tragen in der Schwangerschaft Lerole

Mitte Februar, zeitgleich mit dem 2. Geburtstag meines Traglings, erhielten wir Post aus Italien! Darin befand sich ein ganz besonderer Tester: nämlich einer der brandneuen italienischen Tuchmarke Lèrole.

Insgesamt wurden 2 Testermodelle verschickt – Téchne flow in rot sowie Téchne trees in zitronengelb. Bei unserem Modell handelt es sich um zweiteres und wird vom Hersteller mit einem Flächengewicht von 250 gr/m² und für „Neugeborene und potentiell auch Kleinkinder taugliches Tuch“ beschrieben.

Doch zuerst: Wer steht eigentlich hinter dieser neuen Marke?

Zur Marke Lèrole babies first

Das Projekt „Lèrole babies first“ entstand aus einer Kooperation von begeisterten Trageeltern mit jungen italienischen Designern und Handwerkern.

Als Material wird aktuell ägyptische, fein gekämmte und langfasrige Baumwolle verwendet, in weiterer Folge sollen auch Hanf und Leinen dazukommen. Die verwendeten Farben sind unbedenklich, dem Motto von Lerole „Babies first!“ entsprechend. Als Webung wurde Köper (Twill) erwählt.

Die Webarbeit wird von einer alteingesessenen toskanischen Weberei durchgeführt, ebenso wie sämtliche Näharbeiten. Die Tücher von Lerole sind somit 100% italienische Handarbeit.

Viel Liebe zum Detail

Ich war bereits sehr neugierig auf den Tester, da ich im Vorfeld auf Instagram bereits die erste Produktfotos von den Testern verfolgt hatte und vor allem von Téchne flow optisch sehr begeistert war.

Breits das Paket schrie „Hier steckt italienisches Herzblut drin!“. Der Karton in unscheinbaren naturbraun enthielt außen in Handschrift ausgefüllt kurz die Eckdaten zum Tuch (Produktionsnummer – demnach gibt es 8 Stück von dem Tuch, Produktionsdatum, Länge: 6). Obenauf ist das Firmenlogo in Stanzarbeit sichtbar und gibt einen schwachen Einblick in den Paketinhalt. Beim Öffnen lag ein Brief der Firma mit kurzen, weiteren Angaben zum Tuch und ein kleines Notizbuch, welches laut Brief für Beobachtungen beim Testen gedacht war, dem eigentlichen Inhalt bei. In weißes Seidenpapier verpackt und mit roter Kordel fixiert , befand sich schlussendlich „mein“ Tester.

Hier muss ich gestehen hatte der Moment der Begeisterung einen kurzfristigen Dämpfer. Denn das Tuch war nicht wie von mir erhofft rot (steht uns einfach besser 😉 ), sondern zitronengelb. Das Muster von „Trees“ erinnert hierbei an die Jahresringe einer halben Baumscheibe. Durch das helle zitronengelb kombiniert mit einem eher naturfarbenen Farbton kommt das Muster leider auf Distanz wie auch gebunden wenig bis nicht zur Geltung. Ein größerer Kontrast durch eine dünklere Farbwahl wäre hier sicher eine optische Verbesserung

Aber gut, trotz Befürchtungen in einem gelben Tuch sterbenskrank auszusehen, wurde das Tuch einmal bei 40 Grad, wie vom Hersteller empfohlen, gewaschen. Weder davor noch danach konnte ich am Tuch irgendwelche Mängel erkennen, auch alle Nähte waren tiptop vernäht! Beim Messen vor/nach dem Waschen ergab sich keine Veränderung in der Länge als auch Breite: 5m x 65 cm. Das Tuch gehört somit nicht zu den breitesten Tüchern, hat aber doch noch Maße, mit denen man auch mit Kleinkind noch sehr gut arbeiten kann. Die 5m stellen als lange 6 einen positiven Aspekt dar, da es einen beim Binden einen schönen Spielraum lässt. Einzelne Mamas, welche den Tester für einige Tage beurlauben durften, meldeten mir hier aber hie und da eine Breitenproblematik retour, wie ich bereits im Vorfeld geahnt hatte, da 60-65 cm doch eine Breite sind, mit der sich manche Trageeltern schwerer tun.

Durch das Waschen veränderte sich leider die im ungewaschenen Zustand bereits als sehr glatt eingestufte Oberfläche nicht weiter – dies ist bei dem Tuch eine Eigenschaft, welche sich auch beim Binden später als eine der Schwächen in meinen Augen herauskristallisierte.

Das Tuch hatte zwar vor dem Waschen von der eher dünnen Haptik her eine schnelle Weichheit versprochen, nichtsdestotrotz dauerte es etwa ein Dutzend Tragemomente, um von einer langsamen Verbesserung, welche bis heute, Anfang April, jedoch noch nicht abgeschlossen ist, zu reden. Das bedeutet nicht, dass es je wirklich hart gewesen wäre, aber ihm fehlt noch ein gewisser „Kuscheleffekt“ bzw. „Fluffigkeit“, welche ich an Tüchern, vor allem mit Neugeborenen, sehr schätze. Ich bin aber guter Hoffnung, dass sich hier mit den Wochen noch ein wenig tun wird in dem Punkt!

Der Praxistest

Unsere ersten Trageversuche absolvierten wir mehrlagig, wobei die Bahhnen gut übereinanderglitten. Im Double Hammock konnte ich meinen Sohn mit 2 Jahren und ca. 11,5 Kilogramm mühelos für eine knappe Stunde damit tragen, auch wenn das Straffen  etwas anstrengend war. Auch im Einfachen Rucksack mit tibetanischem bzw. Goddess Finish kam ich eine längere Weile gut zurecht. Kläglich scheiterten wir allerdings an der Bikini Carry – hier war das Fehlen eines guten Grips, also die rutschige Oberfläche, im Tuch echt ein Grund zur Verzweiflung! Für viel längere Belastungstests fehlt mir aktuell durch die Schwangerschaft jedoch die körperliche Ausdauer. Wäre ich aber nicht „vorbelastet“ gehe ich davon aus, dass auch ein längeres Tragen kein Problem gewesen wäre.

Im Praxistest mit 3,5 kg-Puppe erprobte ich die klassischen Bindeweisen für kleine Babys: Wickelkreuztrage, Känguru, seitliches Hüftkänguru, Robin’s Hip Carry. Alle Varianten ließen sich gut straff bekommen. Hier störte das Material auch nicht. Und bei einem Tragetreffen erprobte auch eine Mama mit ca. 4 Monate altem Baby die Wickelkreuztrage mit vollem Erfolg und Begeisterung. Auch die Bindeversuche der Urlaubsmama mit verschiedenen Tragevarianten auf Bauch und Rücken, abhängig von Können und Alter der Traglinge verliefen laut Feedback erfolgreich und wurden fast immer als bequem eingestuft.

Fazit:

Das Tuch ist für mich immer wieder eine Überraschung wert gewesen. Einerseits farblich: in der Sonne ist das Gelb einfach wunderschön leuchtend und die Nuance macht uns (zum Glück) nicht „krank“, wenngleich nicht viele, auch von den Urlaubsmamas, mit dem Gelb als Farbe konnten 😉

Andererseits, weil ich nicht gedacht hätte, dass es mit Kleinkind wirklich auch über länger so bequem wäre. Das Tuch stellt in meinen Augen somit bei entsprechender Technikbeherrschung einen schönen Allrounder für die gesamte Tragezeit dar.

Aufgrund der glatten Oberflächenbeschaffenheit wäre es jedoch eher nicht meine erste Empfehlung für Bindeneulinge, wenngleich es wirklich ein tolles Newborntuch darstellt. Etwas erfahrenere Trageeltern werden damit aber sicher lange Freude haben!

(Für den Review wurde mir das Tuch vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Der Text hier spiegelt jedoch ausschließlich meine eigene Meinung bzw. das im Zuge einer vom Hersteller erbetenen Urlaubsrunde von Trageberater-Kolleginnen und Tragemamas zurückgemeldete Feedback wieder.)