„Ich gebe die Flasche, damit der Papa auch eine Bindung zum Baby aufbauen kann!“

Ist daran etwas Wahres? Jein. Ein Stillkind ist in den ersten Lebensmonaten, zumindest bis es Beikost erhält, tatsächlich ausnahmslos von der Mutter abhängig. Manchmal gefühlte 24 Stunden am Tag klebt es an der Mutterbrust, und es mag von außen so wirken, wie wenn ein Vater keine Möglichkeit hätte, hier jemals zwischen die Mutter-Kind-Dyade zu treten.

tragen ist das stillen der Väter

Tragen ist das Stillen der Väter

Es wäre aber seitens des Vaters auch falsch, hier eine Trennung einzufordern: Eine stillende Mutter braucht keine Vorwürfe, keine Eifersucht auf die Nähe zum Kind. Sie braucht liebevolle Zuwendung, Unterstützung und Entlastung durch ihren Partner, um sich mit allen Kräften entspannt dem Stillen widmen zu können.

Durch das Tragen des Babys mit Tuch oder Tragehilfe erlebt sich auch der Papa als wichtige Person in Babys Leben:

  • ab Geburt kann er sein Kind nah am Herzen tragen und ihm so ebenso körperliche Nähe wie die Mutter an ihrer Brust zuteil kommen lassen.
  • Zugleich ist ein getragenes Baby ein entspanntes Baby. Es ist nachgewiesen, dass Babys, die viel getragen werden, abends deutlich weniger Schreien. Und ein Baby lässt sich auch an Vaters Brust gekuschelt leicht beruhigen.
  • Sein Baby schunkelnd erlebt er sich als kompetent und gewinnt Sicherheit im Umgang mit seinem Kind. In der kurzen Zeit des Tages, die neben der häufigen beruflichen Belastung eines Vaters noch bleibt, um sie mit seinem Baby zu verbringen, lernt er durch die direkte Nähe zu seinem Kind, dieses und seine Bedürfnisse leichter und schneller kennen und richtig zu interpretieren.
  • Durch das Tragen kann er auch die Mutter entlasten. Während das Baby sicher und zufrieden an Papas Brust schläft, lässt sich das Abendessen von ihm zubereiten, und die Mutter kann sich inzwischen ein entspannendes Bad gönnen, um durch eine kurze Auszeit wieder neue Energie tanken zu können.

Neben dem Tragen kann der Vater auch das Babybad, die tägliche entspannende Babymassage, das Wickeln übernehmen und so eigene Rituale nur für sich und das Baby als wertvolle Bindungselemente in den Alltag einbauen. Ist die Mutter terminlich bedingt einmal nicht greifbar, so kann auch abgepumpte Muttermilch vom Vater mittels Becher oder Flasche gefüttert werden.

Ein Abstillen/Nichtstillen aus Angst, die Bindung zum Vater könnte darunter leiden, ist somit nicht notwendig! Hat das Kind erst einmal tiefes Vertrauen zu seiner Mutter aufgebaut, so erweitert sich die enge, sichere Bindung automatisch im Laufe der Wochen auch auf den Vater!