Um es vorweg zu nehmen: Verschlucken (und im Extremfall Ersticken) kann man sich als Baby, aber auch als Erwachsener, an Brei ebenso wie an einem Stück Brot, etc. – also ist das Risiko auch bei BLW natürlich nicht auszuschließen, aber nicht wahrscheinlicher, als auch sonst im Leben. Die beste Vorsichtsmaßnahme gegen Unfälle dieser Art ist es, darauf zu achten, Gegenstände, welche kleiner als eine 1-Euro-Münze sind, aus der Reichweite von Kindern unter 4-5 Jahren zu halten (Murmeln, Lego, Plastikfolie. Nüsse, Kirschenkerne, u.ä.)

Generell empfiehlt es sich bei der Beikosteinführung ein paar Punkte zu beachten:

  1. Achte auf eine vorhandene, echte Beikostreife!
  2. Lass dein Kind beim Essen NIE alleine!
  3. Aufrecht sitzen beim Essen (=an dich angelehnt oder im Hochstuhl)

Ein Maxi Cosi oder eine Babywippe sind normalerweise nie völlig aufrecht und somit zum Essen eher ungeeignet!

Auch bei Nahrungsmitteln gilt das eine oder andere, v.a. fürs 1. Lebensjahr, zu bedenken:

  1. Finger weg von ganzen Nüssen bis mind. zum 3. Lebensjahr! (tw. wird  es erst mit 6 Jahren empfohlen!)
  2. Rohe Äpfel besser nur im ganzen oder gedünstet anbieten – an vorgeschnittenen Stücken kann sich ein Kind leichter verschlucken!
  3. Rohe Karotten zu Beginn eher meiden!
  4. Weintrauben, Beeren u.ä. zu Beginn  längs vierteln
  5. Bei Kirschen u.ä. den Kern entfernen!

Der Mechanismus von Würgen und Ersticken liegen nahe beieinander und wird daher oft verwechselt. Würgen ist eine Bewegung, die einen Nahrungsbrocken von der Speiseröhre fernhält, wenn er zum Schlucken zu groß ist bzw. einen Fremdkörper daran hindert, die Atemwege zu blockieren.

Das Baby öffnet den Mund und schiebt die Zunge nach vorne Richtung Lippen, eventuell taucht vorne im Mund etwas Essen auf und wird entweder ausgespuckt oder mit Kiefer/Zähnen nochmal bearbeitet, um den Brocken „passender“ zu machen.

Die Natur denkt mit!

Wenn ein Baby würgt, ist es also noch weit davon entfernt zu ersticken, denn die Natur hat vorgesorgt und Säuglinge genau zum Zeitpunkt der Beikosteinführung (um ca. 6 Monate) herum mit zwei Schutzmechanismen ausgestattet:

  1. kann ein Baby von seiner motorischen Entwicklung nur Sachen greifen, die es theoretisch selbst bewältigen kann: mit 6 Monaten kann dein Kind nur „Sticks“ gut halten, die Faust öffnet sich erst 1-2 Monate später, um dann Platz für den Pinzettengriff (8-10 Monate) zu machen, wodurch dein Kind – schon reicher an Erfahrungen im Umgang mit Nahrungsmitteln, dem Kauen und dem Schlucken – auch kleinere Objekte wie Erbsen, welche zuvor evtl. gefährlich hätten sein können, aufnehmen und problemlos essen kann
  2. verfügen Babys mit einem halben Jahr über einen weit vorgelagerten Würgereflex, er wird also sehr lange bevor Nahrung in die Nähe der Speise-/Luftröhre gelangt, aktiv. Mit zunehmendem Alter (ca. Ende des 1. Lj.) und unabhängig davon, ob es Erfahrung mit dem Selberessen gemacht hat, verschiebt sich der Auslösepunkt des Reflexes entlang der Zunge nach hinten und Nahrung muss tiefer in den Mundraum hinein gelangen (vgl. wie weit wir Erwachsene den Finger in unseren Hals stecken müssten!). Die Würgeneigung wächst sich somit aus!

Mit dem Löffel gefütterte Babys haben übrigens teils öfters Probleme mit dem Würgen, wenn sie (um den 8. Monat oder später) mit dem Verzehr fester Nahrung beginnen, als Babys die sehr viel früher erste eigene Erfahrungen sammeln konnten. Denn wird Brei vom Löffel gesaugt, gelangt die Nahrung automatisch viel tiefer in Mundhöhle! Der Erstkontakt mit der Speise über Finger/Hand, Lippen, Zähne, Zungenspitze – welcher dem Baby schon viele Informationen über die Konsistenz, Größe und damit verbundene Kau- & Schluckbarkeit eines Nahrungsmittel gibt – fällt beim Brei füttern als zusätzliche „Sicherheitskontrolle“ weg!

Dieser natürliche Schutzmechanismus funktioniert übrigens nur, wenn dein Baby aufrecht sitzt!

„Hilfe, mein Kind erstickt!“

Wahrscheinlich wird es in den ersten Tagen und Wochen, evtl. Monaten, trotzdem einmal oder eher mehrmals zur folgenden Situation kommen:

Dein Kind schiebt sich etwas in den Mund, bewegt es etwas im Mund herum… und plötzlich würgt es, läuft vielleicht leicht rot vor Anstrengung an, hustet, Tränen treten in seine Augen …

Kurzum: ein Anblick, bei welchem dir anfangs wahrscheinlich kurzzeitig das Herz stehen bleiben wird und du nahe dran bist, am Handy den Notruf zu wählen. Wir neigen meist auch instinktiv dazu, in so einer Situation den Finger in den Mund zu schieben, um das störende Bröckerl zu entfernen, oder zumindest kräftig auf den Rücken zu klopfen.

Dein Kind merkt deine Panik und Hektik – das unangenehme, übergriffige „Finger in den Rachen-Bohren“ hilft auch nicht, um entspannt mit dem Brocken im Mund zurecht zu kommen, und vielleicht schiebst du ihn versehentlich nur noch tiefer… und damit steigt die Gefahr, das wirklich was passiert!

Bei Beikostgabe gilt daher erstmal: Finger weg und Ruhe bewahren!

Natürlich kann immer ein Ernstfall eintreten, aber auch wenn es arg aussieht, versuch deinem Kind zu vertrauen, denn das Würgen ist Teil eines Lernprozesses! Je mehr es selbst mit der beklemmenden anmutenden Situation zurecht kommen darf, umso seltener wird es zu solchen Vorfällen kommen! Und du wirst merken: Kinder sind fähig, sobald der Brocken aus dem Mund durch ausspucken zB. entfernt worden ist, völlig selig weiterzuessen, wie wenn nichts gewesen wäre 😉

Sollte der Brocken doch Richtung Luftröhre gelangen wird dein Kind instinktiv husten, genau wie wir Erwachsene, um die Luftröhre wieder frei zu bekommen.

Nur wenn du merkst, es ist wirklich Gefahr in Verzug (ein Kind, welches erstickt ist normalerweise still, da die Luftröhre blockiert ist!) und es kommt mit der Situation tatsächlich nicht klar, ist es natürlich unerlässlich entsprechende Maßnahmen anzuwenden – die Rückenklopf-Methode sowie das Heimlichmanöver, wie in dem Video abhängig vom Alter des Kindes schön erklärt:

Abschließend kann nur gesagt werden, dass Baby Led Weaning natürlich wie alles ein gewisses Risikopotential birgt, aber nicht riskanter ist, als jede andere Formen der Lebensmittelaufnahme. Allgemein empfiehlt sich jedoch immer die Teilnahme an einem 1. Hilfe-Kurs für Kindernotfälle, unabhängig von der Methode der Beikosteinführung, um für den potentiellen Ernstfall gewappnet zu sein und schnell und richtig reagieren zu können!