– „Für welches Gewicht passt die Trage?“
– „Von 3,5 bis 15 Kilo / 20 Kilo / 30 Kilo.“

Speziell Hersteller im kommerzielleren Babyproduktfachsortiment preisen ihr Trage meist mit betont „lauter“ Angabe des Gewichts an, für welche die Tragehilfe passen soll.. Auch etwaige Altersangaben werden schnell mit vergleichbaren Gewichten kalkuliert. So wird eine 15/20/30 kg Trage gerne als bis 3/4/5 Jahre angepriesen.

Toll! Aber warum hängen dann bei bei meinem 3jährigen, welcher nun endlich die 15 Kilomarke geknackt hat, die Beine seit ein, zwei Jahren herunter? Warum versinkt mein Neugeborenes noch in der Tragehilfe, obwohl es ja bereits 4 kg wiegt?

Einfache Antwort: Weil ein Gewicht KEINE Aussage über die Passbarkeit einer Trage gibt.

Wenn wir von den Kriterien einer empfehlenswerten Tragehilfe ausgehen, wäre eine Knie-zu-Knie-Anhockung wünschenswert, auch wenn wir davon ausgehen können, das ältere Kinder bei gelegentlichem kurzen Tragen mit einer vom Steg her zu kleinen Trage keinen Schaden davon tragen werden.

Ebenso kann ein Steg trotz der Angabe ab 3,5 kg für ein Neugeborenes noch viel zu breit sein; oder ein Paneel einfach viel zu hoch und luftig!

Eigentlich blöd, oder?

Was sagen uns Kilogrammangaben bei Tragehilfen nun aber?

Für die Stegbreite/Paneelhöhe und damit verbundene Passbarkeit wie gesagt nichts. 3,5 kg, wie auch 15/20/30 Kilogramm sind Standardprüfgewichte und die 3,5-15 Kilogramm für Babysize Tragen bzw. 3,5/5,5-20/30 kg für Toddler-Size Tragen haben sich hier als Garantiewerte seitens der Hersteller heutzutage als allgemeiner Usus herauskristallisier. Sollte somit mit Kind oder Trage etwas passieren, haftet der Hersteller; hat das Baby/Kind nicht die Minimalmaße oder ist schwerer als zugelassen, würde der Träger haften.

Sprich: vor Gericht/bei Reklamationen haben Gewichtsangaben ggf. eine Relevanz bei der Frage der Haftung.

Im Umkehrschluß heißt es somit auch, dass die Gewichtsangaben ein Tragen vor der Untergrenze oder nach der Obergrenze nicht unmöglich machen würde. Euer Frühchen/leichtes Baby kann somit (bei entsprechender Anpassung)auch mit 2,5 kg in einer Trage (oder einem Tuch!) sitzen. Gehört euer Baby zu den Bröckchen, welche mit 1,5 J. bereits 15 Kilogramm wiegen, müsst ihr eure Trage auch nicht mit 15,01 Kilogramm entsorgen! Es hat immerhin genügend Dokumentationen von Erwachsenen (!!) in Babytragen, ohne das was passiert. Sprich eine qualitativ hochwertig verarbeitete Trage müsste das aushalten.

Nur liegt eben die Verantwortung alleine bei euch, sollte etwas passieren.

Helfen uns Altersangaben weiter?

Jein. Um eine Altersangabe nutzen zu können, müssen wir etwas die Basis differenzieren, wonach das Alter beworben wird. Im Optimalfall, wenn ein Produkt bis ca. 1-1,5 J. beworben wird, können wir von Kleidergröße 80 in etwa als Obergrenze ausgehen. Bei 2 Jahren ca. Gr. 92, bei 3 Jahren ca. Gr. 98/104. Aber: nun haben wir ja noch die Kilomarke. Wieviele Babys kennt ihr, welche mit 1 Jahr 15 Kilo wiegen? Wohl keines oder einen sehr geringen Anteil. Sprich der Steg wäre hier weit vor 15 Kilo zu Ende. Auch hat es kleine Riesen, welche weit vor 1-1,5 Jahren bereits Kleidergröße 80/86 tragen. Natürlich kann man noch ein wenig länger mit einer Trage tragen, aber spätestens wenn sich ein Absacken der Beinchen beobachten lässt, sollte der Wechsel an eine Folgegröße angedacht werden. Kurzum: Altersangaben helfen zwar für eine grobe Orientierung, und die Tragehilfe ist meist auch bei einem etwas größeren Baby als die Norm noch bis etwa zum angegebenen Alter valide, subjektiv kann sich aber der Träger mit dem Wechsel zu einer Folgegröße wohler fühlen, weil z.B. das Rückenpaneel wieder mehr Stützung im oberen Rücken bietet. Kurz: Altersangaben verhelfen zu einer groben Orientierung, sind aber nicht unbedingt „“konkret“ fassbar.

Womit wir zum zweiten Problem kommen: Nicht alle Hersteller bewerben die Altersangabe nach realer Passbarkeit, sondern nach Gewicht. So werden 15 kg mal zu 3 Jahren 20-30 kg zu 4,5,6 Jahre. Nur woher wissen wir, ob wir nun den Optimalfall, oder eine Marketingstrategie vor uns haben?

Auch können bei der Untergrenze Probleme auftauchen: Manche Hersteller schreiben zwar 3,5 kg oder „ab Geburt“, aber nicht immer erfüllt dies auch die Erwartungen an die Stützung. Gerade eine passende Stützung, besonders im sensiblen oberen Rücken, ist bei den allermeisten Tragen, welche von 0-3/5 J. durchgehend passen sollen, nicht gegeben! Hier also Vorsicht und sich nicht von vollmundigen Versprechen mancher Hersteller täuschen lassen – eine Trage, welche die gesamte Tragezeit von 3-5 J. perfekt abdeckt, ohne hier oder dort gravierende Schwächen aufzuweisen, existiert nicht!

Manche Hersteller schreiben auch „ab 5,5 kg“ oder „ab 1 Monat/ 4 Monate“ auf ihre Trage. Speziell Tragehilfen, welche aus dem Osten kommen, sind häufig aus kultureller Sicht eher für Babys zwischen 4 und 6 Monaten konstruiert, da dort eine Tragehilfe bevorzugt erst mit Sitzalter genutzt wird und zuvor mit Tragetuch getragen wird.

Wie weiß ich jetzt, wie lange eine Trage wirklich passt?

A.) Durch die Beschreibung der Tragehilfe

Seriöse Hersteller geben nicht nur Gewicht und Alter an. Sie bezeichnen sie auch mit Begriffen wie z.B. „Babysize“/ „Standard“. Diese beginnen, je nach Hersteller, normalerweise zwischen Geburt und ca. 4 Monaten zu passen und werden in vielen Fällen mit etwa Gr. 74-86/92 (je nach Hersteller) durch eine „Toddlersize“-Modell abgelöst. Die „Toddler-“ oder Kleinkindtragen können grob bis Kleidergröße 104/110 genutzt werden. „XL“ -Tragen bezeichnen meist eine Zwischengröße von Toddler- und Preschooler-Tragen. Preschooler („Vorschultragen“) beginnen etwa ab etwa 90/95 cm Körpergröße und können meist bis ca. 5J+ genutzt werden kann.

B.) Die Stegbreite

Noch genauer wissen wir es, wenn wir in der Produktbeschreibung eine Stegbreite angegeben finden. Eine Babysize-Tragehilfe hat meist einen Durchschnittssteg von 40 cm. Mit einer einfachen Rechnung können wir uns orientativ eine Passbarkeit ausrechnen:

Stegbreite x 2 = Kleidergröße (Kindsgröße)

Ist der Steg nun 40 cm breit kommen wir bei der Rechnung auf ein Baby mit Kleidergr. 80. Bei z.B. Stegbreite = 28 cm auf Kleidergr. 56 – hier sind dann auch nach wenigen Wochen oder Monaten gerade herabhängende Beinchen zu erwarten!

Rechnen wir noch ca. 10 cm dazu haben wir einen oberen Toleranzwert, bei der wir bei häufigem Tragen ernsthaft einen Tragewechsel andenken sollten.

Aber auch für die Untergrenze kann uns diese Rechnung Orientierung geben: Habe ich einen unverstellbaren Steg, der mit unsrer Rechnung zB. 68 cm ergibt, kann ich davon ausgehen, dass ein Neugeborenes von 50/56 Zentimetern ohne Abbinden (wenn möglich) überspreizt in der Trage sitzen würde. Hier muss also dann getrickst oder zugewartet werden.

Bei einem Tragehilfenkauf lass somit Herstellergewichtsangaben außen vor, da damit nur die gesetzliche Gewährleistungspflicht erfüllt wird, und orientiert euch primär an Stegbreite und Altersangabe, um auf der sicheren Seite zu sein!

Kontakt

Via Martin Luther King 44/C

08025 Oliena (Nuoro)

Sardinien (Italien)

info@nidonellisola.it

+39 347 492 8829

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