Limasbaby PLUS Review LIMAS Babytrage

Ende September 2017 (Baby trug damals ca. Gr. 68) mit Philipp, dem 1/2 Mastermind von Limas, auf den Wiener Tragetagen beim Antesten eines PLUS-Prototypen.

Ich habe euch ja vor über einem Jahr bereits den Limas Baby Carrier vorgestellt, damals als Hersteller noch recht neu am Markt. Inzwischen kann man sagen, dass sich Limas wunderbar am Tragemarkt etabliert hat. Zur Babytrage kamen 2017 die ersten RingSlings heraus, die anfangs eher „langweiligen“ Tragen wurden mit Dekorstoffen wie auch eigenen Tragetuchdesigns bzw. von Fremdfirmen (z. B. Didymos) gestellten Tragetuchstoffen zu richtigen Hinguckern.

Parallel dazu darf heute aber ein Hersteller in der Produktentwicklung nicht stehen bleiben und nun wurde mit Ende Februar 2018 eine, die immer wieder bekrittelten Schwachpunkte ausbügelnd, und noch mehr auf ältere, schwerere Babys und Kleinkinder ausgerichtete Tragehilfe herausgebracht: Die Limas PLUS, welche von 3,5-18 kg laut Hersteller passt.

Ich hatte sie ja bereits im September 2017 auf den Tragetagen in Wien als Prototyp kurz einmal antesten dürfen und habe seitdem – wie wohl auch zahlreiche andere LIMAS Fans – voller Ungeduld auf den verprochenen „Upgrade“ gewartet. Daher freute es mich natürlich sehr, als eine der Ersten auch an einen Vorführer für mein Sortiment zu gelangen, um euch Praktisch wie auch Theoretisch darüber gut informieren zu können. Und nachdem von einigen von euch die Bitte nach einem Review kam, dürft ihr nun hier auch meine Meinung zur neuen Limas Tragehilfe nachlesen!

Preislich ist die Plus mit 139 Euro übrigens ebenso teuer wie die klassische Limas!

Was ist nun, weil ich hier viele Fragen gestellt bekam, im Unterschied zur normalen Limas Babytrage, neu an der Limas PLUS:

1.) Der Hüftgurt:
Limas Babytrage Plus

Vergleich zwischen normaler Limas Baby Trage und Limas Plus (Türkis) (c) tragend begleitet

Der Hüftgurt, von 60-140 cm einstellbar, ist auf einer Länge von 72 cm gepolstert, knapp 5 cm mehr als bei der klassischen Limas. Auch die Polsterung ist in der Breite wenige Milimeter breiter. Eine abgerundete, 11 cm breite und sich zum Rand hin auf ca. 8 cm verjüngende Form ist beobachtbar. In der Praxis verhindert dies wirksam ein Umklappen auch mit schwerem Baby, liegt angenehm am Bauch an und leitet das Gewicht v.a. beim Bauchtragen gut ab. Verschlossen wird mit einer Schnalle – KEINER Sicherheitsschnalle gottseidank ;). Ein einhändiges Öffnen wäre somit möglich. Der Hüftgurt ist komplett entfernbar.

2.) Stegbreite:

Die Stegbreite der PLUS ist auf 46 cm stufenlos verbreiterbar. Sie gewinnt somit nochmal ca. 2 Fingerbreit pro Seite zur normalen LIMAS. Verstellt wird die non-apron getragene Trage mittels Klett, welcher beim Tragen innen an der Körperseite des Trägers aufliegt. Drei Klettteile (mittig & außen) sichern die Stegposition.

3.) Rückenpaneelverkürzung

Wie bei z.B. ISARA, Tula setzt auch die Plus auf eine Rückenpaneelverkürzung mittels am Übergang zum Schulterträger, „Stillschnallen“ ähnlichen, ca. 13 cm langen Riemen, welche knapp unterhalb der Trägerpolsterung ansetzen. Das Paneel kann so von 40 auf ca. 33 cm verkürzt werden (vgl. 30 cm bei der klassischen Limas in der Newborn-Einstellung).

Da die LIMAS Plus nicht wie die normale Limas Trage als Wendetrage konzipiert ist, erlaubt diese Verkürzung eine zum bisherigen Kippen des Hüftgurts alternative Anpassbarkeit für kleinere Babys ab etwa Gr. 62. Ein Festziehen in diesem Bereich nach dem Anlegen der Träger hat eine ähnliche Wirkung wie eine Trägerverkürzungsschnalle, wenngleich der Zug auf Babys Rücken geht. Als optionale „Stillschnalle“ fand ich sie leider ungeeignet – hier kam ich um eine Trägerlockerung beim Stillversuch nicht herum.

4.) Abnehmbare Kopfstütze:

Bei der Limas Plus kann mittels 3 Druckknöpfen die Kopfstütze entfernt werden, eine aktuell allgemein sehr beliebte Lösung am Tragehilfenmarkt (z.B. ISARA, Tula), welche ich persönlich speziell bei älteren Kindern als angenehm empfinde. Von den Dimensionen, wie auch Raffung entspricht sie der klassischen Limas. Und wie auch dort, wird die Kordel zur Fixierung am Träger an eine Schlaufe geknotet. Ein weiterer Hintergedanke hinter dieser Lösung stellt die Veränderlichkeit dar: In naher Zukunft soll es zukaufbare Sets mit verschieden gestalteten, individuell nach Vorlieben, an die Trage anklippbare Kopfstützen geben. „Pimp my Limas“ quasi.

Der Nackenbereich ist zusätzlich durch eine Kordel mit Kordelstopper verkleinerbar. Dessen Einsatz sollte aber mit Bedacht abgewogen werden, bringt er doch viel Luft in den oberen Rückenbereich hinein.

5.) Schulterträgerpolsterung

Die recht feste Polsterung macht etwa 4/5 der gewohnten Limas-Trägerbreite aus und erstreckt sich, mit wenigen Zentimetern Abstand vom Rückenpaneel etwa bis zum Schulterblatt. Drei Längssteppnähte geben Struktur.

6.) Auffächerbare Träger:

Um auch bei älteren, schwereren Kindern noch bequem tragen zu können, wurden die Enden der Träger, welche bei der klassischen Limas Babytrage in schmalen Streifen enden, verbreitert und verlängert. Ca. 207 cm Tuchträgerlänge 29 cm Breite reichen aus, um über dem Po aufgefächert sein Baby bequem tragen zu können. So kann der Steg bzw. die Passbarkeit zusätzlich auch noch bis gut Kleidergröße 104, potentiell auch etwas länger gut ausgeweitet werden. Auch Rucksackfinishs, wie z.B. ein tibetanisches, als Alternative zum bisherigen Brustgurt können mit den Träger vom Gewicht her nun bequemst entlasten, war dies mit den dünnen und je nach Statur fast hierfür zu kurzen, Trägerenden der alten Limas eher eine unangenehm einschneidendes „Notfallslösung“.

Aktuell ist die Limas, aus 100% Bio-Baumwolle gefertigt, nur in wenigen Farben verfügbar. Eine Erweiterung ist hier jedoch mit der Zeit geplant.


Die Limas Plus im Praxistest:

Limas Babytrage Plus

Bauchtragen mit Baby mit Kleidergr. 80

Getestet wurde mit:

  • Kleinkind 3 Jahre, Kleidergr. 98/104, ca. 14 kg
  • Baby, 8 Monate, Kleidergr. 74/80 (mehr 80), 10 kg
  • Newborndemopuppe
  • Neugeborenes, 6 Wochen, Gr. 56, 4 kg
  • mehrere Babys Gr. 62/68

Zuerst probierte ich das Bauchtragen: Das Rückenpaneel reicht bei allen Babys und Kindern wie auch mit der Puppe immer noch recht weit bis in den Nacken, wenngleich mein Großer auch gerne die Arme draußen positioniert, mit 3 Jahren muss es aber auch von der motorischen Entwicklung her nicht mehr bis ganz hinauf reichen.

Beim Baby mit Gr. 80 hatte ich noch beidseitig etwa 5 Finger Platz zum Rand des Kletts hin. Eine Benutzung der Paneelverkürzung war kaum noch notwendig. Beim Kleinkind war der Steg maximal ausgefahren, hier reichte er bis ca. 2,3 Finger vom Knie entfernt, durchaus ausreichend noch. Zusätzlich unterstützte ich mittels Auffächerung die Anhock-Spreizhaltung. Für mich war ein straff bekommen der Träger leicht möglich. Manche Beratungseltern ohne Erfahrung taten sich aber beim Probieren durch die im Übergang von der Polsterung zum Tuch hin eingeschlagene Tuchbahn schwer, die Innenkante zu lokalisieren, um anschließend strähnchenweise zu straffen. Bei meinen abfallenden, schmalen Schultern war der schmale Restrand außen neben der Trägerpolsterung, welcher bei der normalen Limas mir positiv auffiel, das er etwas über die Schulter ging, eher dekorativ – eine effektive zusätzliche Stützfunktion (wie z.B. bei dem Fidella Flytai, wenn als Wrapcon aufgefächert; bzw. der normalen Limass) konnte bei mir staturbedingt nicht wirklich wahrgenommen werden, speziell bei einem Anlegen wie bei einem Halfbuckle, ohne strähnchenweises festziehen. Sprich das Gewicht wird fast vollständig vom Polsterteil getragen und die Plus erinnert mich im Schulterbereich mehr an einen Halfbuckle, denn eine Wrapcon.

Je nach Bindetechnik (ob wie eine Wrapcon oder ein Halfbuckle angelegt) kann es Sinn machen, nach dem Kreuzen und Knoten nochmals hinter dem Rücken die Träger manuell in ihrer Ausbreitung am Rücken nachzukorrigieren.

Mit Puppe, um zu Beginn auch ohne Mini-Baby-Testobjekt, eine Einschätzung zu erhalten, hatte ich gröbere Probleme im oberen Rücken den durch die notwendige Raffung des Nackenbereichs auftauchende Luft loszuwerden. Hier erzielte ich mit Drehen der Träger (bei recht lockeren Verkürzungsschnallen) bereits eine Verbesserung, am überzeugendsten war hier aber eine Bindevariante à la Wickelkreuztrage und mit hoch positioniertem Hüftgurt und tiefer Position im Paneel bzw. Drehen der Träger . Auf Rückfrage hin mit Hersteller und Kolleginnen (und v.a. für Trageberaterinnen relevant, welche vielleicht mit Puppe daheim testen!) stellt dieses Puppenproblem ein bei der Limas Plus oft beobachtetes Problem dar.

Im Praxistest mit mehreren Babys um Gr.  62/68 (welche sich von der „Körpersubstanz“ noch eher mit einer Newbornpuppe vergleichen lassen) lässt sich zwar eine gute Anhockung beobachten, im oberen Rücken ist jedoch bedingt durch den geringen, aber doch noch oft notwendigen, Einsatzes der Nackenbereichsverstellung sehr viel Luft angesiedelt. Eine optimale Stützung ist dadurch nicht unbedingt gegeben, und durch die nur minimale senkrechte Stoffraffung durch die kaum noch notwendige Paneelverkürzung ist auch ein Einschlagen wie beim Neugeborenen nicht mehr möglich. Die beste Abhilfe (danke an dieser Stelle an Anna von Limas an den Tipp!) gegen diese Problematik stellt ein Umklappen der Kopfkante  mit angelegter Kopfstütze nach außen dar.

Limas Plus Neugeborenes Baby

Limas Plus mit Baby mit Gr. 56

Mit einem Neugeborenen mit 4 kg und Gr. 56 wiederum hatte ich hier (auch sehr zur eigenen Überraschung) auf Anhieb deutlich bessere, stabilere Ergebnisse, ohne Tricksereien: Mit den Verkürzungs-Schnallen auf Anschlag bildet sich eine Art Tasche, welche sich nach innen gestrichen ohne Druckstellen positionieren lässt. Die Luft, welche bei einem etwas größeren Baby störend auftauchte, verschwindet so aus dem Paneel und lässt eine schöne Rückenstützung zu.

Beim Rückentragen empfand ich die Limas Plus aufgefächert wie auch normal gebunden als sehr bequem und konnte auch beim Großkind dank Auffächerung noch eine wunderbare Knie-zu-Knie-Anhockung, trotz Stegbreite knapp auf halber Oberschenkelhöhe. Beide Kinder bekam ich schön hoch.  Die Polsterung trägt sich anfangs durch die Festigkeit des Schaumstoffes etwas ungewohnt, nach ca. 30 Minuten Tragen mit meinem Baby bemerkte ich durch einen nicht 100% fest angelegten Träger im Schulter-Nackenbereich eine leichte Verspannung. Durch ein Nachstraffen wurde es jedoch sofort besser. Mit Kleinkind konnte ich diese Problematik nicht beobachten.

Limas Babytrage Plus

Limas Plus auf der Hüfte

Nicht wirklich praktikabel, im Unterschied zur normalen LIMAS, ist ein Tragen auf der Hüfte in der seitlichen Hüftschlinge. Der Polster der Schulterträger endete bei mir erst kurz vor der Schulter, wodurch die untere Bahn nicht optimal auffächerbar war und über Länger unangenehm drückte. Um die Bahn auf der Körpervorderseite gut straff zu bekommen, benutzte ich einen Slingring, da die normale Bindevariante polsterbedingt nicht schön realisierbar war. Da die Polsterung jedoch erst quasi auf Pohöhe des Babys endete, war ein Auffächern an dieser Stelle nicht möglich, es kann in der Form somit nur normal unterm Po gebunden werden. Ein Hüfttragen über eine Schulter (dh. hintere Bahn geht von hinten über die gegenüberliegende Schulter nach vorne, vordere Bahn geht nach hinten) wäre hier die bessere und bequemere Lösung, welche potentiell auch ein Auffächern zuließe.

Eine Spielerei ließ ich mir Anbetracht des entfernbaren Hüftgurts nicht nehmen: Aus der Limas einen Onbuhimo zaubern. Hierfür werden statt dem Hüftgurt die Träger durch den Tunnelzug gezogen und mit einem Finish der improvisierte Onbu nach dem Anlegen fixiert. Mitnichten perfekt, aber für eine Schwangerschaft könnte ich mir die Improvisation für gelegentliches kurzes Tragen, um einen potentiellen Neukauf einer anderen Trage für wenige Wochen zu vermeiden, durchaus vorstellen.

Limas Plus Onbuhimo

Limas Plus als Onbuhimo mit tibetanische Finish

 

Natürlich probierten wir auch ein Tandemtragen mit einer Limas vorne sowie der Limas Plus am Rücken. Per sé praktikabel; bei einem Kampfgewicht von 24 Kilogramm jedoch leider (wie viele andere Varianten auch ;) ) nicht mehr das Gelbe vom Ei. Nach wenigen Minuten verursachten mir hier die Träger der normalen Limas, welche nahe dem Hals zum liegen kamen, zunehmend Nackenschmerzen. Für Zwillinge (unter 10 kg pro Kind ;) ) aber wäre eine solche Kombination potentiell aber durchaus eine Möglichkeit.

Fazit zur LIMAS Babytrage

Tandemtragen Limas Plus

Tandemtragen mit Limastrage „Blättertanz“ & Limas Plus

Wie von Anna und Philipp, welche hinter LIMAS stehen, nicht anders zu erwarten, handelt es sich bei der „Plus“ um ein sehr solides  Produkt, von dem ich mir sicher bin, dass sie viele so begeistern wird, wie mich. Mit einer Passdauer von ca. Gr. 62 (lt Hersteller) bis ca. 104 kommt sie dem elterlichen Wunsch nach einer Trage für die gesamte Tragezeit sehr entgegen – speziell wenn man vielleicht auch nicht gleich nach der Geburt mit Tragen beginnt. Nichtsdestotrotz muss die erwähnte, beobachteten Schwachstelle im oberen Rücken, einer speziell im etwa ersten Lebenshalbjahr, sehr sensiblen Stelle,  hier unbedingt vom Träger gut angepasst werden, um gut zu stützen. Neugeborene sind somit die ersten Monate (bis Gr. 74 etwa)  in meinen Augen im normalen Limasbaby Carrier besser aufgehoben!

Ob mit Baby oder Kleinkind war die Trage auch über länger angenehm zu tragen und die Wrapconträger ermöglichen auch eine Vielzahl von optischen wie auch gewichtsentlastenden Zusatzmöglichkeiten! Auch im Beratungsalltag überzeugte der Hüftgurt alle (bisher gewohnte) Limas-Träger auf der ganzen Linie und jeder zog die Plus als Folgekandidat, wenn die Limas nicht mehr passen sollte, ernsthaft in Betracht.

Am Ende sollte  jedoch – wie bei jeder Trage – die individuelle Statur von Träger und Baby die Grundlage für oder gegen die Limas Plus stellen. Aber soweit kristallisierte sich vom Feedback bereits heraus: Wer die Limas in ihrer normalen Form bereits gern hat(te), wird wohl auch gerne mit der Limas Plus tragen.