Allmählich werden die Tage wieder länger und auch dietragen im Sommer Temperaturen steigen wieder an, weshalb ich euch einige Tipps zum Tragen in der warmen Jahreszeit geben möchte!

1. Erzwinge nichts!

Trage nur, wenn du und dein Kind sich auch dabei wohlfühlen. Egal was ihr anhabt, oder womit du trägst: Euch wird warm werden. Wenn es euch somit nicht stimmig erscheint, kannst du auch ohne Bedenken zum Kinderwagen greifen!

Du musst (bei entsprechender Bekleidung) keine Angst vor einer Überhitzung haben: Durch das Schwitzen kühlen dein Baby und du sich gegenseitig. Auch merkst du durch den engen Körperkontakt gegebenenfalls rechtzeitig, wenn sich dein Baby nicht wohlfühlen sollte. Im Zweifelsfall kannst du durch Befühlen im Nacken bzw. an den Füßen deines Babys die Temperatur kontrollieren.

Kühlung unterwegs kann z.B. ein Fächer verschaffen.

2. Meide die Mittagszeit und Sonne

Etwa von 11-15 Uhr ist die heißeste Tageszeit. Wenn irgendwie terminlich machbar, verweile in diesem Zeitraum in geschlossenen Räumen. Musst du trotzdem hinaus, halte dich bevorzugt im Schatten auf oder erwäge vielleicht den Kauf eines tragbaren Sonnenschirms mit UV-Schutz.

3. Achte auf den richtigen Sonnenschutz!

Je kleiner ein Baby ist, umso weniger sollte es direkter Sonne ausgesetzt werden.

Die Haut eines Babys ist im ersten Lebensjahr noch sehr sensibel und auch die Pigmentierung (als Eigenschutz) der Haut noch kaum ausgeprägt, weshalb auch Sonnencreme nur sparsam eingesetzt werden sollte und der Sonnenschutz über die Kleidung bevorzugt werden sollte: ein dünner Langarmbody (z.B. mit Seidenanteil) und dünne Hosen bzw. Babylegs (u.a mit UV-Filter erhältlich) und Söckchen reichen an heißen Tagen aus. Von oben schützt ein breitkrempiger Sonnenhut mit Nackenschutz.

Bei der Wahl der richtigen Sonnencreme ist ein Blick auf den Lichtschutzfaktor, aber auch die Inhaltsstoffe sinnvoll: viele bekannte Cremen enthalten potentiell hormonell wirksame Stoffe, und auch ein LSF 50 ist meist nicht nötig (Stichwort Vitamin D!). LSF20-30 reichen im Normalfall völlig aus, um punktuell einzucremen. Manche natürliche  Öle (z.b. Kokosnussöl, Sheabutter) enthalten bereits einen kleinen LSF. Mineralische Sonnencremen sollten bevorzugt werden. Die darin enthaltenen Filter verbleiben an der Hautoberfläche und reflektieren das Sonnenlicht, statt wie chemische Sonnencremen den Eigenschutz der Pigmentierung zu verstärken. Eingecremt wird nicht zu sparsam und wenn nur die von Kleidung nicht bedeckten Hautstellen, da das Bedecken der Haut mit Sonnencreme das Schwitzen und die damit verbundene Regulierung der Körpertemperatur erschweren.

4. Auf regelmäßige Flüssigkeitszufuhr achten!

Der Körper verliert durch das Schwitzen viel Flüssigkeit, weshalb hier eine ausreichende Zufuhr, auch als Elternteil, wichtig ist. Für Babys vor Beikostalter heißt das, dass je nach Temperaturen eine häufigere Gabe (nach Bedarf!) von Muttermilch oder Pre-Säuglingsanfangsnahrung nötig sein wird. Muttermilch enthält nicht nur 87% Wasser, sondern auch alle benötigten Nährstoffe. Bei einem Stillkind kann das bedeuten, dass es womöglich auch mehrmals pro Stunde kurz einige Schlückchen trinkt! Gerade für den Sommer wäre es somit eine hilfreiche Idee, sich das Stillen im Tuch bzw. der Tragehilfe näher anzusehen. Bedenkt aber: Es braucht womöglich einige Tage oder Wochen Übung, bis es gut klappt!

Aktuelle Studien beweisen, dass eine zusätzliche Wassergabe für Babys im etwa ersten Lebenshalbjahr (bis Beikostbeginn) keinen Vorteil bringt. Gerade bei kleinen Säuglingen, speziell vor Beikostbeginn, impliziert eine zusätzliche Gabe von Wasser oder Tee das Risiko einer Wasservergiftung – hier  dürft ihr also auch Omas gutgemeinten Tipps freundlich und guten Gewissens ablehnen 😉

Wasser sollte ansonsten immer Getränk erster Wahl sein bei Kindern!

5. Nütze einlagige Bindeweisen und leichte Materialien

Jede Schicht Tragetuch ersetzt eine Kleiderschicht. Im Hochsommer sind somit einlagige Bindeweisen wie Wickelkreuztrage, Känguru, Hüftschlinge, Einfacher Rucksack, Ringsling, „Kanga“-Style u.a. zu bevorzugen, mit älteren Traglingen können auch Shortybindeweisen eine angenehme Alternative zu stoffintensiven Bindeweisen sein. Auch wird ein Onbu (ab ca. Laufalter) durch den fehlenden Hüftgurt häufig als fein empfunden.

Dünnere Tücher aus Baumwolle, und/oder mit Anteilen an Seide, Leinen, Hanf, Bambus , aber auch mit Wollanteil, können helfen, die Feuchtigkeit zu regulieren. Bedenkt aber: Je nach Material-Anteil verändert sich auch die Bindeeigenschaft eines Tuchs! (z.B. Bambus macht es rutschiger)

Stark gepolsterte Tragehilfen können als sehr warm empfunden werden.

6. Achte auf Wechselgewand

Schweiß macht klatschnass. Der Wechsel aus der Sommerhitze in gekühlte Räume und retour birgt somit, v.a. wenn du das Kind dafür aus der Trage oder dem Tuch nimmst, das Risiko einer Verkühlung. Ein Kleiderwechsel bei längerem Aufenthalt machen somit für den Träger und Tragling Sinn!

Schweiß kann auch dazu führen, dass dein Baby im Gesicht einen Hitzeausschlag entwickelt. Solltest du weit ausgeschnittene Shirts tragen, dein Baby also mit dem Kopf auf nackter Haut aufliegen, empfehle ich dir eine Spuckwindel o.ä. als Abdeckung für dein Dekollete zu nützen.

7. Baden

Für Badeurlaube bzw. Schwimmbadbesuche hat es am Markt von verschiedenen Anbietern (z.B. Amazon, MaM, Wermli, Kokadi) Wasser-Ring Slings und Tragehilfen in verschiedenen Materialqualität, und bei teureren Anbietern auch mit UV-Schutz. Der Vorteil dieser Tragevarianten liegt am schnell trocknenden Material („Badebekleidung“), wodurch er in und außerhalb (in Badeumgebung) des Wassers eine praktische Lösung darstellen kann, speziell bei jüngeren Babys. Hinweis: die Wasser-Tragen bieten KEINEN Schutz vor dem Ertrinken, d.h. sind zum aktiven Schwimmen nicht geeignet, jedoch ein praktisches Hilfsmittel zum Akklimatisieren in der eventuell ungewohnten Umgebung, oder beim Wasserspritzen mit älteren Geschwisterkindern oder beim Duschen.