Sjala kann man quasi als den (preislichen) Ferrari unter den elastischen Tragetüchern ansehen. Mit einem Preis von etwa 1,599 SEK / ca. 170 Euro (je nach Wechselkurs) liegt die Tuchmarke deutlich über den anderen Herstellern, weshalb meine Erwartungen natürlich entsprechend hoch waren.

Die erste Schwierigkeit ist schon einmal, eines der Tücher zu ergattern. Denn die Jerseytücher werden nur einmal im Quartal in limitierter Stückzahl released. Die Farben sind dabei variabel, pro Charge hat es zwei verschiedene, meist kontrastierende, Nuancen zur Auswahl. Im Fall meines als „Herbst 2017“-Kollektion erschienenen „Spicey Mustard“ waren es ein senfgelbes und ein grünes Tuch. Das hat leider den Nachteil, dass man je nach Kaufzeitpunkt „nehmen muss was man kriegen kann“, entweder gebraucht oder eben neu in den gerade erhältlichen Farben. Ohne zu wissen, ob einem die Farben in dem darauffolgendem Quartal vielleicht eher ansprächen. Überlegt man aber zu lange hin und her, kann eine eventuelle Wunschfarbe bereits wieder vergriffen sein.

Der Hersteller SJALA:

Der Name „Sjala“ leitet sich von ”Tuch binden” ab und ist eine schwedische Marke, welche 2014 von der von Slingababy U.K. ausgebildeten Trageberaterin Yvonne Duran gegründet und seither auch geleitet wird. Sie ist selbst seit 2006 Tragemama und designed, sofern nicht anders angegeben, alle Muster persönlich. Die Marke glaubt an die Wichtigkeit von zwischenmenschlicher Nähe vom Lebensbeginn bis zum Lebensende und bestärkt Eltern darin, zu ihren Kinder eine tiefe Bindung aufzubauen. Für Sjala steht nicht nur für Menschlichkeit sondern auch Umweltbewusstsein. Letzteres schlägt sich in einer so ökologischen Produktion wie möglich nieder. Alle Produkte, elastische wie auch gewebte Tücher, verfügen über das Ökotex 100 Zertfikat.

 

 

Tucheigenschaften des Merino-Jerseys von SJALA:

sjala hip carry

Hüfttragen mit dem Jerseytuch von Sjala

Nun kam also letzten August MEIN Tuch von Sjala, wie oben erwähnt das senfgelbe Spicey Mustard. Als ich mein Paket öffnete, erwartete mich ein sehr liebevoll zusammengestelltes Paket mit einer persönlichen Postkarte. Das Tuch selbst war in einem schwarzen Stoffbeutel mit dem Sjala Logo verpackt. Der Hersteller empfiehlt die vorgebundene wie auch aufgefächerte Wickelkreuztrage, betont aber die positive Wirkungsweise letzterer auch bei schweren Traglingen.

Beim Öffnen war ich aber zugegebenermaßen etwas enttäuscht. Ich hatte mir für den Preis (und auch für die Lobeshymnen aufs Tuch im Vorfeld) eher ein Hybridtuch oder ein Produkt, ähnlich dem elastischen Tragetuch von Didymos erwartet. Stattdessen ist das Sjala Tuch zwar von Material und Verarbeitung zwar makellos, aber doch Kulierware. Durch die 100% mulesling freie Merinowolle greift es sich griffig, aber doch kuschelweich und verspricht ein angenehmes Tragegefühl.

Beim Messen kam ich auf eine Länge von ca. 6 Metern, also länger als die meisten Tragetücher im gewebten wie auch elastischen Bereich. Auch die Breite mit 67 cm verspricht selbst mit Kleinkind noch eine gute Rückenstützung.

Die Tuchenden laufen in „Pfeilförmige“ Spitzen aus. Alle Tuchkanten sind eingeschlagen und in einem kontrastierendem Garn mit der Overlock versäubert. Der Mittelpunkt ist auf beiden Kanten mit einer Schlaufe markiert.

Das Merino-Jersey von SJALA im Praxistest:

sjala jersey merino spicy mustard

Mit 3 Monate altem Baby im Front Double Hammock

Obwohl Kulierware ist das Tuch recht fest und gut straffbar. Zugleich bietet es eine tolle Stabilität. Ich probierte neben der klassischen vorgebundenen und aufgefächerten Wickelkreuztrage auch den Front Double Hammock mit Baby aus und erzielte auch noch mit 8 kg Brocken ein angenehmes, bequem tragbares Bindeergebnis. Hüftbindeweisen ließen sich ebenfalls gut und kompakt realisieren. Hier konnte ich sogar mit eingebautem Sling Ring ein festes Resultat bei der Robin’s Hip Carry erzielen.

Besonders neugierig war ich nach dem ersten Binden doch immer positiveren Eindruck auf das Rückentragen, wenngleich dieses vom Hersteller nicht explizit empfohlen wird. Der Double Hammock war einfach anzulegen, hier war die Stabilität optimal um nicht ewig zu straffen oder auf Tricks zurückgreifen zu müssen. Auch war das Kind wirklich wie erwartet noch bis weit im oberen Rückenbereich optimal gestützt. Die Tuchkanten erwiesen sich als sehr stabil und leierten auch nach häufiger Benutzung nicht aus. Ich fühlte mich selbst nach einer Stunde schmerzfrei und empfand das Gesamttragegefühl selbst bei 15 kg noch als sehr bequem, kaum anders als mit gewebtem Tuch. Auch gab das Tuch in keinster Weise spürbar nach. Somit ist es für Bindeerfahrene* in meinen Augen auch am Rücken ein in Betracht zu ziehendes Tuch!

Bei der Wahl der Bindeweise sollten trotzdem immer 2 Lagen als Minimum vorhanden sein, um adäquat zu stützen.

(* Rückentragen im elastischen Tuch kann bei unsachgemäßer Ausführung bzw. mit einem dafür nicht geeigneten Tuch zu Verletzungen beim Kind führen! Es ist somit für Anfänger NICHT als Tragetechnik geeignet und erfordert Erfahrung im Rückentragen mit dem gewebten Tuch!)

Pflege des SJALA Tuchs:

Der Hersteller empfiehlt aufgrund der empfindlichen Merinowolle Handwäsche. Den Wollwaschgang mit Feinwaschmittel überstand mein Tuch jedoch unbeeinträchtigt. Wie für Wolle typisch brauchte es etwas länger, als bei Baumwolle, um gut durchzutrocknen. Ein regelmäßige Auslüften reicht bei Wolle oft aus. Problematisch könnte nur ein Mottenbefall im Haushalt könnte riskant sein – hier ist das Wolltuch leider anfällig, weshalb eine adäquate, sichere Lagerung zu empfehlen ist.

Mein Fazit zum Merino-Jersey von SJALA:

Rückentragen des Kleinkindes im Jersey-Tuch von SJALA

Rückentragen des Kleinkindes im Jersey-Tuch von SJALA

Trotz meiner ersten Enttäuschung konnte mich das Merinojersey am Ende mit seinen Bindequalitäten überzeugen. Es gehört somit in meinen Augen berechtigterweise zu den Jerseytüchern, mit welchen man von Geburt an und auch weit über die klassische „9 kg“-Grenze hinaus, noch seine Freude haben wird, trägt es doch auch noch ein Kleinkind gut. Auch die Stabilität und damit vielfältige Nutzbarkeit auf Bauch, Hüfte, Rücken ist ein positiver Nebeneffekt. Der 100% Woll-Blend macht es zwar im Sommer zu einer wärmeren Angelegenheit (wenngleich Wolle auch bei Hitze gute feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften hat), kann aber speziell in Herbst und Winter hier seine volle Wirkung entfalten, wenn er den kleinen Tragling zusätzlich wärmt.

Nachteil bei SJALA ist in erster Linie der hohe, Normalverbraucher abschreckende Preis bzw. die Schwierigkeit ein Tuch zeitnah zu erhalten. Es wird somit eher in ATTA-Kreisen seine Zielgruppe finden. Ich möchte mein Jerseymerino hier jedoch nicht mehr missen und es darf hoffentlich noch lange immer wieder im Einsatz sein!

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