Manuela, eine liebe Mit-Vorarlbergerin und Mama zweier Kinder, lernte ich persönlich im Frühjahr 2017 auf der Dornbirner Babymesse kennen, wo wir uns am La Leche Liga-Stand, an dem an dem Wochenende aushalf, länger unterhielten. Wir beide waren damals hochschwanger vor uns hinkugelnd, mit einem sehr nahe beieinanderliegenden Entbindungstermin, mit zwei beinahe gleich alten Kleinkindern bereits daheim. Und wir beide dürfen eine spannende, herausfordernde Erfahrung machen: Tandemstillen. Mit allen Auf und Abs. Wie mein Sohn, hatte auch ihre Tochter die ganze Schwangerschaft über nicht daran gedacht, die innig geliebte Brust aufzugeben. Als ich vor wenigen Tagen in einer kleinen internen Gruppe ihren Text las, berührte er mich sehr, da ich diese Situation nur zu sehr kenne. Ich freue mich daher sehr, ihn als Gastbeitrag hier veröffentlichen zu dürfen! Vielen Dank, dir liebe Manuela!


‚‚Was für eine schreckliche Nacht, Klara ist zwei mal wach geworden‘‘
Wie ich solche Aussagen hasse.
2 Mal? Dein Ernst?
Ich wäre glaub ausgeschlafen und hätte Energie wie 10 Pferde bei soviel (Luxus)Schlaf.
Bedürfnisorientiert oder Alternativ?
Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ähm Moment, ich versteh die Frage nicht!
Schlaf und Freizeit, zwei grosse Fremdwörter für mich.
Es ist 00:20 Uhr Montag abends oder eher Dienstag früh und ich trage meinen 5 Monate alten Sohn im Wohnzimmer auf und ab in der Hoffnung, dass er möglichst bald wieder in den Schlaf findet, bevor seine große Schwester fürs nächste Stillen erwacht.
Mehrere Stunden am Stück geschlafen hab ich seit 3 Nächten nicht mehr. Letzte Nacht musste ich ca. 20 mal (ungelogen) die Bettseiten von der Großen zum Kleinen wechseln.
So schön es auch sein mag seine Kinder bedürfnisorientiert zu erziehen, so anstrengend ist es auch. Alternativ ist für mich allerdings trotzdem keine Option.
Klar mach ich es mir oft selbst schwerer als es sein müsste mit zwei so kleinen Kindern.
Langzeit- und Tandemstillen, Familienbett, Stoffwindeln bzw. Windelfrei, Vollzeit tragend und das ganz ohne Schnuller.

Manchmal verfluche ich heimlich die Mütter, deren Kinder einfach ins eigene Bett gelegt werden mit ihrer Pre-Flasche und/oder Schnuller und dann seelenruhig ein- UND durchschlafen. Szenen, von denen ich mich nicht mal zu träumen traue (träumen tue ich sowieso so gut wie nie – da schon lange keine Tiefschlafphase mehr bei mir stattfindet).

Ich freue mich für diese Mütter, ich beneide sie auch manchmal, aber ich würde niemals mit ihnen und ihrem alternativen Erziehungsstil tauschen wollen.

Selbst jetzt, nach drei schlaflosen Nächten, unendlich scheinenden Tagen und der Realität einer vierten schlaflosen Nacht ins Auge blickend, bin ich trotzdem glücklich und habe aus unerklärlichen Gründen immer noch genug Energie und Geduld meinem Sohn die Liebe und Nähe zu schenken, nach der er gerade verlangt.
Kann ich mein Kind zu sehr lieben?Wenn ich in seine nach Zuneigung suchenden Augen blicke und sein leises Winseln höre, kann ich nicht anders als ihn in den Arm nehmen und zu trösten, zu stillen, zu lieben.
Jedes weniger liebe Wort, das reflexartig gelegentlich aus mir raus kommt, bereue ich im selben Augenblick.
Er ist noch ein Baby. So klein und hilflos. Verloren ohne mich in der großen Welt. Er weint nicht um mich zu nerven, er weint, weil er mich braucht. Die Wärme, die Nähe, die Sicherheit nicht allein zu sein. Einfach nur pure Liebe.
Und kann man sein eigenes Kind zu sehr lieben?
Meine Bedürfnisse stehen schon lange irgendwo in Mitteltexas. Ich freue mich lieber über die kleinen Dinge im Mama-Alltag. Über cremigen senfgelben Stuhlgang meines Sohnes, einen pipiunfallfreien Tag meiner Tochter, mal in Ruhe auf die Toilette gehen, das absolute Highlight ist es ja, wenn ich mal ungestört und in Ruhe duschen darf. Manchmal sogar mit Haare waschen.
Ich wippe meine Hüften immer noch hin und her im Wohnzimmer. Mittlerweile ist es 00:45 Uhr. Mein Sohn ist vor kurzem eingeschlafen, meine Tochter höre ich übers Babyphon ruhig atmen. Ich küsse meinen Sohn auf die Stirn und er schnauft tief. Noch ein paar Minuten schunkeln, nur um sicher zu gehen, dass er auch gut schläft. Ständig wacht er wieder auf und vergewissert sich, dass er schon noch bei mir ist. Ich entscheide mich wieder ins Bett zu gehen. Er ist wach, aber zufrieden. Wir kuscheln uns ins Bett und ich probiere ihn in den Schlaf zu stillen. Kurz bevor er endlich schlafen und abdocken wollte, erwacht seine Schwester das Milchvampir und verlangt lauthals ihren „Heiabusen“
Ich decke meinen Sohn liebevoll zu und hüpfe förmlich über ihn drüber zu seiner Schwester, bevor diese mit ihrer Mitternachtssnack-Bestellung noch meinen Mann weckt. Sie trinkt zwei große Schlucke und schläft wieder ein.
Mein Sohn starrt mich ohne eine Bewegung an. Etwas unheimlich, aber solange er zufrieden ist. Nach kurzer Zeit fallen ihm die schweren Augen zu. Es ist nach 01:00 Uhr und ich versuche die wenigen Minuten Ruhe mit etwas Schlaf zu nutzen.
Ich liebe meinen Job über alles.