„Die besten Rezepte für ihr Kind von 4 bis 12 Monaten“ lautet der Untertitel des „Babykochbuch“ von Annabel Karmel, dass 2015 als Übersetzung aus dem Englischen im Bassermann Verlag erschienen ist.

Auf insgesamt 94 Seiten bietet das quadratische Büchlein mit Hardcoverumschlag sowie zahlreichen auflockernden  Farbfotos nicht nur  wichtige theoretische Eckpunkte, sondern auch eine Vielfalt an kulinarischen Ideen für Babys erstes Jahr!

Über die Autorin Annabel Karmel:

Die Engländerin Annabel Karmel, ursprünglich Musikerin, ist als Mutter dreier Kinder seit 1991 als erfolgreiche Autorin von inzwischen über 37 Büchern zur Baby-,Kinder- und Familienernährung. In ihrer Tätigkeit als Beraterin ist sie nicht nur für englische Zeitschriften, in Radio- sowie Fernsehserien präsent, sondern auch in Kindergärten sowie Hotels, Restaurants etc. unterwegs. Heute vertreibt sie zusätzlich ihre eigene Produktlinie an Baby- und kleinkindgerechten Fertigmenüs.  Für ihre „außerordentliche Leistungen im Dienst der Gemeinschaft“ im Feld der Kinderernährung erhielt sie u.a. 2006 von der englischen Queen eine MBE Auszeichnung.

Zum Buchinhalt:

Annabel Karmel hat in den letzten Jahren neben reinen Breibüchern auch zahlreiche Baby Led Weaning Rezeptbücher publiziert. Ihre persönliche Offenheit zu diesem Konzept spiegelt sich  in diesem Rezeptbuch mit insgesamt 51 Rezepten von Brei bis Fingerfood, vom Frühstück bis zum Abendmahl, deutlich wieder: Neben klassischen, aber im Vergleich zu anderen Breikochbüchern, teils in den Zutaten recht kreativ und interessant klingenden Breirezepten (z.B. Zitronen-Seezungen-Püree, Kabeljau mit Orange und Kürbis) finden sich auch mehrere für Baby Led Weaning geeignete Speisenvorschläge (angedacht für Babys, welche selber löffeln wollen, ab 9 Monaten). Hier hätte ich auch gut Lust selber wieder ein Kind zu sein, da ihre Ideen für Babys und junge Kleinkinder ohne Zweifel gern verzehrte Gerichte werden könnten.

Zur, für klassische Babybreie, vielleicht etwas „unorthodoxen“ Zubereitung, speziell durch den Einsatz von Gewürzen, kam Annabel durch ihren Sohn Nicholas, welcher ein sehr heikler Esser war.

Als Anti-Köchin schreckten mich persönlich die im Buch auf den erste Blick für Brei/Babyküche teils endlos erscheinenden Zutatenlisten ab – zum Glück bestehen diese aber auf den zweiten Blick zur Hälfte aus Dingen, welche meist ohnehin in der gut sortierten Vorratskammer vorhanden sind.

Allen Rezepten ist weiters eine Zeitübersicht für Vorbereitung und Kochzeit, Portionsanzahl sowie Hinweis zur Einfriertauglichkeit für die Vorratshaltung vorangestellt.

Das Buch ist insgesamt, nach Alter geordnet, in 3 große Kapitel, welche sich auf 94 Seiten erstrecken, aufgeteilt: Der Beikostbeginn mit 4-6 Monate, einer erweiterten Speisepalette mit 6-9 Monate sowie der Beginn des selbstständigen Essen vom Familientisch ab ca. 9/10 Monate. Jedem Kapitel geht eine theoretische Einleitung zuvor, in welchem nützliche Basics für die neue Phase bzw. allgemein zur Beikost erläutert werden.

Im groben gibt Annabell Karmel, dafür dass sie (soweit für mich aus ihrem Lebenslauf erkennbar) keine einschlägige Fachausbildung zur Säuglingsernährung hat, viele sinnvolle und korrekte Tipps, beispielsweise welche Do & Don’ts für Beikost gelten, welche Küchenutensilien hilfreich sind, Ideen womit starten etc.

Trotzdem verwunderten mich manche Passagen:

So erwähnt sie im Kapitel zur Wichtigkeit von Milchnahrung den Hinweis, dass allergene Obst- und Gemüsesorten anfangs gemieden werden sollten, eine heutzutage an sich überholte Lehrmeinung.

Auch zitiert sie Anfangs- und Folgenahrung als Alternative zu Muttermilch. Leider vermittelt der weitere Buch-Text dann durch die ausschließliche, durchgängige Erwähnung von „Folgenahrung“ als Alternative zu Kuhmilch im Brei bzw. ergänzende Milchnahrung (wenn nicht gestillt wird), dass die Gabe von Formulamilch mit dem Aufdruck „2“/“3″ notwendig wäre. Dies widerspricht aber der offiziellen Beikost-Empfehlung vorrangig bei Pre/1 zu bleiben.  Anfangs dachte ich an einen kulturell bedingten, kontextuellen Übersetzungsfehler. Anfangsnahrung wird jedoch auch in den UK vorrangig für Babys empfohlen und von „Followup“-Milk ab dem 6. Lebensmonat eher abgeraten. Eltern, welche sich mit der Milchnahrungsthematik wenig auseinandersetzen, könnten somit ein falsches Bild erhalten und aufgrund des Buchs zu einem Nahrungswechsel verleitet werden.

Abgerundet wird das Buch durch einen Speiseplan ab 6 Monaten mit einer exemplarischen Zusammenstellung der im Buch vorgestellten Gerichte auf 7 Tage á je 3 Mahlzeiten pro Tag. An dieser Stelle finde ich es sehr schön, dass nicht auf ein frühzeitiges Ersetzen der Milchnahrung gepocht wird bzw. auch im erklärenden Text für den Ausblick ab 9 Monaten noch extra betont wird dass die Milchnahrung weiterhin von Bedeutung ist! In ihrer Haltung bringt Annabel schön den Ansatz des „Milchnahrung nach Bedarf im gesamten 1. Lebensjahr und darüber hinaus“ herüber, verflicht diese Haltung aber wunderbar in die kariesprophylaktische Empfehlung, eine Milchflasche ggf. zum Ende des 1. Lebensjahr durch den Becher als Trinkgefäß zu ersetzen!

Fazit:

Zwar liegt seit der englischen Erstveröffentlichung 2013 schon einige Zeit zurück, die mir negativ aufgefallenen  (weil teils veralteten) Informationen waren jedoch bereits 2010 Teil offizieller Beikostempfehlungen in Österreich, also in Fachkreisen nicht mehr unbekannt (z.B. das eine frühe Einführung von potentiell allergenen Nahrungsmitteln im ersten Lebensjahr zu empfehlen ist). Hier würde es also vielleicht Sinn machen sich zum Buch ergänzend mit aktuellen Empfehlungen vertraut zu machen.

Die Brei- & Beikostrezepte klingen jedoch durchaus verlockend und lassen sich dank leicht verständlicher Anleitungen gut umsetzen. Ob die Rezepte wirklich die „besten“ sind ist eine subjektive Frage, sie versprechen aber unzweifelheift kulinarische Abwechslung und viele interessante Geschmacksnuancen auf der Zunge.

Ich persönlich kann mir das Buch als schöne Ideensammlung speziell bei Familien, welche vorrangig Brei geben oder Brei mit Fingerfood mischen gut vorstellen. Für Baby Led Weaning hat es zwar Ideen  bzw. kreative Köche können vielleicht die Breie als Eintopf für den Familientisch variieren, die jedoch zum Breiteil verhältnismäßig kleine Speisenauswahl könnte aber den Käufer enttäuschen.

 

Annabell Karmel Baby Kochbuch

Cover zum „Baby Kochbuch“ von Annabel Karmel. (c) Bassermann Verlag

Details zum Buch

Annabel Karmel: Das Baby Kochbuch. Die besten Rezepte 
für Ihr Kind von 4 bis 12 Monaten.
ISBN/EAN: 978-3809433071
Sprache: Deutsch
Umfang: 96 Seiten, gebunden, 18,5 x 1,2 x 18,7 cm 
Preis: € 9,99 (D), € 9,99 (Ö)
Erschienen am 23. März 2015 im Bassermann Verlag

 

(Das Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise für die Rezension zur Verfügung gestellt, die dargestellte Meinung spiegelt meine persönlichen Eindrücke wider.)

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