Die MySol („meine Sonne“) von GIRASOL gehört zur Gruppe der Mei Tais, orientiert sich also an asiatischen Tragehilfen und kann auf Bauch, Rücken und Hüfte getragen werden. Die MySol passt durch ihre variable Einstellbarkeit ab Geburt (ca. Gr. 50/56, bei entsprechendem KnowHow kann sie aber auch sehr gut an deutlich kleinere Babys angepasst werden, weshalb sie auch z.B. bei Frühchen eine interessante Option darstellt) bis etwa Gr. 92/98 (ca. 2-2,5J.).

 

Konstruktionsmerkmale und Einstellbarkeit

Die MySol mit zusätzlichen Accessoires (Schnallenhüftgurt, Schulterpolster)

Die MySol besitzt in der Grundversion einen Hüftgurt sowie Träger zum Binden. Optional kann aber seit einiger Zeit auch ein Schnallenhüftgurt dazubestellt werden. Letzterer hat speziell bei schwereren Traglingen den Vorteil, dass der Hüftgurt fester angezogen werden kann, als es beim Knoten jemals möglich ist. Hat der Träger somit das Gefühl, dass der Standardhüftgurt beim Tragen zum Einknicken/Einrollen neigt, egal wie sauber gebunden wird, so macht der Wechsel zum Schnallenhüftgurt spätestens Sinn! Wie bei der Frl. Hübsch können die Schnallen, auch dank auf beiden Seiten des Gurts vorhandenem Sicherheitsbändchen, ohne viel Aufwand umgefädelt werden, wenn die Trageweise (z.B. Wechsel von Apron auf Non-Apron/Vorder- bzw. Rückseite der Trage) notwendig wird.

 

 


mysol rückentragen schnallenhüftgurt toddler

MySol mit Schnallenhüftgurt im unteren Paneel und Schulterpolstern. Tragling mit Kleidergr. 86/92.

Der 7 cm breite Hüftgurt ist auf 80 cm gepolstert und geht danach auf beiden Seiten in ein ungepolstertes, zweilagiges, jeweils ca. 75 cm langes Stoffband über, welches leicht spitz zum Ende hin ausläuft, um das Knoten zu vereinfachen. Je nach Größe des Traglings hat es zwei Tunnelzüge im Rückenpaneel. Der dafür bestimmte Teil des Rückenpaneels ist hierbei trapezförmig zugeschnitten, wodurch der obere Tunnelzug eine Stegbreite von ca. 15 auf ca. 42 cm, der untere auf ca. 50 cm ermöglicht. Für ganz kleine Babys (z.B. Frühchen) kann der nur mit Klett im Tunnelzug fixierte, und dadurch auch stufenlos verstellbare, Gurt komplett entfernt werden. Auf diese Weise könnte die MySol auch als Podaegi gebunden genützt werden. Babys ab ca. Kleidergröße 50/56 werden mit dem Hüftgurt im oberen Tunnelzug getragen. Erst apron, ab ca. Gr. 68 non-apron. Bei etwa Gr. 74/80 kann auf den unteren Tunnelzug gewechselt werden. Je nach Bedarf (z.B. ob das Kind bevorzugt die Arme in oder außerhalb der Tragehilfe hat) kann durch das so um ein Stück verlängerte Rückenpaneel wieder apron oder non-apron getragen werden. Der je nach verwendetem Tunnelzug mehr oder weniger breite überstehende Stofflappen kann hierbei als Bauchauflage für die Träger verwendet werden.


Mysol girasol meitai

Angelegte MySol „Caribe“- Vorder-/Rückenansicht, mit unterm Po geknoteten Trägern.

Wie der Hüftgurt sind auch die 2 Meter langen und 7 cm breiten Träger nur im auf Schulter und Rücken anliegenden Bereich für ca. 50 cm leicht unterpolstert. Für Träger, welchen diese Polsterung zu gering erscheint, gibt es zum Nachkaufen zusätzliche, etwas breitere Schulterpolster, welche mit Klett unter den Schulterträgern fixiert werden. Wir konnten so mit knapp Zweijährigem noch recht bequem tragen. Wird der normale Bindehüftgurt genutzt, so empfehle ich den Knoten der Träger unter dem Babypo zu positionieren (siehe Foto rechts), um eine Verwechslung mit dem hinten liegenden Knoten des Hüftgurtes auszuschließen. Allenfalls verbleibender Stoff kann mit einer Masche über dem Doppelknoten aus dem Weg geschafft werden. Nichtsdestotrotz kann natürlich auch unterhalb des Po gekreuzt und am Rücken geknotet werden.


Das Rückenpaneel aus doppelt genähtem „Tragetuchstoff“, selbst produziert vom Hersteller, lässt sich wie oben bereits erwähnt durch die Trageweise sowie Position des Hüftgurts individuell verkürzen oder verlängern. Die Stegbreite lässt sich mittels durchgängigem Klett stufenlos verstellen. Straff angelegt bietet die Trage auch bei kleinen Babys eine gute Seitenstütze, welche im Bedarfsfall aber durch Drehen der Träger noch verstärkt werden könnte.

MySol mit Neugeborenem, Kleidergr. 56, Apron getragen.

Die Trage kann im Nacken mittels Kordelzug enger gestellt werden. Die 23 cm lange Kopfstütze lässt sich durch ca. 38 cm lange Stoffbänder und Tunnelzug eng zusammen raffen, um im Nacken im Bedarfsfall zusätzlich zu stützen. Alternativ kann sie auch als  Sonnenschutz ausgebreitet genützt werden (Achtung hier auf freie Atemwege bei kleinen Babys!). Mittels 3er, in verschiedener Distanz vom Rückenpaneel an den Trägern angebrachten Stoffschlaufen lässt sich die Kopfstütze bei jeder Statur und unabhängig von der Tragevariante mit einem Knoten leicht fixieren. Dank der Länge der Bändchen erfordert das Hochholen der Kopfstütze auch am Rücken tragend nur wenig Verrenkung.

Zum bequemeren Rückentragen wird die Mysol mit einem, mit Klett verschließbarem, zweilagig genähten Stoffband geliefert. Dieses wird durch die Träger gezogen und vor der Brust verschlossen. Dadurch wird nicht nur verhindert, dass die Schulterträgerriemen bei schmalschultrigen Eltern davonrutschen, sondern das Gewicht wird zusätzlich besser verteilt. Alternativ kann auch mit den Trägerenden ein Finish (z.B. „Tibetanisch“ ) ausgeführt werden, oder die Träger, je nach Vorhandensein im Gepäck, mit z.B. einem Stoffschal oder einer Spuckwindel zusammengefasst werden.

Optische Gestaltung der MySol

MySol Girasol Chichi Wendetrage

Die Mysol (hier Arco Iris red) ist eine Wendetrage, bei welcher beide Stoffseiten je nach Lust des Trägers nach aussen hin getragen werden können.

Typisch für die MySol ist neben einer einwandfreien Verarbeitung die Gestaltung als „Wendetrage“. Alle Modelle werden auf Vorder und Rückseite aus zwei verschiedenen Farb/Muster-Designs genäht, wobei bei den für Girasol klassischen Streifenmustern die Rückseite meist einfärbig ist, bei rein einfarbigen Stoffen die Rückseite stark kontrastierend. Die Farb“aura“ erinnert bei Girasol stets sehr an Naturfarben/Pflanzenfarben, d.h. sind eher erdiger Natur und somit sehr angenehm fürs Auge, aber könnten für den einen oder anderen eher trendigen Träger zu „öko“ sein. Je nach Lust und Laune kann die eine oder andere Seite nach außen hin getragen werden. Bei der Version mit Bindehüftgurt ist für den Wechsel zwischen den Seiten keinerlei Verstellung nötig.

Als Webung bietet Girasol bei der MySol Kreuzköper, Diamantköper und Fischgrat (Herringbone) an. Kreuzköper ist als Gewebe etwas kompakter, Diamantköper wiederum etwas nachgiebiger. Tragfähig sind alle gleichermaßen, aber optisch schmiegte sich das Diamantköpermodell (Caribe) etwas mehr an kleine Babys an, als das Modell mit Kreuzköper (Arco Iris Red). Das Kreuzköpermodell empfand ich mit schwererem Tragling wiederum als stabiler.

Im Lieferumfang der Mysol ist neben der Trage mit Bindehüftgurt und Brustgurt zum Rückentragen eine kleine,  praktische Hüfttasche für wichtige Kleinigkeiten wie Geldbörse, Schlüssel etc. und ein Stoffbeutel zum Verstauen und Transportieren der Tragehilfe inbegriffen.

Pflege der MySol

In der Praxis zeigte die MySol mit 30 bis maximal 60 Grad im Handwaschprogramm mit niedriger Umdrehungszahl im Wäschnetz oder Polster mit flüssigem Waschmittel gewaschen keine Beeinträchtigung auf. Beim Bügeln muss darauf geachtet werden, die gepolsterten bzw. mit Klett versehenen Bereiche auszusparen. Die Trage ist nicht trocknergeeignet.

Über den Hersteller

1981 brachte eine mehrmonatige geplante Reise nach Südamerika die Liebe der Firmengründer Camilla und Gerhard zu Guatemala hervor. Um sich vor Ort ihren Aufenthalt finanzieren zu können und ihren Aufenthalt in der Region ausweiten zu können, begannen sie Kontakt zu lokalen Kleinbetrieben und Handwerkern, vielfach auch Nachfahren der Maya und Indianern Guatemalas, zu knüpfen und deren handgewebten und handgefertigten Produkte auf Flohmärkten in Mexiko zu verkaufen. 1983, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, gründeten sie einen Großhandel und eröffneten alsbald danach einen eigenen Laden in Berlin. Sie verkaufen ausschließlich direkt von den Herstellern in Guatemala und Mexiko, kleine Handwerksbetriebe, Kooperativen und selbständig arbeitende Weber und Schneider. Beim Kauf, der Herstellung und dem Vertrieb wird sich stets an den Prinzipien des fairen Handels und der Nachhaltigkeit orientiert. Vorrangig bekannt ist GIRASOL seit ca. 30 Jahren für seine Tragetücher und Ring Slings. Diese werden ausschließlich für GIRASOL in einem eigens geschaffenen Netzwerk von Färbern, Webern und Schneidern in Guatemala in Handarbeit hergestellt. Der MySol wurde 2009 von Girasol und erfahrenen Trageberaterinnen entwickelt und ebenfalls in Guatemala produziert.

Fazit

Dank ihrem sehr leichten Handling und ihrer Unkompliziertheit bei der Einstellung ist die MySol bei uns privat als auch in meinen Beratungen mit Neugeborenen/kleinen Babys sehr beliebt. Besonders bei Trageeltern mit schmalen und abfallenden Schultern kommt sie durch ihre dünnen Träger sehr gut an. Eltern schätzen bei der MySol vorallem den „tragetuchartigen“ Effekt, da sich die Trage durch den dünnen, unstrukturierten Hüftgurt und den feinen Stoff wunderbar an ein Baby anschmiegt und für viele die MySol somit eine optisch sehr ansprechende Alternative zum Tragetuch darstellt.

Wir haben die Trage selbst bis etwa zum zweiten Geburtstag (ca. 12 kg) gerne im Alltag, wenn es schnell gehen musste, genützt und mit dem Schnallenhüftgurt und den Polstern war auch das Tragen eines schwereren Kindes noch recht angenehm möglich. In meinen Beratungen greifen viele Eltern aber gerne ab dem 2. Lebensjahr dann aber doch lieber zu anderen, besser gepolsterten Systemen (v.a. Fullbuckles), würden für ein neues Baby im ersten Lebensjahr aber jederzeit wieder zur MySol greifen. In meinen Augen ist gerade der Hüftgurt mit Schnalle an dieser Stelle ein wertvolles MustHave, um das Tragen mit der MySol gerade zur Mitte bis Ende des ersten Lebensjahres im Komfort für den Träger zu optimieren und langfristig damit Freude zu haben.

Die Farben/Designs sind natürlich Geschmackfrage, ich persönlich finde sie sehr schön, da ich prinzipiell ein Fan von eher gedeckteren Naturfarben bin und diese gegenüber knalligen, „peppigen“ Varianten bevorzuge.