Heute möchte ich euch zwei elastische Tragetücher der Marke „Boba“ vorstellen. Boba ist europaweit neben Manduca eine der bekannteren Vertreiber elastischer Tragetücher, welche aktuell in dreierlei Varianten verkauft werden: als unifarbene Baumwoll-Jerseys, Baumwolle mit aufgedrucktem Muster, und unifarben mit Bambusblend. Der Hersteller war so freundlich, mir ein gemustertes Baumwoll- wie auch Bambustuch zum Reviewen zur Verfügung zu stellen. Die Nutzbarkeit gibt der Hersteller ab Geburt (lt Homepage 3,2 kg bzw. lt Etikett 2,25 kg) bis ca. 15,75 kg an, wobei die Belastbarkeit nach 13 kg nicht mehr als optimal beschrieben wird.

Über den Hersteller Boba

Liest man die Firmengeschichte von Boba so beginnt es fast in einer Bagpacker-Abenteuer-Geschichte: von Osteuropa, nach Slowenien, nach USA, dann Irland, Balkan, nach Ägypen, Indien etc. und wieder zurück führte der Weg des „Familienbetriebs“ ,von den ersten Schritten bis zum erfolgreichen Hersteller von elastischen Tragetüchern und, seit die Beco Babycarrier-Erfinderin 2016 zum Boba Team stieß, auch Tragehilfen. Die Firmengeschäfte bewältigten die Boba Gründer Elizabeth und Robert nebenbei – und all dies mit am Ende fünf Kindern im Schlepptau!

Produziert wird inzwischen in den USA, in einer eigens gekauften Textilproduktionsstätte in North Carolina, wobei der Hersteller auf Schadstofffreiheit in seinen Materialiens sowie korrekte Prüfungen achtet.

Erster Eindruck der Boba Tragetücher

Die Tücher von Boba kommen in One-Size-Fits-Most Länge auf 4,60 (bzw. ca. 3 Meter mehr wenn voll gedehnt) und ca. 50 cm Breite. Die Tragetücher greifen sich angenehm weich an und riechen auch nicht über ein normales Maß hinaus nach Chemie. Vom Material weist das Baumwolltuch 95% Baumwolle auf 5 % Spandex, das Bambustuch 66,5% Bambus auf 28,5% Baumwolle und 5% Spandex auf. In der haptischen Qualität wirkt das Bambustuch hier deutlich dünner, aber nicht minder griffig.

Boba Wrap Bamboo Dark Blue in der aufgefächerten Wickelkreuztrage mit gekippten Schulterbahnen, um dem Kind etwas mehr Sicht zu ermöglichen.

Das Boba Wrap „“Persimmon Sashiko“, im Design angelehnt an eine japanische Textiltechnik.

Optisch sind beide Tücher farblich sehr ansprechend. Während das Bambustuch beidseitig in der selben Farbe gestrickt ist, unterscheiden sich beim Baumwolltuch Ober- und Unterseite farblich – hier ist die Farbe nur einseitig durch Druck appliziert, die Unterseite ist einfärbig. Dies stört beim Binden mit gekippten Bahnen leider optisch, da so die schöne Musterung „untergeht“. Auch in der Oberfläche lassen sich eine schöne, glatte und eine stärker

Beim Baumwolltuch handelt es sich um das gemusterte „Persimmon Sashiko“ in indigoblau-weiß. Dekorativ weist es zahlreiche kreuzförmige Anordnungen an, welche an gestickte Nähte erinnern. Tatsächlich ist das Tuch (wie auch einzelne andere der Serie) von der japanischen, im vorrangig ländlichen Raum des 17. Jh.-20. Jh. vorkommenden Textiltechnik Sashiko („kleine Stiche“), und dem darin benutzten Persimmon-Stich, inspiriert, welche traditionell in weißem Garn auf Indigo gefärbten Untergrund ausgeführt wird und zum Quilten/Verschönern/Reparieren von Kleidung genutzt wurde. Das Tuch gibt die Inspirationsquelle sehr schön wieder.

Das Bambustuch ist das Modell „Bamboo Dark Blue“.

Die Kanten wurden bei beiden Tüchern mit einheitlicher Farbe mit Overlock versäubert. Die Bahnen laufen in sich verjüngende, abgerundete Enden aus. Auf einer Bahn ist zentral auf der Unterseite ein ca. A5 großes Stoffschild mit Sicherheitshinweisen angebracht. Dies vermeidet ellenlang herabhängende Etiketten, und ist auch beim Binden dann nicht mehr sichtbar, da in den Tuchstrang eingerollt.Geliefert werden die Tücher in einem Karton, mit Anleitung sowie einem gleichfarbigen Stoffbeutelchen. Leider sind die Beutel nicht z.B. mit einer Kordel verschließbar, um das Tuch auch nur mit dem Beutel transportieren zu können. Aber der Beutel lässt sich im Notfall prima als improvisierte Mütze nutzen.

Mamatank auffüllen in dem aufgefächert gebundenen Baumwoll-Boba Wrap

Boba Wrap Bamboo – 11 Kilogramm bringen das Tuch an seine Grenzen. Bei beiden Tüchern rutscht das Baby in der vorgebundenen Variante

Die Boba Tücher im Praxistest

Wir testeten mit 11 kg – also für die Herstellerempehlung von 9 kg (wenngleich das Tuch bis 15 kg angegeben ist) schon ein exzessives Gewicht. Trotzdem wollte ich wissen, wie sich die Tücher hier unter der oberen Grenze verhalten.

Das Tuch weist einen enormen Stretchanteil auf, in der Menge wäre er mir bisher nur bei JPMBB Basic/Original so krass aufgefallen. Im Unterschied zu JPMBB Original ist jedoch das Erinnerungsvermögen des Gewebes eher gering, sprich wo bei JPMBB sich das Tuch dann auch bei etwas zu lockerer Technik um das Kind stabil verteilt (das Basic ist da weniger gnädig, d.h. hier im Verhalten eher dem Boba ähnlich), so bedeutet dies bei Boba ein sukzessives Absinken des Babys. Für das Binden bedeutet ein straffes Anlegen mit den Boba Tüchern somit wirklich satt und ohne Luft (wie ein Korsett) (vor)binden, ansonsten hängt, v.a. das schwere, Baby nach kurzer Zeit gefühlt auf Kniehöhe. Bei meinem praktischen Versuch bedeutete dies bei theoretisch „sattem Anlegen“ noch dreimal (!) auf voller Länge mit ausgestrecktem Arm Luft aus dem Gewebe zu holen.

Ich fand es an dieser Stelle sehr positiv, dass auch in den beiden beiliegenden Heftchen (Anleitung zur vorgebundenen Wickelkreuztrage, einmal für Neugeborene mit Beinchen im Tuch, einmal für ältere Babys mit Beinen draußen; Sicherheitshinweise) diesem Umstand Rechnung getragen wird und das wirklich feste Anlegen mehrfach erwähnt wird, aber in der vom Hersteller gezeigten Videoanleitung wäre – mit echtem Baby – hier ein zu lockeres Ergebnis zu erwarten. In der Praxis erlebe ich auch leider bei DIY-Eltern (sprich ohne Trageberatung zur Einweisung) oft ein viel zu lockeres Verständnisprinzip von „fest binden“. Ein zu lockeres Binden kann hier durch die Materialeigenschaft der Boba Tücher somit für Babys Stützung, aber auch für die Gewichtsentlastung des Trägers problematisch werden. Diesem Aspekt gilt somit als Trageberaterin in der Praxis, aber auch als Elternteil, speziell bei Frühchen oder sehr jungen Babys ohne bzw. mit wenig Tonus, im Hinterkopf zu behalten.

Durch die hohe Elastizität erlebte ich mit meinem Sohn öfters nach kurzer Zeit einen „Bounce“-Effekt beim Gehen und spürte wie er insgesamt immer tiefer sackte. Hier half die aufgefächerter Wickelkreuztrage eine kleine Verbesserung in der Nutzbarkeit zu erzielen. In der Bindequalität ähneln sich beide Tücher sehr, das Bambustuch war bei wärmeren Temperaturen jedoch eine Spur luftiger. Mit beiden Tüchern kam ich durch das dickliche Gewebe jedoch zum Schwitzen.

Auf einen Test am Rücken verzichteten wir, da hier der Elastizitätsfaktor einfach zu beträchtlich und somit ein Tragen zu riskant wäre. Die Boba Wraps sind zum Rückentragen ohne Zweifel nicht geeignet.

Pflege der Boba Tücher

Speziell für das Bambusjersey empfiehlt es sich ein enzymfreies (!) Flüssigwaschmittel zu benutzen, da sonst die Fasern leiden können. Der Hersteller legt für beide Tücher eine Kaltwäsche bei geringer Umdrehungszahl nahe. Auch einen Trocknerzyklus bei geringer Temperatur sollen laut ihm beide Tücher überstehen, mangels Trockner kann ich hier aber keine Erfahrungswerte bieten.

Fazit zum Boba Wrap

Mit einem Preis von ca. 40-60 € liegt das Bobatuch preislich im unteren Mittelfeld. Dank der Musterung bzw. dem Bambusblend bieten sie allerdings einen kleinen optischen wie auch haptischen Unterschied zu den – bei Boba jedoch ebenfalls erhältlichen – unifarbenen Baumwolltüchern.

Bambus hat eine kühlende Eigenschaft, weshalb ich den Blend im Sommer gerne empfehle. Speziell mit Neugeborenen empfinde ich, wie auch viele andere Mütter, die Weichheit der Bambusfaser als besonders schmeichelzart. Leider ist die Luftigkeit gewebebedingt beim Boba Wrap Bamboo eher gering gehalten. Hier hatte ich mir nach dem Test des Bambusblends des Jerseytuch von IZMI Baby mehr Kühlung erhofft. Aber verglichen mit dem Baumwolltuch ist der Schweißausbruch an den vergangenen warmen Frühlingstagen weniger stark gewesen!

Beim Bobatuch kann ich aufgrund des starken Stretch persönlich nur empfehlen, ab Beginn bevorzugt die aufgefächerte, gut gestraffte Wickelkreuztrage zu binden, da die Stabilität (auch langfristig mit wachsendem Gewicht)  so besser gegeben ist. Ab ca. 10 Kilogramm maximal hat das Tuch leider durch seine Nachgiebigkeit unzweifelhaft ein Ablaufdatum in der Bequemlichkeit.

Gut straff gebunden kann das Boba Wrap, ob Baumwolle oder Bambus, aber für kleine Babys ein optisch sehr ansprechendes erstes Tragetuch darstellen, welches ohne Zweifel das Attribut „Kuscheldecke“ verdient hat und im Verhältnis Preis-Leistung sehr ausgewogen ist.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei der Firma Boba für die Testmöglichkeit herzlich bedanken!

Cookie-Einstellung

Diese Webseite verwendet Cookies - technischer Art, wie auch Tracking Cookies durch Google Analytics. Google Analytics (mit Anonymisierungsfunktion) erhebt das Nutzungsverhalten auf dieser Webseite. Das hilft mir dabei, diese Website am Laufen zu halten und für dich interessante Beiträge zu veröffentlichen. Du kannst deine freiwillige Zustimmung (Opt-In) zum Tracking mit Google Analytics hier bestätigen. Ein Widerruf ist jederzeit über die Datenschutzerklärung möglich. Bitte triff eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe. Datenschutzerklärung | Impressum

Triff eine Auswahl um fortzufahren

Deine Auswahl wurde gespeichert!

Weitere Informationen

Hilfe

Um fortfahren zu können, müsst du eine aktive Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Okay, ich stimme zu!:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Ablehnen (nur technisch notwendige Cookies zulassen):
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutzerklärung. Impressum

Zurück