Da das Thema Reisen mit Kind immer aktuell ist, möchte ich euch heute einen kleinen Exkurs zum Thema Schiffreisen, speziell mit Fähre, bringen.

1. Organisatorisches zur Anreise – Autotetris

Normalerweise sollte man ca. 2 Stunden vor Abfahrt mit dem Auto am Hafengelände ankommen. Zumindest in Livorno ist es so, dass das Zugangstor morgens erst kurz vorher (ca.2,5-3h vorm Ablegen der ersten Fähre, dh. etwa um 5-5.30 Uhr morgens herum) öffnet. Es ist somit kontraproduktiv extra früh bereits in einer Blechschlange vor verschlossenen Toren zu stehen (und ein WC ist speziell in Livorno vor der Einfahrt nicht verfügbar, falls ein Kind dringend müsste.)

Solltet ihr also frühzeitig bereits am Abfahrtshafen ankommen, ist es eventuell eine Überlegung wert, ob ein Hotelzimmer Sinn macht.

Endlich am Gelände angekommen, werdet ihr von Schildern & eifrigen Ordnern, nach Kontrolle eures Tickets & potentiell Pässen, rasch zu eurer Warteposition geleitet – hier gibts dann normalerweise auch soweit gepflegte Toiletten, Kiosks, sprich basale Infrastruktur, wenige Gehminuten entfernt innerhalb des Hafengeländes.

Es ist trotzdem ratsam, eher in Autonähe zu bleiben, sobald euer Schiff angelegt hat, da das Boarding dann wirklich sehr plötzlich und zügig losgeht, während parallel noch die letzten Autos der ankommenden Passagiere abfahren. Nützt die Zeit, um euer Gepäck fürs Schiff möglichst schon soweit zusammengerichtet zu haben, dass ihr es dann auf einen Griff – sinnvollerweise nahe der Kofferraumklappe – erreichen könnt.

Ihr braucht in etwa:

  •  ggf. Hygieneartikel, Windeln
  • Getränke (an Bord gibts nur kleine Flascherl Wasser, da grosse Flaschen mitzunehmen ist sicher kostengünstiger)
  • evtl. Jause, Snack, Milchpulver/Breigläschen je Bedarf (es gibt genügend Sitzgelegenheit zum Essen an Bord, auch wenn nicht jeder Bereich dafür zugelassen ist)
  • Je nach Alter/Bedarf der Kinder Spiele, Bilderbücher, Lektüre für euch
  • 1 Set Wechselgewand für den Notfall/Kind; 1 langärmlige Schicht zum ggf. Überziehen bei Kälte
  • Decke/Schlafsack und/oder Isomatte falls keine Kabine gebucht wird, aber ihr an Bord zu schlafen gedenkt
  • Im Hochsommer: evtl Badehose/-anzug & Handtuch
  • Dokumente, evtl. Notfallmedikamente, ausreichend Bargeld, Handyladekabel usw. (Steckdosen finden sich in den Kabinen aber auch den Gemeinschaftsbereichen, tw. gibts verschliessbare Ladestationen; Internet gegen (teure) Bezahlung)

Sofern ihr mit Auto auf die Fähre fahrt, dürfen alle Mitreisenden im Fahrzeug bleiben, bis ihr wieder von mehr oder minder sympathischen und gestressten Ordnern in eure Parkposition im Inneren des Schiffs geleitet wurdet. Ihr werdet nun fix froh sein, wenn ihr noch soviel Platz habt, um die Seitentüren öffnen zu können und euer Gepäck über den Kofferraum holen könnt! Manchmal fragt man sich nämlich wirklich, wie diese Autotetrisweltmeister nun gedenken, noch das Kind aus bzw. später wieder ins Auto zu bekommen!

Verlasst nun den unteren Teil des Schiffs über den nächstgelegensten Aufgang.

Wichtig:

Die Aufgänge sind mit Farbsystem & Nummern (Etage) gekennzeichnet. Zum Grossteil via Stiege, teils nur via Lift zugänglich.

MERKT EUCH UNBEDINGT WELCHE FARBE UND NUMMER EUER AUFGANG HAT!

Wer das nicht tut, wird sonst spätestens bei Ankunft im Zielhafen zigtausend mal via Lautsprecher aufgerufen und zieht sich den Unmut aller Mitpassagiere zu, die nochmal extra länger aufs Abfahren warten müssen.

2. Kabinen an Bord

Ihr habt an Bord, sofern ihr nicht bereits in der Buchung daran gedacht habt, immer die Möglichkeit eine Kabine, oder Schlafsessels,  zu mieten. Speziell nachts bzw. bei vorangegangenen Nachtfahrten ist erstere Option definitiv mit (kleineren) Kindern zu empfehlen, da der Entspannungsfaktor einfach am Größten ist! Zwar übernachten viele auch auf den sofaähnlichen Sitzen im allgemeinen Aufenthaltsraum bzw. mit Isomatten wo halt Platz ist usw. aber der Geräuschpegel ist definitiv egal wo in den allg. Räumlichkeiten relativ hoch bzw. die  Bequemlichkeit sosolala – und je nach Andrang an Bord, speziell zur Hochsaison, platzmässig einfach unmöglich.

3. Die richtige Kleidung

Egal wann ihr fahrt… an Bord kann es dank funktionierender Klimaanlage wie im Gefrierschrank zugehen. Lange Ärmel/Weste/lange Hose/Socken etc. machen somit für alle Reisenden Sinn. Im Optimalfall würde ich auch dazu raten, kleineren Kindern Kopf & Hals/Nacken vor dem kühlen Luftzug zu schützen bzw. bei  Bedarf zumindest entsprechend gerüstet zu sein. Erkältungen als Folge sind leider fast immer garantiert …

Im Hochsommer haben manche Fähren übrigens auch das kleine Badedeck aktiviert – wer mit älteren Kindern reist, sollte somit auch an Badehose & -handtuch denken, um den Kindern die Fahrt kurzweilig zu gestalten.

4. Essen an Bord

Verhungern wird an Bord definitiv keiner. Zu Mittag & Abends haben die Bordrestaurants offen (je nach Schiff habt ihr die Wahl zwischen Selfservice, a la carte, Pizza). Im Self Service gibts von Salat über Nudeln & Fleisch sowie Nachtisch usw. alles nötige – die Qualität kommt halt zumindest geschmacklich bestenfalls an das heran, was man sich unter Fertiggerichten bzw. Kindergartencatering vorstellt. Also nichts weltbewegendes, aber es würde zumindest ernähren…

Preislich ist es zwar nicht das billigste, aber für einmal erträglich.

Ansonsten gibts an fast jedem Eck des Schiffs Themenbars mit aller Art von Getränken und – für uns Eltern wichtig – Kaffee! (grad in Italien supergünstig! 😎).

Jede dieser Bars verkauft morgens versch. Arten von Croissants u.ä. zum Frühstück, bietet untertags aber auch diverse Paninis, Kuchen, Joghurt, Eis, Popcorn, Crêpes u.ä.. kurzum: kindertauglich ist hier eher vom Alter abhängig.

Wer Essen mitbringt findet aber normalerweise auch eine Mikrowelle im SelfService-Bereich um etwas aufzuwärmen.

5. Kinderbereiche

Jedes Schiff (zumindest Moby Lines) hat einen Kinderbereich, welcher normalerweise neben einem Fernseher mit einem auf Dauerschleife laufenden Kinderfilm (z.b. Ice Age) auch über eine weitläufigen Kletterbereich verfügt – mit Bällebad, Tunnel, etc.. 

Mobilen Kindern wird so zumindest für mehrere Stunden nicht fad. Und auch wenn auf dem Gerüst von 3-10 Jahre steht: Unser kleiner Motoriker kam auch mit knapp 1,5 Jahren bereits fast überall gut zurecht (das Gerüst von Livorno nach Olbia ist etwas kleinkindtauglicher als das auf dem Schiff zwischen Genua und Olbia). Und steckte er doch mal fest, so gab es überall sehr hilfsbereite ältere Kinder, die die kleinen Zwerge meist sofort „adoptieren“ und bei jedem Maunzer hochheben, begleiten usw..

Trotzdem: lasst eure Kinder nie aus den Augen – kleine Abenteurer verschwinden sehr rasch im Wirrwarr an Gängen & Stiegen ^^

Wie bereits erwähnt, gibt es im Sommer meist auch an der freien Luft ein Badedeck mit kleinem Schwimmbecken, um zumindest die Füße etwas abzukühlen.

Für Wickelkinder steht meist nahe des Kinderspielbereichs ein Wickelraum zur Verfügung – eine Unterlage muss hierfür aber selbst mitgebracht werden.

6. Ankunft am Zielhafen

Etwa 1,5h vor Ankunft ertönt für die Kabinen der Weckruf – via Lautsprecher oder Klopfen an der Tür. Ihr habt nun noch etwas Zeit um z.B. noch gemütlich ein Frühstück an einer Bar zu organisieren. Den Kabinenschlüssel (1 Karte/Kabine) könnt ihr entweder am Infopoint, meist auf einem der 1-2 Kabinendecks auffindbar, oder an einen der für die Kabinen zuständigen Mitarbeiter abgeben.

Spätestens jetzt macht es Sinn, sich mit Kind & Kegel und Gepäck bewaffnet, auf die Suche nach einem Schifflageplan zu machen und zu kontrollieren wo sich eure Stiege (Na, wisst ihr sie noch? 😉 ) genau befindet.

Ihr müsst euch aber keinen Stress machen was das dort hinlaufen betrifft. Vor den Abgängen steht ihr nur ewig in den Menschenmassen eingezwängt herum, weshalb auch von der Fährgesellschaft gebeten wird, auf den allgemeinen Decks abzuwarten.

Die geöffneten Parketagen werden der Reihe nach über (teils nicht optimal verständliche ^^) Laursprecher in englisch sowie der Landessprache aufgerufen, so dass ihr dann (zwar doch zügig) aber stressfrei zu eurer Stiege und zum Auto zurückkehren könnt. Je schneller eine Etage geleert ist, umso flotter kommen auch die anderen dran mit einsteigen und abfahren. Und das geht, wenn mal aufgerufen, wirklich sehr flott – zwischen Ankunft und Abfahrt eines Schiffs liegen teils nur 2-3 Stunden!

Übrigens: Es ist relativ sinnlos, zu spekulieren ob eine frühe oder späte Auffahrt fürs schnellere Rauskommen Sinn macht – wir wurden, egal wie wir ankamen, immer komplett anders eingelotst. Zumindest konnten wir bis heute kein System hinter dem Autotetris erkennen!