Johnston Kindersnacks: Blitzschnell & supergesund

Kindersnacks: Blitzschnell & supergesund. Buchcover

Jausen für auswärts richten ist bei uns in der Familie immer etwas herausfordernd. Gemüse-Rohkost geht bei unsrem Kind sogut wie gar nicht, an Obst sind Banane oder Kiwi das höchste der Gefühle aktuell. Sandwich oder Brot? Bitte nur ohne Rinde, je nach Tageslaune des Kindes selbst mit Lieblingsaufstrich genießbar oder nicht. Am besten aber süß, vielleicht mit Schokolade? Kurzum: ich stehe oft ratlos da, und überlege, wie ich aus den Sachen daheim etwas leckeres, zuckerfreies zaubern kann, um auch bei der aktuell eher asketischen Ernährungshaltung meines Kleinkindes ein paar Vitamine in die tägliche handvoll Löffel Nahrung zu bekommen. (Ja, es klingt besorgt, aber ich bin hier ansich sehr entspannt, wenn aber auch Lieblingsspeisen stehen gelassen werden, irritiert es ^^)

Also dachte ich mir, es kann nicht schaden, mir neue Inspiration zu holen. Von Tanja Johnstons Buch „Kindersnacks. Blitzschnell & supergesund.“, erschienen im Trias Verlag, erhoffte ich mir genau dies: Schnell zubereitet, gesund, neue Ideen da noch dazu vegan. (Nicht das wir eine Familie wären, welche sich vegan ernährt, aber gerade für die Kleinkindernährung finde ich die Kochideen nicht uninteressant, wenn es drum geht, einem Kind z.B. auch Hülsenfrüchte oder weniger „kindgeliebte“ Gemüsesorten schmackhaft zu machen.

Zur Autorin Tanja Johnston:

Tanja Johnston, verheiratet und Mutter eines Sohnes, wuchs auf einem Bauernhof in Nordrhein-Wetfalen auf, wo sie von ihren Eltern lernte, sich von kontrolliert angebauten Nahrungsmitteln zu ernähren. In der Jugend begann sie sich für die rein pflanzliche Ernährung zu interessieren und absolvierte in den USA anschließend ein Studium zur Heilpraktikerin mit Ausbildung in Ayurveda, Traditioneller Chinesischer Medizin sowie homöopathischer Kräuterkunde. Eine Spezialisierung zur Ernährungsberaterin erfolgte im Anschluß an der „Harvard Medical School“ und „Cornell University“. Ihre Privatpraxis „Intuitive Nutritionist“ wurde 2014 und 2015 mit dem „Best Business“-Preis für Ernährungsberater ihres Heimatortes Los Angeles ausgezeichnet. Tanja Johnston betreut Privatkunden, leitet Gruppenkochkurse und Kinderkochcamps und begeistert so alle Altersstufen mit den Vorteilen pflanzlicher Vollwertkost.

Erster Eindruck des Buchs:

Das Buch mit broschiertem Softcoverumschlag hat von den Maßen ein sehr angenehmes, handliches Format. Der Inhalt umfasst auf 118 Seiten neben einem kurzen theoretischen Abriss zu der veganen Ernährung einen umfangreichen Rezeptteil. Etwa die Hälfte des Buchs wird durch farbige, seitengroße Bilder illustriert. Der Text ist gut lesbar, linksbündig in Spalten angeordnet. Rote Überschriften bzw. transparent rote Infokästen strukturieren den Text bzw. heben wichtige Informationen heraus.

Der Theorieteil:

Auf 32 Seiten erklärt die Autorin die Grundzüge der veganen Ernährung: welche Vorteile sie hat, aber auch welche Faktoren wichtig zum wissen sind: Eine Übersicht zu kritischen Vitaminen und deren Aufgaben im Körper und worin sie enthalten sind findet sich ebenso, wie Lagerungs- und Zubereitungshinweise, um alle Nährstoffe optimal aufnehmen zu können (und hier lässt sich einiges neues lernen!). Johnstons Schreibstil lässt die Theorie flockig leicht und verständlich erscheinen, kaum ein Thema von veganer Ernährung in der Schwangerschaft, Säuglingszeit und später bleibt dabei unbeachtet. Das ganze kommt ohne Dogmatismus aus. Risiken von Mängeln werden ebenso betont, wie Hinweise um diese „Ernährungsfallen“ auszugleichen. Auch Tipps für das Erlernen eines gesunden Essverhaltens und um ohne Haushaltszucker o.ä. auszukommen, kommen nicht zu kurz. Johnston basiert ihre Theorie, aber auch die Praxis auf unverarbeitete Produkte, so weiß der Koch, was im Essen wirklich drin steckt. Auf Mehl wird ebenso verzichtet, wie auf künstlichen Zucker.

Der Rezeptteil:

59 Rezepte aus der warmen und kalten Küche, geordnet in die Kategorien „Smoothies & Säfte“, „Frühstück“, „Energiegeladene Snacks“, „Brotaufstriche, Dips und Soßen“, „Suppen und kleine Mahlzeiten“ sowie „Nachspeisen und andere Leckereien“ laden zum Nachkochen ein. Alle Rezepte verfügen über eine Portionen-, Zubereitungszeitangabe, Zutatenliste und ausführliche Zubereitungshinweise und Hintergrundwissen, wie welche Vitamine/Nährstoffe auf unseren Körper wirken, passend zum Rezept oder einem Inhaltsstoff. Die Rezepte brauchen dabei großteils zwischen 15 und 60 Minuten, teils auch kürzer oder länger, je nach Einweichzeiten. Die Rezeptinformationen waren gut in der Praxis nachzuvollziehen, auch Portionsgröße und Zeitangabe war gut kalkuliert. Die meisten Rezepte lassen sich leicht mit wenigen Zutaten, die man oft auch daheim hat bzw. gut auf Vorrat kaufen kann (z.B. Datteln, Nüsse, Haferflocken, Kakaopulver, etc.), umsetzen, einzelne benötigen aber Zutaten, welche eher im Naturkostladen (z.B. probiotische Kapseln) zu finden sind, denn in einem herkömmlichen Supermarkt. Mir fehlte ansich teils nur eine Information, wie lange und wie am besten manche Soßen, welche teils für unsere Familie eine zu große Menge darstellte, um in 1-2 Tagen verzehrt zu werden, gelagert werden könnten.

Am Buchende findet sich ein nach Rezepten sowie Zutaten gelistetes Inhaltsverzeichnis.

Wir haben einige Rezepte nachgekocht. Gleich vorweg: bei dem Buch lohnt sich die Anschaffung eines wirklich guten Mixers und Pürierstab! Die Herstellung gelang so leicht und rasch (von manchen längeren Einweichzeiten abzusehen), der Geschmack bzw. Konsistenz war für meine Familie, welche sich von normaler Mischkost ernährt, teilweise jedoch etwas gewöhnungsbedürftig (z.B. Sushi-Bälle). Bei fast allen Rezepten werden hochkalorische Lebensmittel verwendet: Nüsse, Avocado. Für Kinder, welche hier einen Fokus in der Ernährung legen müssen, kann man sich somit einiges an Inspiration holen. Auf Zucker, ebenso wie Ersatzstoffe wie Xylit o. ä. wird verzichtet. Zum Süßen kommen Datteln (und nicht zu wenige!) und Bananen bzw. anderes süßes Obst zum Einsatz. Auch auf Salz wird großteils verzichtet, Knoblauch, Kräuter und Nori-Blätter geben stattdessen eine würzige Note.

Die schnellen Eisrezepte waren bei meinem Sohn sehr beliebt und stellen eine echt leckere Alternative zu gezuckertem Speiseeis auf Joghurt oder Milchbasis her, auch die Bohnenburger mit Roter Beete waren eine leckere Idee. Interessant fand ich weiters die Anregungen für verschiedenste Aufstriche und Dips. Da ja Joghurtdips zu Fleisch- oder Getreidegerichten in Hinblick auf die Eisenaufnahme nicht optimal sind und ich bei meinem Milchprodukteliebhaber hier ohnehin den Konsum, wenn schon zum Frühstück oder mal als Käsebrot unvermeidbar, an anderer Stelle zu reduzieren suche, fand ich die vorgestellten Varianten auf Basis von Avocados oder Nüssen (energie- & kalorienreich, enthält wertvolle Fette, welche die Vitaminaufnahme verbessern bzw. wichtig für die kindliche Gehirnentwicklung sind) sehr spannend. Auch Kinderklassiker wie Fruchtjoghurt, Ketchup, Nutella, Fischstäbchen, Waffeln/Pancakes mit Schlagobers, Schokocreme etc. finden ihr attraktives veganes Pendant zum Nachkochen und zum Naschen mit gutem Gewissen – „Vitamine zum Naschen“ können hier ohne erhobenen Zeigefinger auch mal über die Strenge nach Wunsch des Kindes offiert werden!

Tauglichkeit für Baby Led Weaning:

Definitiv. Die Gerichte sind sehr ausgewogen, nährstoffreich und optimal auf die Entwicklung der ersten Lebensjahre ausgerichtet. Auch wenn das Buch Kindersnacks heisst, so eignen sich die Rezepte durchwegs auch für den Familientisch als Variation zur klassischen Mischkost bzw. um Kleinkindern gesunde Alternativen zu z.B. beliebten Süßspeisen anzubieten, ohne ihnen hier konkret Verbote auferlegen zu müssen. Ob als Mehrgangmenü oder Snack zubereitet kann individuell entschieden werden – hier sind die Snacks nicht nur auf Zwischenmahlzeiten beschränkt. Auch können mit etwas Kreativität die vorhandenen Rezepte leicht abgeändert werden oder manche Tricks, z.B. Kokos/Nüsse als Fettlieferant zur Aufwertung bereits gängiger Familienrezepte inspirieren.

Fazit zu Tanja Johnstons „Kindersnacks“:

In meine Augen stellt das Buch von Tanja Johnston einen sehr schönen Einblick in die Vegane Küche und deren Umsetzung für Kinder parallel zu einer gesunden Mischkost dar. Als alleiniges Werk für eine rein vegane/vegetarische Ernährungsweise wäre es an Information/Rezepten definitiv zu wenig ausführlich, hier würde ich ohne entsprechendes exzellentesHintergrundwissen unbedingt empfehlen, mit Arzt bzw. Ernährungsberater eine Umsetzung für ein Kind zu besprechen bzw. weiterführende, vertiefende Literatur zu lesen. Nichtsdestotrotz hat es mir Lust gemacht, mehr über vegane Ernährung zu erfahren und ich kann das Buch guten Gewissens jedem, der hier nach Inspiration zu gelegentlichen alternativen Rezepten ohne Ei, Milch & tierischen Produkten für die Baby Led Weaning / Kleinkindzeit (aber auch darüber hinaus) sucht, ans Herz legen. Einzig der Titel „Snacks“ ist etwas irreführend: nur ein Teil der Rezepte sind wirklich Brotdosentauglich, wie man vom Titel vielleicht erwarten täte. Nichtsdestotrotz für Zwischendurch daheim oder auch mal Mittags/abends eine wertvolle Ideensammlung!

 

Details zum Buch: 

Tanja Johnston: Kindersnacks. blitzschnell & supergesund. 
ISBN/EAN: 978-3-432-10002-9 (auch erhältlich als E-book)
Sprache: Deutsch
Umfang: 120 Seiten, 44 Abbildungen, broschiert, 15.6 x 0.9 x 18.7 cm 
Preis: € 9,99 (D), € 10,30 (Ö)
Erschienen am 13. Januar 2016 im Trias-Verlag

 

(Das Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise für die Rezension zur Verfügung gestellt.)