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Ein beikostreifes Baby mit etwas über 6 Monaten be-greift mit allen Sinnen die Nahrung. Klassischer Babybrei ist nicht der einzige Weg, um in Kontakt mit Nahrung zu kommen. Hast du schon einmal von Baby Led Weaning als Alternative gehört?

Beikostreife, ein neumodischer Quatsch oder macht es vielleicht doch Sinn, darauf zu warten?

Wann ist mein Baby überhaupt beikostreif? Der Beginn der Beikosteinführung sollte zwischen 17. und 26. Lebenswoche stattfinden, im Optimalfall aus allergiepräventiver Sicht unter dem Schutz der Muttermilch, soweit sind sich die Empfehlungen einig. Doch wann ist MEIN Kind startklar? Mit 17 Wochen, wie es mein Kinderarzt und die Oma sagt? Mit 26 Wochen, wie es die WHO empfiehlt? Oder aber vielleicht mitten drin irgendwo?

Auch wenn der Darm durchschnittlich um den 5. Lebensmonat bereit für Nahrung über Milchnahrung hinaus ist, so lässt sich Beikostreife, wie man heute weiß,  nicht an einem konkreten Stichtag für alle Babys einheitlich festmachen. Beikostreife impliziert mehr als nur körperliche Signale, welche möglicherweise schon mit zwei, drei Monaten auftauchen, und leicht als „Interesse an Nahrung“ fehlinterpretiert werden können, obwohl einfach Entwicklungsschritte anderen Ursprungs dahinter stecken, wie ich euch bereits vor längerem im Beitrag zu falschen Beikostreifezeichen konkreter erläutert habe.

Beikostreife bedeutet physisch, motorisch und psychisch bereit zu sein – und auch als Eltern unsere Babys einen Schritt weit „loszulassen“. Bei den meisten Babys zeigt sich diese komplette Reife etwa im 6. Lebensmonat, bei wenigen eher, bei manchen aber auch erst etwas später. Auch die von der WHO empfohlenen sechs Monate Vollstillen sollten somit – gerade aus Stillmamasicht – nicht als zwanghaft zu erreichender Stichpunkt gesehen werden, denn manchmal sind die Kinder einfach früher bereit. Und es wäre ebenso ein Fehler, deinem Kind ab dann Beikost vorzuenthalten, da Beikostreife auch ein Zeichen für ein erhöhtes Nährstoffbedürfnis ist.

Woran erkenne ich Beikostreife?

 

  • Dein Baby kann stabil mit minimaler Unterstützung im unteren Rücken (auf dem Schoß) oder frei aufrecht sitzen.

Für die Essensaufnahme ist eine aufrechte Haltung als Erstickungsprophylaxe essentiell. In einer liegenden oder halbaufrechter Position (Maxicosi, Wippe) heraus, ebenso wenn das Baby in sich z. B. im Hochstuhl zusammensackt, können verschluckte Objekte/ Nahrungsmittel (und auch Brei!) kaum bis nur sehr schwer effizient abgehustet bzw. hervorgewürgt werden. Dein Kind sollte somit fähig sein, seinen Kopf selbst zu halten und sich für die Dauer der Mahlzeit stabil aufrecht zu halten Es muss hierbei bei Beikostbeginn noch nicht frei sitzen können, weshalb eine Lagerung auf deinem Schoß, oder wenn dies für dich unangenehm ist, alternativ in einem (auch seitlich!) gut ausgepolsterten Hochstuhl, optimal wäre. Achte weiters auf eine gute Höhe für die Fußabstellfläche.

  • Der Zungenstoßreflex ist verschwunden

Der Zungenstossreflex dient dazu, Objekte, welche dem Baby entwicklungsbedingt vielleicht gefährlich werden könnten, aus dem Mund zu befördern. Beim Füttern mit Brei wird der Brei dadurch sofort wieder hinausgeschoben. Bist du dir nicht sicher, ob das Kind diesen noch hat, kann man ihn mit einem flachen Löffel testen. Bedenke: „Babylöffel“, welche sehr länglich und schmal geformt sind, hebeln diesen Reflex gezielt aus und Nahrung wird eher vom Löffel gesaugt denn geschleckt, da er bewusst einer Brustwarze ähnlich geformt ist. Isst dein Kind davon,  heisst es nicht zwingend, dass es tatsächlich reif für feste Nahrung ist! Solange dein Baby also Nahrung vom Löffel saugt, empfehle ich dir noch etwas zuzuwarten und besser nur Milchnahrung zu geben!

  • Dein Baby kann Objekte greifen

Zum halben Jahr hin beginnen Babys vermehrt damit, Objekte mit dem „Faustgriff“ bewusst zu greifen, festzuhalten, damit zu spielen, und auch zum Mund zu führen. Die ganze Hand umschließt das Objekt, ein Lösen der Hand ist noch etwas Übungssache.  Die Fähigkeit des Greifens muss ausreichend ausgereift sein, um Nahrung mit der Hand gezielt fassen zu können. Der Pinzettengriff taucht erst ab dem 8./9. Monat herum zunehmend auf! Ab dann kann dein Baby auch kleine Nahrungsmittel, wie Erbsen, Mais u. ä. relativ gefahrlos essen.

  • Dein Baby führt koordinierte Hand-zu-Mund-Bewegungen

Eines der eindeutigen Hinweise auf Beikostreife ist der Moment, in welchem dein Kind sich an deinem Teller selbst bedient und sich Nahrung gezielt und ohne fremde Hilfe, mit seiner Hand in den Mund schiebt.

Diese Koordinationsfähigkeit ist wichtig, denn eine Vorstellung über die Essbarkeit eines Nahrungsmittels beginnt bereits mit dem be-greifen und wird über die Berührung mit Lippen und Zunge intensiviert. So kann dein Baby genau abschätzen, ob das Stück vielleicht zu hart oder zu groß ist und wie es damit vor dem Schlucken umzugehen hat.

  • Dein Baby zeigt aktives Interesse am Essen der anderen Familienmitglieder über das Besteck hinaus.

Vermutlich ist dir aufgefallen, dass sich dein Baby seit Geburt bestimmt zu fast jeder Mahlzeit deiner Familie zu rühren beginnt und auch gestillt werden will? Gemeinsame Mahlzeiten am Familientisch haben einfach einen magischen, positiven Effekt: Sie machen neugierig!

Eine glitzernde Gabel führt etwas zum Mund, und dieses Etwas verschwindet dann in einem schwarzen Loch… Faszinierend! Wenn Du mit 4 Monaten herum das Gefühl hast, dein Kind möchte essen, probiere zuerst, ihm einen leeren Löffel anzubieten. Wahrscheinlich wird es damit ausreichend beschäftigt sein. Will es tatsächlich Beikost, so wird es den leeren Löffel beiseite stoßen und gezielt von deinem Teller urgieren, ohne auf Alternativen eingehen zu wollen.

Zeigt dein Baby alle oben genannten Anzeichen, so spricht nichts dagegen, mit Beikost zu starten!

Bitte beachte nur: Wenn du Baby Led Weaning als Beikostkonzept anstrebst, so ist die vollständige Erreichung der Beikostreife (empfohlen wird auch deshalb ein Start etwa mit vollen 6 Monaten!) auch aus Prophylaxe vor dem Verschlucken essentiell!

Und auch wenn der Druck von außen manchmal groß ist, bisweilen auch die eigene Ungeduld und Vorfreude auf die Erreichung des Meilensteins „Beikost“ für uns Eltern kaum zu zügeln ist:

Du kennst dein Baby am Besten und wirst spüren, wann es wirklich voll und ganz bereit ist! Schenke ihm bitte diese wenigen wertvollen Wochen mehr, wenn du dir nicht sicher bist, ob es wirklich schon für dein Kind vom Zeitpunkt passt.

Und wenn es soweit ist, trau dich einfach zu jeder eurer Familienmahlzeiten zwanglos eine Kleinigkeit anzubieten, vielleicht ein Stück gedünsteter Zucchini, und schau was passiert! Vielleicht wird es dein Baby noch komplett ignorieren, vielleicht auch bereits begeistert kosten.

Du hast bereits gestartet, hast aber das Gefühl, dein Kind quält sich mit dem Stuhl o.ä., dann kannst du auch gerne nochmal eine Beikostpause machen und es ein paar Wochen später wieder probieren!

Mein Kind ist nun volle 6 Monate, aber zeigt noch keine Beikostreife oder Interesse ?

So selten ist der Fall nicht! Daher musst du dir aufgrund dieser 6-Monats-Statistik keine Sorgen machen. Allerdings empfiehlt die WHO dem Baby ab dem Zeitpunkt trotzdem zwanglos die Möglichkeit zu geben, zuzulangen. Das heißt nicht, du sollst es jetzt mit z.B. Brei „zwangs“füttern. Es reicht aus, wenn es in Reichweite zu einem Teller mit Nahrung („Fingerfood“) 2-3 x am Tag bei euch am Tisch sitzen darf. So erlebt es euch Eltern einerseits als Vorbild – denn nur über ein Vorbild kann es Interesse an Nahrung bekommen, andererseits hat es mehrmals täglich die zwanglose Wahl aus einem vielfältigen Angebot zuzugreifen oder auch nicht! Und wenn dein Kind anfängt, sich selbst zu füttern, dann ist auch der richtige Zeitpunkt für Beikost gekommen!

Mein Kind ist nun 8, 9, 10+ Monate und zeigt immer noch absolut keinerlei Interesse?

Es hat nun zwei Möglichkeiten: Entweder dein Baby gehört zur langsameren Sorte oder es liegt vielleicht ein Nährstoffmangel (z.B. Eisen) vor. Letzteres kann sich in kompletter Appetitlosigkeit bzw. Nahrungsdesinteresse zeigen. Um auf der sicheren Seite zu sein, speziell da wir nicht in unsere Babys hineinsehen können, und je nach Geburtstermin (z.B. Frühchen) oder -Modalität (z.B. Kaiserschnitt) die Eisenspeicher vielleicht nicht ausreichend gefüllt sein worden könnten, wäre es eine Überlegung wert, in Absprache mit dem Kinderarzt, prophylaktisch die Eisenspeicherwerte zu überprüfen. Ist dieser okay musst du dir keine Sorgen machen und kannst weiterhin vollstillen, bis dein Kind von sich aus Interesse zeigt. Sollten die Werte tatsächlich kritisch sein, wird sich dein Kind nach einer Eisensupplementation wahrscheinlich bald zu einem hungrigen Räuber mausern.

 

Wie steht ihr zu den Beikostreifezeichen? Habt ihr darauf geachtet oder werdet darauf achten? Diejenigen, die, vielleicht auf Empfehlung des Kinderarztes/Hebamme/Oma usw. , mit 17 Wochen begannen: wie geht es euch nachträglich damit? Wie habt ihr mit einem Folgebaby die Beikost gehandhabt oder würdet es, rückblickend auf eure bisherige Erfahrung, bei einem weiteren Baby halten? Gleich oder anders?

Sind Beikostreifezeichen in euren Augen für die Einführung von Beikost relevant oder „modischer Unsinn“ ?

Ich freue mich über eure Meinungen!