Bereit für eine Autofahrt?  Für manche Eltern ist schon der Gedanke daran fürs Einkaufen ein Horror, für andere Routine!

Ich möchte dir heute einige Tipps geben, um auch bei längeren Fahrten am Ende des Tages hoffentlich gechillt an deinem Ziel anzukommen. Diese Ideen und Erfahrungen entstammen aus tausenden Kilometern Autofahrt, meist alleine mit Kind, seit es etwa 4 Monate alt war bis heute.

Erst umzugs- dann fortbildungsbedingt waren wir oft 1-2 mal im Monat etwa 650 km/Strecke unterwegs, wobei ich auf Holz klopfen muss und mit Fug und Recht behaupten kann zum Glück einen echten Profi-Baby-Beifahrer zu haben, der bis auf kleine „Dramen“ mit sprichwörtlichem Parkplatz-Hüpfen für ca. 100 km zum Ende der Strecke hin, fast immer brav mitgespielt hat. Hätte es mich wie Bekannte erwischt, bei denen selbst kurze Fahrten bereits in einem vorhersehbaren Albtraum enden… ich glaube ich hätte meine Fortbildungen nicht so entspannt machen können.

1.) Kindersitz

Babyschalen können ein Kind in den Wahnsinn treiben – man sieht kaum was raus, ist darin unbequem eingepfercht und kann schlecht atmen … nicht umsonst wird empfohlen, Babyschalen nicht als Kinderwagenersatz zu nützen! Auch nicht für kurze Einkaufstouren!

Bei der Wahl der Babyschale kann man leider meist nur ins „Blaue hinein“ nach Sympathie kaufen, da man sie normalerweise schon braucht, wenn es aus dem Krankenhaus heimwärts geht. Trotzdem: nicht jedes Modell muss zu jedem Kind passen und wenn Autofahren zum Kampf wird, wäre es mal eine Idee, andere Hersteller auszuprobieren!

Bei uns kam es ab etwa 9 Monaten beim Hineinsetzen zu wahren Diskussionen mit Junior, ob das denn nun nötig wäre … meist endete es völlig unpädagogisch für einige Sekunden, die ich zum Anschnallen brauchte, mit dem Handy in der Hand – eines seiner Objekte der Begierde, seit er bewusst einmal am Tag mit Papa skypen darf, wenn wir einige Tage fernab weilen. Mea culpa, aber verdammt … so ein Baby kann Bärenkräfte entwickeln, wenn es partout nicht in den Sitz will! Und auch wenn ich keinen Zeitdruck hatte – nach etwa 10h Reise möchte auch ich nur mehr am Zielort ankommen und das Auto für einige Tage vergessen können.

Besser wurde es dann mit dem Reboarder-Folgesitz um den 1. Geburtstag – endlich sah der Zwerg mehr und er saß deutlich bequemer. Trotzdem sollte man möglichst lange entsprechend der Herstellerempfehlung das Kind in der Babyschale fahren lassen und nicht zu früh wechseln!

Unser Sohn fuhr immer hinten auf der Beifahrerseite d.h schräg von mir als Fahrer . Auf eine Fixierung am Beifahrersitz vorne habe ich bewusst verzichtet.

  1. Lenkt es mehr ab!
  2. Braucht ihr den freien Platz neben euch (siehe Folgepunkte 😉 )

Wichtig: Unabhängig davon, wie die Fahrt verläuft: es herrscht Anschnallpflicht im Auto!!!

2.) „Spieglein, Spieglein, an der Wand“

Reboarder sind toll – nur: du siehst dein Kind nicht im Rückspiegel. Zum Glück gibt es im Babybedarf (z.B. Kika) Spiegel zum an der Nackenstütze fixieren. Zwar hilft es wenig, da ich bis heute keine Position fand, um mein Kind mit dem Rückspiegel bei normaler Einstellung auch im Auge zu behalten, aber für einen kurzen Kontrollblick allemal toll – und auch Junior kann immer checken, ob Mama eh noch im Auto ist!

3.) Schlaf, Kindlein, schlaf – „Konditionierung“ bereits im Babybauch!?

Tja… ich hatte am Ende der Schwangerschaft eine Disneyphase… gemixt mit Babyklassik, aber irgendwie war mir Mozart meist zu fad und am Ende lief meist Pocahontas oder „Let it go“ (Frozen).

Auf einer unser ersten Fahrten quengelte Junior vor Müdigkeit enorm, aber Schlafen wollte er nur mit Busen, wenn überhaupt. Nahe eines Nervenzusammenbruchs (weil 700 km lang auf jedem Parkplatz halten ist einfach keine realistische Option!) warf ich den Ipod mit Disney an, in der Hoffnung ihm würde irgendein Lied besser gefallen, als Ö3-Radio, Metal, Rock usw. … und keine 2 Minuten Pocahontas „Listen with your heart“ später und ich hatte ein selig träumendes Kind. Zufall dachte ich… probierte es aber auf der kommenden Fahrt in einer ähnlichen Situation wieder aus. Fazit: Sobald Pocahontas ertönte, konnte ich sicher sein, dass der Kleine binnen Minuten nicht mehr ansprechbar war…  EIN TRAUM! 😉

Also: Such dir ein ruhigeres Lied aus deiner Schwangerschaft… und ich hoffe, du hast damit auch den Jackpot geknackt! 🙂

Alternativ klappte später auch Klassik wunderbar!

3.) Stop… and go!

Je jünger dein Kind, umso länger dauern meist die Schlafphasen. Und diese Phasen nütze aus! Und zwar um jeden Kilometer, auch wenn die Blase schon zwickt, und auch wenn es im „Ideal-Fahrplan“ von Auto-Ratgebern heißt, 1h fahren, dann Pause mit der Babyschale. Bedenke: Bleibst du stehen, ist dein Kind wach – und ein waches, kleines Baby hat keine Lust auf lange Fahrten 😉

Aber: du musst nicht rasen!

1. ist das Geld in der Karenz eh oftmals nicht Dicke vorhanden und weniger Tempo spart Benzin.

2. Ermüdet schnell fahren mehr – und gerade wenn du alleine unterwegs bist, musst du auch damit rechnen, dass dein kleiner Beifahrer hie und da mal etwas möchte.

Wenn dein Kind wieder aufwacht: Probiere es erst garnicht, eine Raststation zu überspringen, in der Hoffnung, dass euer Kind noch 40 km bis zur nächsten mitmacht… Babys haben einen 6. Sinn: sie plärren fix, wenn du an der Ausfahrt vorbei seid… und ihr büßt es besagte 40 km lang ab! Ich rede aus Erfahrung… Mutters Herz zwischen „Ich will nur mein Baby kuscheln und es mit Busen trösten“ und fluchen, weil auf Kilometer keine Ausfahrt auffindbar ist, kann mächtig zerreißen, wenn sich hinter einem ein Kind kaum mehr beruhigen lässt!

Und gerade bei Babys, die noch vom Busen/Flasche abhängig sind, und noch nicht mit Wasserflasche versorgt und notfalls einer Reiswaffel oder einem Quetschie auch selbstständig etwas essen können, wenn es hart auf hart kommt, ist die Geduld kaum bis nicht vorhanden!

In dem Punkt plant auch Fahrten nach vorhandenen Rastplätzen – v.a. in kälteren Jahreszeiten, wo reine Parkplätze als „Auslauf“ eher unlustig sind.  Beispielsweise ist die direkte Umgebung München eine Stelle, wo Rastplätze eher rar gesät sind (oder überhaupt Parkmöglichkeiten im Bereich der Umfahrung kaum vorhanden sind).

Natürlich, wenn man die Strecke und die Fahrroutine seines Babys gut kennt, kann man ggf. vorplanen, aber wenn z.B. wie bei uns eine Autobahnsperre mit einer ca. 1,5 stündigen Umleitung bei Regen und Dunkelheit ohne Navi durch die Pampa endete, bis wir – eben in München – endlich wieder dort ankamen, wo wir im Normalfall nach ca. 30 Minuten maximal gewesen wären… das wollt ihr nicht erleben! Seitdem bleibe ich lieber einmal zu oft stehen…!

Und erfahrungsgemäß werden die Pausen häufiger, je länger du unterwegs bist, speziell bei jüngeren Babys. Wir mussten bis kurz vor dem 1. Geburtstag die letzten Kilometer oft im „Schneckentempo“ bewältigen, da der Kleine aus Fahr-Frust sich nur mit kuscheln & tragen beruhigen ließ – und das zehrt an den Nerven!

4.) Krabbeln, laufen, auspowern!

Du hältst also an der Raststation: Gönn dir etwas Gutes! Einen Kaffee, Kuchen, ein Sandwich, whatever, damit du fit bleibst! Und nimm dir Zeit. Etwa 45-60 Minuten pro Pause. Und vergiss alle eventuellen Keime, Krankheitserreger, Staubpartikel, Mikroben usw. und setze dein mobileres Kinder auf den Boden! Lass es krabbeln, laufen, klettern… einfach auspowern!

Kluge Mamas haben notfalls desinfizierende Tücher in der Tasche oder huschen vor der Weiterfahrt nochmal aufs WC zum Händewaschen, denn die Hände eures Babys werden am Ende vermutlich tiefschwarz sein.

Aber: Dein Kind wird dann nach einigen Kilometern im Auto sehr wahrscheinlich wieder müde die Augen schließen und du kannst dich auf die nächsten 1-3 Stunden entspannte Autofahrt freuen!

Für Haltepausen empfiehlt es sich übrigens einen Sling mitzuhaben – es erleichtert einem speziell mit Kindern, die noch nicht selbst laufen sehr den Gang zur Toilette & Co, bzw. kann das Kind so seinen Kuschelbedarf gleich nachholen!

5.) Mary Poppins‘ Tasche

Kinder sind wahre Weltmeister, wenn es darum geht, Sachen im Auto zu verteilen. Kann man bei den Babyschalen noch manches am Griff fixieren, fällt dies spätestens beim Folgesitz als Option weg, bzw. wird meist genau das was fixiert ist, ignoriert. Aber Langeweile wird mit Motzen kommentiert, und Spielen mit Mama und Kilometer fahren… no way. Ich habe daher auf jeder Autofahrt eine große – und zwar eine WIRKLICH große – Tasche Spielzeug am Beifahrersitz stehen: Bilderbücher, Rasseln, Plastikflaschen mit verschiedener Füllung, Autos, Greiflinge, Instrumente, Schnuller, … was auch immer gerade beim Kind Thema ist . Im Laufe der Fahrt wanderte der ganze Inhalt von vorne nach hinten und von dort in jede Ecke des Autos… nur um bei der nächsten Haltepause wieder von Mama mühsam zusammengesucht zu werden. Aber es half, um manche kurzen Momente zur nächsten Raststation zu überwinden, bzw. jetzt, wo er es mit 1 Jahr schon mal länger auch wach aushält, eine Stunde etwa noch spielend weiterfahren zu können.

6.) Singe um dein Leben!

Dein Kind wird unruhig? Hast du ein Lieblinglied? Singe es laut! 1000 mal pro Fahrt! Dein Kind wird es dir danken – und vielleicht singt ihr bald im Duett! 😉

Etwa mit 1-1,5 Jahren wird dein Kind zunehmend Freude an ersten Kinderliedern-CDs haben. Hier empfiehlt sich die Auswahl mit Bedacht – du wirst sie mehr als einmal hören auf der Strecke!

7.) Essen im Auto

Essen im Auto ist nur dann sinnvoll, wenn das Kind bereits wirklich sicher essen kann. Gejausnet wurde normalerweise während den Pausen – ob Busen oder Obst, Müsliriegel, Kekse, Muffins, etc. abhängig von Alter des Kindes, solange es satt wieder ins Auto stieg. Ich bin da vielleicht etwas ängstlich, aber man weiß ja nie, ob das Kind sich nicht doch verschluckt – und z.B. im Maxi Cosi sitzt das Kind auch nicht wirklich aufrecht, kurzum: es wäre noch riskanter. Und da ich alleine unterwegs war und am Steuer schwerlich so schnell hätte reagieren können, behalten wir diese Regel bis heute eher streng ein –  Ausnahmen wurden erst nach dem 1. Geburtstag gemacht: dann gab es Quetschies, Hirsebällchen und Kekse als „Notfallproviant“, um die Zeit bis zur nächste Haltemöglichkeit zu überbrücken.

Wer mit einem Partner im Auto sitzt kann natürlich überlegen, ob er es schafft das Kind in der Babyschale zu stillen – hier sind Eltern mit Flaschenkindern definitiv im Vorteil, da ihnen allzu große Verrenkungen erspart bleiben!

8.) Es ist zu dunkel, Mama!

Normalerweise starten wir frühmorgens/vormittags, wenn wir verreisen.

Speziell seit er etwa 10 Monate alt war, wurde Junior jedoch immer quengeliger, je dünkler  (Winter eben!) es draußen wurde. Aber erst vor kurzem wurde mir der Zusammenhang richtig bewusst: er sah abends kaum etwas. Spielen ist logischerweise so nicht drin, schlafen kann/will er aber auch nicht mehr, nachdem er Stunden der Fahrt bereits verschlafen hatte. Eine frustrierende Situation für den Zwerg! Auch elektrisches, nervtötendes Blinkeblinke-Spielzeug half nur bedingt. Manche Mamas im Umfeld haben sich batteriebetriebene Leuchten angeschafft, bisher fehlt uns allerdings die Erfahrung damit.

Letztens ergab sich zur Abwechslung einmal eine Nachtfahrt: durch den normalen Nachtschlafrhythmus auch wunderbar machbar – Junior verschlief den Großteil der Fahrt, ich persönlich fahre aber trotzdem lieber mit Tageslicht, speziell wenn ich ca. 700 km alleine bewältigen muss, mit einem Beifahrer wäre ich wohl auch Nachts entspannter. Was euch mehr liegt, müsst ihr aber für euch entscheiden!

9.) Wie lange dauert nun eine Fahrt mit Baby?

Auf alle Fälle: Plane einen vernünftigen Puffer ein, speziell wenn du einen Termin haben solltest – je jünger euer Kind, umso mehr, da ihre Launen eher unberechenbar sind, und die beste Stimmung innerhalb von Augenblicken in genervtes, endloses Gequengel umschlagen kann, welches auch mit langen Kuschelpausen kaum verschwindet. Brauchten wir für die ersten Fahrten daher noch etwa 10-12 Stunden (und ca. längere 5 Pausen) für 650 km, so liegen wir heute mit einem 1jährigen bei 7,5-8,5h (und 2-3 Pausen), wobei ich nicht schneller als ca. 115 km/h fahre im Durchschnitt.

10.) „Mama, be cool!“ – wie wir die Autofahrt beeinflussen

Das wichtigste zuletzt: eure eigene Einstellung! Kinder spiegeln unser Verhalten wider – bist du genervt und unruhig, nimmt automatisch das Quengeln zu; gehst du locker mit einer Situation um, entspannt sich auch das Kind. Auch beim Autofahren ist der Weg das Ziel. Du musst keine Streckenrekorde brechen – überlass deinem Kind die „Zeitplanung“ (bedenke auch Punkt 9!). Auch sollte jede Fahrt deine „Erste“ sein – steigst du bereits mit Bauchgrummeln morgens ins Auto, ist der unglückliche Ausgang quasi von Haus aus vorherbestimmt. Ebenso wenn du die Reise vielleicht machen MUSST, aber innerlich garnicht willst. Drum stehe zu deiner Entscheidung – erwartet dich vielleicht eine schöne Urlaubswoche? Eine spannende Fortbildung? Klar, eine Reise ist anstrengend, aber oftmals ist das Ziel mit einem besonderen Erlebnis bzw. Hoffnungen auf eine schöne Zeit behaftet, von dem du und dein Kind beide profitieren werdet!

Sieh die Autofahrt einfach als tolle Abenteuerreise an: Es gibt auch im Auto viel zu entdecken! Beobachte gemeinsam eure Umgebung und rede mit deinem Kind über die vielen Lastwägen, die spannenden Autolichter abends, die Kühe auf der Weide unweit der Autobahn, etc. – deine Stimme zu hören beruhigt, und wer von uns war nicht froh, auf einer langweiligen Autofahrt ein Schwätzchen halten zu dürfen?

Bei den Pausen verwöhnt euch beide – mal ein Kipferl? Warum nicht, bei so einem besonderen „Mama/Papa-Kind“-Tag!?

Vielleicht kannst du unterwegs ja auch noch Großeltern, Onkel/Tanten, Freunde für einen Kurzbesuch einplanen? Ein leckeres Mittagessen, eine Tasse Kaffee, und du kommst einmal zum innerlichen Verschnaufen, während die Verwandten kurz mit dem Baby spielen!

Fazit: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen! Du wirst dein Kind und dich sicher ans Ziel bringen, und dabei einen Weg finden, der für euch als Familie der Richtige ist!

Autofahren ist nicht deins? Alternativen mit Zug, Flugzeug, Bus & Schiff gibt es zum Glück zuhauf.  Befrage dein Bauchgefühl, und du wirst sicher die Option finden, welche für euch passt und bewältigbar ist.

Und auch beim Reisen gilt: „Übung macht den Meister!“

Ich hoffe ein paar unserer Erfahrungen können dir helfen, deine Sorgen hinsichtlich langer Fahrten mit Kind zu beschwichtigen – es sind keine Patentrezepte, da jedes Kind anders auf solche Reisen reagiert, aber vielleicht können sie dir als Anregung dienen, was im Zweifelsfall noch ausprobiert werden könnte!