Nach „Lotta lernt essen“ schlägt das 2014 im Trias Verlag erschienene dritte Buch von Edith Gätje „Lottas Lieblingsessen“ als Grundlagen- und Rezeptbuch den Bogen von der Breiphase zur vollwertigen Kleinkindernährung vom Familientisch. Klassische Rezepte wie Pizza und Grießnockersuppe dürfen ebensowenig fehlen, wie kreative, wohlschmeckende Varianten beliebter Speisen, wie Fleischpalatschinken als Elefantenbeine, Erbsen-Kohlrabi-Karotten-Lasagne, oder Apfelsuppe. Die Autorin möchte mit ihrem Buch eine Unterstützung bei der Erreichung eines nachhaltigen, familientauglichen Essalltags auf Basis der aktuellen Ernährungsempfehlungen geben, ohne ein „5-Punkte-Ratgeber“ zu sein. Es soll inspirieren, und zugleich den Fokus nah an den Bedürfnissen und der Entwicklung des Kindes haben.

Zur Autorin

Edith Gätje (geb. 1962) ist in Köln ansässige Ökotropologin und Dozentin an der UGB-Akademie Deutschland (Bereich Ernährung und Bereich Lebensstile, u.a. leitet sie den Ausbildungsbereich für FachberaterInnen für Säuglings- und Kinderernährung) und seit 2017 Präsidentin des UGB. Sie leitet die Ausbildung „Stillberaterin in der Klinik“, und ist seit über 25 Jahren in den Bereichen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit, Beikost und Kinderernährung, u.a. als Aus- und Fortbildnerin für Hebammen, Krankenschwestern und Eltern involviert. Sie ist Lehrbeauftragte für Hebammenwesen an der Universität Bochum. Sie ist weiters Systemische Familientherapeutin und Supervisorin.

Neben der Vollwertküche liegt Edith Gätjen auch insbesonder die Vermittlung der vegetarischen und veganen Familienernährung in Theorie und Praxis am Herz. Seit 2010 ist sie Expertin im Arbeitskreis „Gesund ins Leben – Netzwerk gesunde Familie“ des deutschen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sie hat als Buchautorin zahlreiche Bücher zur Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglings- & Kinderzeit veröffentlicht. Sie ist selbst vierfache Mutter und einfache Großmutter. In der Buchserie als „Ema“ tituliert, hat sie die Rolle von Lottas Oma, ihrem ersten Enkelkind, inne, deren Lieblingsrezepte die Idee zum Buch ausmachten.

Zum Buch – erster Eindruck

Das Buch kommt im broschierten Paperbackformat mit 136 bunt bedruckten Seiten. 43 herzige Grafiken von der Stuttgarter Grafik-Designerin Daniela Sonntag (auch bekannt aus den Büchern „Schlafen statt Schreien“ oder „Lotta lernt essen“) bzw. Speisenfotos lockern den Text auf.

26 Seiten entfallen auf die Theorie, der übrige Teil teilt sich in Rezepte, welche als 3. Element, durch kurze, doppelseitige praktische Tipps zu typischen Herausforderungen im Alltag mit Kleinkindern aufgelockert werden: „Mein Kind will kein Gemüse“, „Mein Kind isst so wenig“, „Lotta isst mit der Familie“, „Lotta isst bei den Großeltern“, „Lotta isst im Kindergarten“, „Lotta im Restaurant“. Anhand dieser Beispiele erhalten Eltern wertvolle Tipps, wie sie als Vorbild ein positives Essverhalten und Tischmanieren lehren und fördern können, aber auch Handwerkszeug, um zu verstehen, warum Kinder in dem Alter so sind wie sie sind, und wie diese Eigenheiten oder Alltagsherausforderungen statt als Problem als Chance erlebt werden können. Auch erklärt sie anhand der Beispiele lebendig wie z.B. Geschmacksprägung im Kindesalter funktioniert oder welche Verhaltensweisen sich negativ oder förderlich auf die Entwicklung eines gesunden Hunger-Sättigungsgefühls auswirken.

Im Theorieteil werden nach einem ernährungsspezifischen Rückblick in die Schwangerschaft, Stillzeit und Breikost, die Empfehlungen zum Essverhalten im Kleinkindalter, aber auch zur Ernährung im Kleinkindalter vertieft: Mittels Händeregel, Ernährungsrad, aber auch mengentechnischen Beispielangaben kann jeder die Grundlagen zur Gestaltung einer ausgewogenen Vollwertkost mitnehmen. Tipps zur Speisengestaltung runden das ganze ab. Die Autorin versteift sich dabei nicht dogmatisch auf Vorgaben, informiert aber wertfrei zu Referenzwerten, Möglichkeiten und Alternativen, um alle Nährstoffbedürfnisse des Kindes individuell und bedürfnisorientiert abzudecken.

Die Rezepte zu „Lottas Lieblingsspeisen“

Der Rezeptteil teilt sich in die Kapitel Suppen, Salate, Brot & Co, Hauptgerichte, Kuchen/Kekse/Gepäck und Desserts.

Auffallend für mich beim ersten Durchsehen: Sehr viele der über 110 Rezepte enthalten Milch, Sahne, Quark, oder Käse, was mir hier teils fast zuviel Anteil als Zutat war (auch da hier die Milch ja bei eisenreichen Lebensmittel die Eisenaufnahme behindern würde). Die Autorin weist jedoch in der Einleitung zu den Rezepten (bzw. hier merkt man auch ihre persönliche Leidenschaft für die vegane/vegetarische Ernährung teils in den Begleittexten, wenn vom Kochstil der „Ema“ zu lesen ist) auf vegane Alternativen wie Pflanzendrinks, Tofu, Sojaprodukte hin, um den Milchproduktkonsum hier zu begrenzen bzw. komplett zu ersetzen. Für Ei wird als Alternative Vollsojamehl mit Wasser empfohlen. Leider finden sich hier ansonsten wenig andere Anregungen, wie z.B. den Einsatz von Apfelmus oder Banane. Ebenfalls wohl ihrem veganen Faible geschuldet wird in vielen Rezepten Nussmus etc. beigefügt. Auffällig wird dies auch durch eine kaum vorhandene, geringe Menge an Rezepten mit Fleisch und Fisch. Der Rezeptfokus liegt hier durchwegs auf einer ovolaktischen Ernährung mit vegetarischem Schwerpunkt.

Die Gerichte würden Erwachsenen ebenso munden wie dem Kind, wobei die Portionsmengen für 2 Erwachsene und 2 Kinder kalkuliert werden, oder es wird eine zu erwartende Stückzahl (z.B. Muffinsmenge) angegeben. Je älter das Kind wird, umso mehr Anteil kann es auch an der Herstellung der Speisen mitwirken. Im Rezeptteil werden die für ein Kleinkind sicheren Handgriffe (z.B. Gemüse putzen) mit fetter Schrift extra herausgehoben. Denn gesunde Ernährung, Freude am Essen und Wertschätzung für eine vollwertige Küche lernt sich am Besten im gemeinsamen Tun und aktivem Hantieren mit frischen Lebensmitteln, und das bereits beginnend beim gemeinsamen Einkauf! Da für die Autorin all das wertvolle Beziehungs- und Bindungszeit darstellt, fließt hier viel Input zum Thema in den Text ein: Ein eigenes Kapitel im Theorieteil gibt eine umfangreiche Anleitungshilfe, Sicherheits- und Materialtipps für das gemeinsame Kocherlebnis mit Kind.

Neben Zutatenliste und leicht nachvollziehbarer Step-by-Step-Anleitung wird jedes Rezept mit einer kleinen „Einleitung“ vorgestellt, entweder aus dem Kindermund der kleinen Lotta, oder Anekdoten oder einfach Gedanken der Autorin zum Gericht, beispielsweise zu wertvollen Nährstoffen. Je nach Rezepttyp finden sich auch Beilagenempfehlungen. Der Kochbedarf wird mittels Schlagwort „geht schnell“ oder „braucht etwas mehr Zeit“ sowie einer Zeitangabe für Zubereitung und Backzeit etc. angegeben und ist somit im Aufwand gut einschätzbar. Auch Hinweise ob ein Rezept kühlschrank- oder gefriertauglich oder für die Vorratsdose (inkl. ungefährer Haltbarkeit) geeignet ist, fehlen nicht. Die Zutaten finden sich meist im häuslichen Vorratsschrank, oder können teils, speziell wenn man das Buch sowieso häufig verwendet, auch auf Vorrat länger im Kühlschrank gelagert werden (z.B. Sahne). Auch sind soweit alle benötigten Lebensmittel in einem gut sortierten Supermarkt heutzutage käuflich.

„Baby Led Weaning“- Tauglichkeit des Buches

Die Kleinkindernährung ist von den Zutaten doch etwas anders geregelt als die optimale Säuglingsernährung. Nichtsdestotrotz  wären die meisten Rezepte Baby Led Weaning geeignet, sofern man zumindet Salz und Zucker, welche in fast jedem Rezept vorkommen weglässt oder mit z.B. Fruchtsüße ersetzt und evtl. an die Referenzwert-Empfehlungen für Säuglingsernährung etwas anpasst (z.B. kein Quark, etc.). Die theoretischen Basics können aber auch für Baby Led Weaning eine hilfreiche Basis sein.

Fazit zu „Lottas Lieblingsessen“

War ich beim Beikostbuch von „Lotta“ noch etwas vom Inhalt her skeptischer, so begeisterte mich dieses Buch von Edith Gätjen doch sehr in der Gesamtaufmachung. Es liest sich schnell und angenehm und entspannt, ohne Dogma und Druck. Die praktischen Tipps lassen sich im Alltag gut umsetzen und können auch eher ängstliche oder besorgte Eltern etwas die Bedenken nehmen. Die Rezepte konnten wir zeitlich noch nicht antesten, werden wir aber sicher noch. Die Rezepte bieten normale, aber gesunde und ausgewogene Hausmannskost, ohne Verbot von Haushaltszucker und Co. Wer hier etwas kritischer in seinem Ernährungsstil ist und „zuckerfrei“ bzw. mit Zuckeralternativen kocht, könnte davon vielleicht eher enttäuscht sein.  Allen anderen kann ich das Buch „Lottas Lieblingessen“ für die Kleinkindernährung (und darüber hinaus) aber wirklich guten Gewissens weiterempfehlen!

Lottas Lieblingsessen Edith Gätjen

Buchcover „Lottas Lieblingsessen“ von Edith Gätjen

Details zum Buch: 

Edith Gätjen: Lottas Lieblingsessen. Über 110 Rezepte, die wirklich schmecken 
ISBN/EAN: 978-3-8304-6141-8 (auch erhältlich als E-book)
Sprache: Deutsch
Umfang: 136 Seiten, 43 Abbildungen, broschiert, 22 x 1.7 x 23.1 cm
Preis: € 14,99 (D), € 15,50 (Ö)
Erschienen am 26. Februar 2014 im Trias-Verlag

 

 

 

(Das Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise für die Rezension zur Verfügung gestellt.)