Im Zuge der Babymesse in Dornbirn im Mai 2017 erhielt ich die Chance eine Toddlersize Tragehilfe (in meinem Fall Modell Myra Ruby, 100% Baumwolle) von Nekoslings meinem Beratungssortiment hinzuzufügen. Heute möchte ich euch ein wenig mehr zu den Eigenschaften und potentiellen Vor- & Nachteilen dieses Fullbuckles erzählen.

Über den Hersteller Nekoslings:

Der Hersteller Nekoslings ist eine seit 2012 existierende türkische Firma, welche auch dort produziert. Der Name „Neko“ leitet sich von dem japanischen Wort für „Katze“ ab, deren Pfote auch Logo des Herstellers ist. Seit Mai 2017 sitzt der für Österreich, Deutschland und Schweiz zuständige Vertriebspartner in Vorarlberg. Neben Tragehilfen stellt Nekoslings gewebte und elastische Tücher, aber auch Tragecover und Accessoires für Eltern und Baby her. Bei den für die Herstellung verwendeten Materialien wird auf GOTS-Zertifikate und Ökotex-Qualität geachtet.

Die Tragehilfe im Detail

Alle Tücher, aber auch Tragehilfen, können aktuell als Modell aus reiner Baumwolle oder mit 40% Bambusviskoseanteil bezogen werden. Im Unterschied zu in unseren Breiten bekannteren Modellen wie Buzzidil, Flip, Emei etc. gehören die Tragehilfen zu der Sparte an Fullbuckles, welche im englischsprachigen Raum als „Soft Structured Carriers“ (SSC) typisiert sind, vergleichbar mit z.B. Tula. Für unsereins, an in mehreren Bereichen stufenlos anpassbare Tragehilfen (vgl. „Kriterien für eine gute Tragehilfe“) gewöhnte Träger, bedeutet dies im Fall von Nekoslings folgendes:

  • Es gibt (noch) keine Verstellbarkeit im Nackenbereich
  • Die Paneelhöhe ist nicht verstellbar (getragen wird Non-Apron, wie von Fullbuckles gewohnt)
  • Der Steg ist nicht verstellbar (hierzu unten noch mehr!)
  • Die Schulterträger enden direkt im Rückenpaneel.

Weitere Charakteristika sind:

  • Rückenpaneel aus doppellagigem „Tragetuchstoff“
  • leichte, ca. 9 cm breite Polsterung im Kniebereich
  • Gerader Trägerschnitt, welcher jedoch fix im Paneel verankert ist. Durch die eher weiche, aber ausreichende Polsterung formt sich aber eine bequeme Rundung.
  • Brustgurt verstellbar in Höhe & Weite
  • Stillschnallen“ zur weiteren Verkürzung der Schulterträger bzw. besseren Stützung des Kindes vorhanden
  • keine Sicherheitsschnallen (lt. Hersteller aber geprüft)
  • Nackenstütze ist durch Gummiband seitlich elastisch-gerafft genäht, kann aber trotz vorhandenem Kordelstopper nicht extra verkleinert werden  (max. durch einrollen). Durch eine Gummischlaufe und einen kleinen Plastikschieber im Schulterträger kann sie hochgeklappt und befestigt werden. Durch nicht vorhandene Behelfbändchen ist ein Hochholen beim Rückentragen alleine ohne vom Träger gesonderte Beifügung von Schnüren (quasi wie es beim Buzzidil manche Eltern lösen) unmöglich.
  • Hüftgurt leicht gerundet, in drei Segmente unterteilt. Mit ca. 1 cm festem, aber nachgiebigem Schaumstoff gepolstert. Die Enden des Hüftgurts sind umnäht, um ein Herausrutschen aus der Schnalle zu verhindern.
  • waschbar als Handwäsche bzw. im Handwaschprogramm der Waschmaschine bis zu 40°C

Von der Nekoslings-Tragehilfe werden zwei Modelle vertrieben: eine Babysize (Herstellerempfehlung ab 4 Monaten bis ca. Gr. 80/86) und Toddlersize (ab ca. 77cm/Gr. 80-86 bis 110 lt. Hersteller; 11-22 kg).

Beide Tragen unterscheiden sich rein von den Dimensionen (Toddlersize: Stegbreite 46 cm, Rückenpaneelhöhe ca.  46 cm)

Genützt werden kann die Trage vor dem Bauch und auf dem Rücken.

Die Verarbeitung wirkt optisch stabil und makellos.

Beobachtung aus der Praxis mit dem Nekoslings Carrier:

Nekoslings CarrierBei Tragetests mit unserem Sohn (ca. Gr. 92, 12,5 kg) wurde die Tragehilfe von meinem Mann, als auch von mir (soweit mit Kugelbauch der 35.-36. SSW aussagekräftig 😉 ) als sehr bequem eingestuft, auch über längere Zeit hinweg.

Der nicht verstellbare Steg stellte bei der Anhock-Spreizhaltung zumindest bei der Toddlersize keinerlei Problem dar, da sich der Hüftgurt und die dünne, sich ans Kind gut anpassende Stoffwahl hier gut ergänzen.  Die Breite regelt sich somit quasi von selbst und das Kind wird nicht (wie z.B. bei Tragehilfenmodelle mit starker Polsterung/Abnäher im unteren Rückenbereich) in eine eventuell unnatürliche Position oder unnatürliche Spreizung gepresst. Unser Sohn saß immer optimal, die jeweilige Spreizung definiert sich vorrangig über die Trägerstatur. Selbiges Phänomen lässt sich aber auch z.B. bei einem Tragetuch bei verschieden gebauten Trägern beobachten. Wie lang der Steg von der Breite tatsächlich in der Praxis auch ein „Knie zu Knie“ gewährleistet (der Hersteller redet von ca. 4-5 Jahren) konnte ich mangels älterer/größerer tragebegeisterter Kinder leider noch nicht praktisch beobachten, werde hier aber den Review bei Gelegenheit ggf. ergänzen!

Gerade die Kleidergröße des Trägers darf bei der Nekoslings Trage allerdings nicht ganz ignoriert werden: bei Versuchen mit Toddler-Puppe und Kleidergr. 34/36 war nicht nur der Hüftgurt quasi bereits fast auf maximalen Anschlag (max. noch 1-2 Fingerbreit Rest) zugezogen, auch war das schön einbeuteln deutlich erschwert, verglichen mit einem Träger mit ca. Kleidergröße 38 aufwärts.

Mit der Nekoslings-Tragehilfe am Rücken in Schwangerschaftswoche 35. Da der Hüftgurt der Umstände bedingt unterm Bauch getragen wurde, liegt die Nackenkante tiefer als bei normal hohem Tragen.

 

Das Rückenpaneel endete bei meinem Sohn, wenn gut eingebeutelt (hier kann es eventuell etwas nachzuppeln benötigen) schön im Nackenbereich. Ein Verkleinerungsbedarf der Paneellänge bei Kleidergröße 80 erscheint mir nicht nötig. Auch eine Verengung der Nackenkante ist bei einem Zweijährigen nicht weiter notwendig, könnte aber bei jüngeren Kindern (v.a. bei nicht altersgemäßer, fehlenden Kopfkontrolle) vielleicht problematisch werden, wenn als Möglichkeit nicht vorhanden. Hier bin ich aber guter Hoffnung bald mit Minibaby einen entsprechenden Check der Babysize nachliefern zu können. Gesprächen mit der Herstellerin nach ist die Anpassbarkeit des Nackenbereichs aber eines der Verbesserungssthemen, mit welchen sich Nekoslings aktuell auseinandersetzt. Hier sind somit wohl noch Änderungen in naher Zukunft zu erwarten.

Durch den Trägerverlauf, welcher im Rückenpaneel endet, hat es einen deutlichen, und durch die Konstruktion auch erwarteten, Zug auf den kindlichen Rücken, d.h. hier ist eine Aufrichtung beobachtbar. Ab Sitzalter stellt dies aber in meinen Augen kein Problem mehr dar. Prinzipiell hieße es allerdings in Bezug auf familiäre Bedürfnissen, Alter und Körpergröße des Kindes individuell abzuwägen, ob der Kauf einer Babysize (nach dem 4. Monat) vom Kosten-Nutzungsfaktor (noch) Sinn machen täte, oder im ersten Lebensjahr (bzw. bereits ab Geburt) potentiell auf besser anpassbare alternative Modelle oder ein Tragetuch zurückgegriffen, und erst ab ca. Gr. 80 direkt auf die Nekoslings Toddlersize gewechselt wird.

Preislich liegt der Hersteller bei den Tragehilfen mit ca. 130-140 Euro im gewohnten Rahmen für Tragehilfen guter Qualität.

Fazit:

Ich muss zugeben, trotz Bedenken im Vorfeld, hat mich die Tragehilfe von Nekoslings persönlich sehr positiv überrascht. Für ein Kleinkind kann ich mir die Trage auch für unsere Familie selbst gut vorstellen, da sie sehr bequem gepolstert ist und den körperlichen Voraussetzungen der Alterstufe völlig ausreichend gerecht wird. Für die Babysize fehlt mir leider noch die eigene praktisch Erfahrung, um meine Bedenken bei der aktuellen Konstruktion zu zerstreuen (wird aber fix noch im Herbst 2017 getestet!) bzw. bevorzuge ich hier persönlich auch andere Modelle, welche bereits ab Geburt nützbar und besser an die jeweiligen Bedürfnisse und anatomische Entwicklung eines kleinen Säuglings anpassbar sind. Wer jedoch eine Tragehilfe sucht, welche rasch angelegt ist und keinerlei Kopfzerbrechen beim Anpassen bedarf, könnte an der Nekoslingstrage spätestens ab Kleinkindalter viel Freude haben!