Seid ihr bereit für das Abenteuer Baby Led Weaning und fürs Kochen?

Das Salz in der Suppe

Für die Zubereitung bzw. Speisenauswahl gilt es, neben den klassischen Verboten, im 1. Lebensjahr ein Auge auf den Salzanteil der angebotenen Lebensmittel zu haben –  Salz ist u.a. auch in Brot, Käse, etc. enthalten, die für Säuglinge erlaubte Tagesdosis von 1 Gramm ist somit je nach verzehrter Menge rasch erreicht. Beim Kochen solltet ihr daher im Optimalfall auf Salz möglichst verzichten und für euch Erwachsenen je nach Bedarf am Tisch nachsalzen.

Gegen ein Würzen spricht ansich nichts, sofern nicht zu scharf (auch wenn manche Babys auf scharfe Sachen stehen 😉 ). Zu Beginn der Beikost sollte das Baby trotzdem möglichst unverarbeite, „originale“ Geschmäcker & Konsistenzen probieren dürfen – jegliche Art von Gewürzen, welche den originalen Geschmack „übertünchen“, würde ich daher in der ersten Zeit aufs notwendigste reduzieren.

Zucker

Versucht Zucker nach Möglichkeit einzusparen. Viele Rezepte lassen sich mit Datteln, Apfelmus oder reifen Bananen variieren, um eine gewisse Süße zu erhalten.

Manche Familien setzen auf Birkenzucker, Kokosblütenzucker u.ä., da wir selbst diesen Mode-Alternativen aber sehr skeptisch gegenüber stehen, haben wir im 1. Lebensjahr vorrangig auf obige Varianten gesetzt.

Größer als die Faust

Ums halbe Jahr fällt es Babys noch schwer, den Faustgriff um ein Objekt zu lösen. Babys erste Nahrungsmittel sollte somit in Form von Sticks gereicht werden. Die Länge entspricht dabei der zur Faust geschlossenen Babyhand plus ca. 3-4cm. So kann dein Baby gut den herausragenden Teil abnagen, der in der Faust verborgene Teil wird üblicherweise einfach fallen gelassen. Brokoli/Karfiol haben durch die Röschen den Haltegriff quasi integriert.

Bananen lassen sich z.B. gut halbiert und mit einem Teil der Schale vom Fruchtfleisch abgehoben anbieten (vgl. „Calippo“-Eis). Melonen könnten ebenfalls mit Schale als Haltehilfe angeboten werden.

Versuche breiförmiges zu Beginn zu vermeiden, sondern erlaube dem Kind ein Nahrungsmittel so original als möglich zu erfahren – auch von der Konsistenz. Fühlt es sich trocken oder glitschig an? Wie riecht es? Schmeckt es? Wie fühlt es sich im Mund an? Wie muss ich etwas greifen, um es nicht wieder zu verlieren? Alles wichtige sensorische und motorische, und mit entsprechender verbaler Begleitung auch sprachliche, Erfahrungen!

Später, wenn dein Kind motorisch geschickter ist (Faust öffnen bzw. so ca. mit 8/9 Monaten wäre es z.B. auch fähig mit eine Löffel zu hantieren beginnen) ist es interessant, das Kind auch vor flüssigere Herausforderungen zu stellen – z.B. Suppen, Dipps, Joghurt,… Unser Kind wollte fast ab Beginn bevorzugt den Löffel einsetzen, andere Kinder wiederum wählen etwas zum dippen (z.b. Keks), andere wiederum greifen direkt mit der Hand ins Volle – was dein Kind tun will, lasse dir von ihm zeigen. Eins ist nur sicher: es wird das Kind und die nähere Umgebung des Hochstuhls die ersten Wochen und Monate selten sauber danach aussehen 😎😉

Etwa mit 9-10 Monaten sind Kinder in der Lage mit dem Pinzettengriff auch kleinere Objekte aufzunehmen. Ab nun kannst du Nahrung in Bissengrösse (z.B. Fleisch), bzw. auch Erbsen u.ä. anbieten, um Babys Speiseplan zu erweitern.

Einzig zu vermeiden: „Brei“ als expliziter „Babybrei“ – dies würde dem Prinzip des Erfahrens des Originalen (also Konsistenz & Geschmack statt „Einheitsbrei“) widersprechen bzw. soll das Kind bei Baby Led Weaning ja das selbe essen wie wir – isst du ebenfalls ein Gemüsecremesuppe spricht einer breiförmigen Konsistenz nichts entgegen!

Bio oder nicht Bio?

Nicht alle Obst- & Gemüsesorten müssen „bio“ sein, je mehr jedoch umso besser.

Auf Bio achten solltest du aufgrund der Pestizidbelastung besonders bei:

  • Kirsche
  • Paprika
  • Gurke
  • Pfirsich
  • Erdbeere
  • Birne
  • Traube
  • Apfel
  • Grünkohl
  • Spinat
  • Kartoffel
  • Kopfsalat

Übrigens: auch Tiefkühlgemüse ist für die Verarbeitung okay – achtet hier nur auf die Inhaltsstoffe, gerade Angebote mit Rahm usw. enthalten wieder einiges an zusätzlichem Salz! („Fertiggerichte“!)

Beim Kochen von Gemüse setzt auf Zubereitsmethoden, z.B. Dünsten/dämpfen, welche die Vitamine weitgehend erhalten.

Allgemein gilt regionalen Produkten den Vorzug zu geben – vielleicht gibt es bei euch auch regionale Bauernmärkte mt saisonaler Ware?

Und Fleisch?

Fleisch kann bereits sehr früh in Form Hackfleisch z.B. als Bolognese oder Fleischbällchen angeboten werden. Alternativ können zarte Fleischstückchen ähnlich Sticks in Streifen geschnitten werden – dein Kind nimmt wertvolles Eisen auch schon durch reines Herauszutzeln des Fleischsaftes auf!

Von unserem Sohn kann ich sagen, das Fleischessen nicht unbedingt an vorhandene Zähne gekoppelt sein muss, um bei einem essgeübten Baby gut zu funktionieren!

Eisen – wie war das mit dem Mangel?

Viele Kinderärzte verunsichern Eltern bei diesem Thema vorschnell, speziell wenn die Mutter immer noch vollstillt und die „magische 4-Monats-Grenze“ verstrichen ist und bei der Mutterkindpass-Untersuchung die Beikostfrage verneint wird. Sollte dein Baby keinen nachgewiesenen Mangel haben, brauchst du dir darüber den Kopf nicht allzu sehr zu zerbrechen, solltest aber ab Beikostgabe trotzdem darauf achten, täglich eisenhaltige Nahrungsmittel einzubauen.

Wir unterscheiden beim Eisen 2 Typen:

  • HÄM-EISEN aus tierischer Herkunft, dh. Fleisch und Innereien, Geflügel, aber auch Meeresfrüchten und Fisch. Rotes Fleisch (z.B. Rind) enthält mehr Eisen als weißes Fleisch. Hämeisen kann 3 mal besser als Eisen aus pflanzlichen Produkten aufgenommen werden.
  • NICHT-HÄM-EISEN kommt in pflanzlichen Lebensmitteln in geringer konzentrierter Form als Häm-Eisen vor. Obwohl es vom Magen-Darm-Trakt schwerer resorbiert werden kann, ist es theoretisch möglich den täglichen Eisenbedarf auch rein mit Nicht-Häm-Eisen zu decken. Besonders reich an Eisen sind Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen), Vollkornmehl, Gemüse (z.B. Brokoli, Mangold, Spinat, Kohl, Petersilie, Spargel, Kohl, Rübe, Grünkohl, Rosenkohl, Kresse, etc.), Früchte (Datteln, Dörrpflaumen, Feigen, Marillen, Apfel, Rosinen, Kokosnuss), Nüsse, ungeschältes Getreide, Zerealien.

Vitamin C erleichtert die Aufnahme von Eisen, während Milchprodukte, Kaffee, Schwarztee & Weißmehl diese behindern. Achte somit bei der Kombination der Mahlzeiten immer darauf, ob Vitamin C enthalten ist (z.B. durch Obst, Rohkost o.ä. als Beilage/Nachtisch)

Braucht es bei BLW auch Öl?

Ja. Gesunde Fette sind ein wichtiger Nahrungsbestandteil, weshalb Pflanzenöle wie Rapsöl, Maiskeimöl, Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl, Distelöl, Walnussöl, Olivenöl und Leinöl  immer wieder gebraucht werden sollten. Im Optimalfall wechselst du immer wieder die Öle, da sich diese auch in der Fettsäuren- & Vitaminzusammensetzung unterscheiden. Beträufle Gemüsesticks damit, nütze sie zum braten, oder zur Aufwertung leckerer Dipps.

Butter kann ebenfalls angeboten werden, Margarine ist durch die oft unüberschaubaren Zutaten nicht zu empfehlen.

Und wieviele Milchprodukte sind ok?

Auch wenn Muttermilch/Pre im 1. Lebensjahr Hauptbestandteil der kindlichen Ernährung sein sollte, um dein Kind weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen während der ersten Beikostmonate zu versorgen, kannst du Milchprodukte in VERARBEITETER Form ab dem vollendeten 6. Lebensmonat  anbieten – sprich als LEBENSMITTEL, NICHT ALS GETRÄNK! (letzteres frühestens im 2. Lebensjahr!)

Als Richtwert gelten 200 ml Kuhvollmilch pro Tag für Kinder unter einem Jahr, da zuviel Eiweiss die kindliche Niere belastet. Sehr eiweissreiche Produkte wie Topfen & Joghurt sollten daher nur in Maßen angeboten werden!

Bei Joghurt wählt „Natur“ – in Fruchtjoghurts sind neben Farbstoffen oft auch unnötig Zucker enthalten. Mit frischem Obst lässt sich aber daheim rasch ein gesundes Fruchtjoghurt zaubern, wer nicht darauf verzichten will!

Wenn ihr Kuhmilchprodukte verwendet, achtet nach Möglichkeit auf Bio-Produkte und – besonders wichtig! – auf Vollfettstufe (3,5%, keine Light-Produkte!). Rohmilchprodukte sind durch etwaig enthaltene Bakterien für Babys ungeeignet.

Käse – auch Frischkäse – enthält meist auch sehr viel Salz – vergleicht hier somit bewusst die Nährwertangaben!

Wem Kuhmilch nicht zusagt, kann alternativ auch Pflanzenmilch (Hafer-, Kokos-, ungesüsste Mandelmilch etc.) zum Kochen nützen. Nur Sojaprodukte sollten für Babys möglichst vermieden werden.

Eier

Eier könnt ihr euren Baby (Richtwert ca. 1 Ei/Woche) gerne in verschiedenster Form anbieten. Um Salmonelleninfektionen u.ä. zu vermeiden, muss das Ei jedoch durchgegart sein. Bedenkt, dass in manchen Speisen, wie z.B. Tiramisu oder Kuchencremen rohes Ei enthalten sein könnte, v.a. wenn ihr auswärts esst.

Fisch

Bei uns als Kaum-Fischesser stellte sich (gottseidank) bisher kaum die Frage, aber natürlich darf euer Kind auch Fisch essen. Dieser sollte durchgegart und gut entgrätet sein. Lachs oder Kabeljau enthalten wertvolle Omega-3-Fettsäuren und sind für Babys gut geeignet. Leider sind Fische durch die Wasserverschmutzung je nach Herkunft zunehmend schadstoffbelastet. Eine Orientierung kann z.B. der Fischratgeber von Greenpeace geben.

Getreide: ab wann Gluten?

Generellt auch hier: sollten keine familiären Vorerkrankungen bekannt sein, könnt ihr zu Beikostbeginn auch glutenhaltige Getreideprodukte anbieten. Im Optimalfall werden auch diese unter dem Schutz der Muttermilch eingeführt, weshalb aufgrund der durchschnittlichen Stilldauer von 4-6 Monaten auch die offizielle Empfehlung in diesen Zeitraum fällt.

Es ist ratsam verschiedene Getreidesorten zu verwenden um eine einseitige Ernährung durch z.B. Weizenprodukte, aber auch eine zu grosse Belastung für den noch empfindlichen Babymagen durch zuviel Vollkorn zu vermeiden. Auch kann euer Baby so die verschiedenen Geschmacksvariationen kennenlernen und verschiedene Nährstoffe aus dem Getreide ziehen.

… und zuletzt: was braucht mein Kind zum trinken?

Generell gilt als Faustregel: bis zum Ersetzen der 3. Milchmahlzeit reicht dem Kind auch in der heißen Jahreszeit Muttermilch/Pre, um sich ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen (Stichwort Risiko einer Wasservergiftung!). Du kannst deinem Kind natürlich ab Beikostbeginn Wasser anbieten, erwarte jedoch nicht dass es deshalb gleich mehrere hundert Milliliter am Tag trinken wird. Hauptgetränk soll weiterhin Milch bleiben und zwar das gesamte 1. Lebensjahr! (BEIkost statt ANSTATTkost).

Für unseren Flaschenverweigerer hat sich zum Trinken ein Schnapsglas bewährt. Auch wenn einem vielleicht normale Plastikbecher kindertauglicher erscheinen, so bedenkt: die Dimension des Randumfang eines Schnapsglases entspricht eher der Mundgrösse des Kindes – und gerade kleinere Hände tun sich mit einem Schnapsglas zu Beginn leichter beim Halten.

Bei uns wars dann so mit ca. 1 Jahr soweit dass unser Kind mehr als ein paar Nipper am Wasser machte… seither trinkt er aber wie ein Profi und dank Babyzeichen (es ist übrigens sehr hilfreich bei Mahlzeiten wenn ihr Zeichen wie „Wasser/trinken“, „Essen“, „noch mehr“ einführt bei einem BLW Kind!) deutet er uns regelmässig an, dass er etwas trinken will. Also ihr müsst euer Kind nicht zum trinken zwingen wenn es ansonsten seine Brust/Flasche häufig leert 😉

Das wichtigste zum Schluss:

Achtet bitte bei der Zubereitung von Speisen immer auf die Einhaltung der Kühlkette / frische Nahrungsmittel & hygienische Zustände (Händewaschen, saubere Oberflächen, korrekte Lagerung etc.)!