeit, Entspannung durch die liebevolle, respektvolle Hautstimulation zu schaffen! Babymassage kann hier Eltern unterstützen, subtilste Signale in der Eltern-Kind-Kommunikation lesen zu lernen. Diese Einladung zum „Miteinander“ sollte ja nicht nur in der Babymassage, sondern auch z.B. beim Wickeln, Anziehen nach heutiger Auffassung immer ausgesprochen werden, um dem Baby eine aktive Teilhabe am Geschehen zu ermöglichen bzw. die Entscheidungsfreiheit über seinen Körper nicht wegzunehmen.

Ich persönlich tat mir beim Nachvollziehen der Griffe durch meine Ausbildung sehr leicht, bei manchen Fotos musste ich aber zweimal schauen, da es mir von Bildkomposition zur Textformulierung nicht immer auf Anhieb logisch wirkte (manchmal schien die Beschreibung zum Bild „spiegelverkehrt“). Aber wenn man sich mit den Anleitungen einmal tiefer beschäftigt hat, befinden sich alle essentiellen Griffe im eigenen Repertoire bzw. können diese als Erinnerungsstütze bzw. Nachschlagewerk für im Babymassagekurs erlernte Techniken sehr hilfreich sein! Allen Griffen hat Vimala basierend auf der indischen und schwedischen Babymassage entwickelt. Die traditionelle indische Babymassage soll gestaute Energien lösen und den Körper ins Gleichgewicht bringen; die schwedische Massage die Durchblutung anregen.

Reime, Fingerspiele, Lieder wie auch praktische Tipps  für z.B. Wehwechen der Babyzeit runden das Buch ab.

Fazit zum Buch Babymassage von Vimala Schneider

Das es optisch eher altbacken in Schriftbild, und Layout wirkt stört beim Buch von Vimala Schneider eher nicht – der Inhalt war damals revolutionär, ist aber auch heute, gut 40 Jahre später noch ebenso relevant, wie es noch in 50 Jahren sein wird. Kurzum: ein Klassiker! Es sollte somit zumindest im Bücherregal eines jeden Babymassagekursleiters stehen.

Immer wieder betont Vimala in ihrem Buch, dass Lesen alleine keinen Kurs durch in ihrer Technik ausgebildete Trainer ersetzt, da durch eine Teilnahme an einem Kurs die tiefgreifende Wirkung der Babymassage von Eltern erst wirklich erkannt wird. Hier hat sie ohne Zweifel recht, dass für viele Eltern eine Anleitung vor Ort hilfreich ist.

Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass jede Hautstimulation für ein Baby sehr wertvoll ist, unabhängig vom „perfekten Griff“. Hier somit vor einer potentiellen „schädlichen Wirkung“ zum Abschluss ihres Werkes zu reden, wenn man eine Babymassage nicht bei einem Trainer nach Lehrbuch lernt, sondern vielleicht nach Gefühl (z.B. aus Babymassagebüchern, welche in vielen Bereichen 1:1 Vimalas Griffe kopiert haben) „improvisiert“, könnte Eltern, welche nicht die Möglichkeit eines Kurs haben, potentiell abschrecken, ihr Baby überhaupt zu massieren. Denn wer möchte seinem Baby potentiell durch „Unperfektion“ schaden?

Aber abgesehen von dem kleinen Punkt (welcher vom Leser potentiell nicht mal wahrgenommen wird, da inmitten weiterführender Links, Literaturangaben etc. „versteckt“, bin ich wirklich sehr angetan vom Buch und werde es sicher noch öfters zur Hand nehmen und gerne weiterempfehlen!

Details zum Buch:
Vimala Schneider: "Babymassage. Praktische Anleitung für Mütter und Väter."
ISBN/EAN: 978-3-466-34452-9 
Sprache: Deutsch 
Umfang: Paperback, Broschur, 208 Seiten,  17.6 x 1.6 x 22.1 cm 
mit zahlreichen S/W Fotos
Preis: € 15,99 (D), € 16,50 (A) 
Erschienen am 14. Februar 2002 im Kösel Verlag (18. Aufl.)

Das Buch wurde mir vom Kösel Verlag freundlicherweise für die Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt.

Cover des Buchs Babymassage von Vimala Schneider  (c) Kösel Verlag

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