Viele Trageeinsteiger kaufen sich ihr erstes Tuch bei Firmen wie Didymos, Storchenwiege, Kokadi, Fidella, Pollora o.ä.. Bei diesen Herstellern gibt es zu recht günstigen Preisen ständig lagernde Tücher in relativ großer Auflage.

Ab einer gewissen Preisklasse (ca. 200 Euro aufwärts) verschwinden fix lagernde Tücher jedoch von der Bildfläche. Hier wird ein Tragetuch oder Tragehilfe auch selten nur des Tragens wegen gekauft. Viele Eltern, besonders wenn daheim viel und gerne getragen wird, beginnen nach einiger Zeit gewisse Marken, Designs oder exotische Materialkombinationen zu schätzen – und vorallem: die Exklusivität.

Das Risiko bei teureren Tüchern einer Mama mit dem selben Tuch auf der Straße zu begegnen, ist gleich Null, denn statt großen (und in der Herstellung dadurch auch günstiger produzierbaren & verkäuflichen) Auflagen mehrer dutzend oder hunderter Tücher stehen pro Tuchvariante plötzlich nur mehr ein auf eine Handvoll Tücher reduziertes, limitiertes Angebot, teils auch nur ein Einzelnes („one of a kind“/OOAK), zur Verfügung.

Diese Limitiertheit ist der Grund, weshalb sehr seltene oder sehr beliebte Tücher am Gebrauchtmarkt („Marktwert“ / MW; „Tauschwert“ / TW) auch oftmals deutlich teurer sind als im Einkaufspreis („retail“).

Der Neupreis setzt sich in der Regel aus a.) Marke b.) Webung c.) Material zusammen – je exotischer diese sind, umso teurer das Tuch. Handgewebte Tücher (handwovens) stellen hier finanziell allein schon durch den Arbeitsaufwand dahinter einen zusätzlichen finanziellen Kostenpunkt dar.

Wie komme ich nun an so ein Tuch? 

Bekanntere Marken wie Kindsknopf, Solnce, Woven Wings, aber auch teils (kleine) Hersteller von Tragehilfen und Trage-Accessoires, Handweber etc. verdrawen deshalb ihr Angebot an Tüchern oder freie „Slots“ (Auftragsplätze für Arbeiten auf Kundenwunsch) unter den kaufinteressierten Personen. Ein Draw funktioniert hierbei wie eine Lotterie, die es in verschiedenen Spielvarianten gibt, vom Formular bis zur geheimen Verlosung  (mehr dazu weiter unten). Ergebnis eines Gewinns ist in jedem Fall immer eine (meist teure 😅) Rechnung, in der Regel via Paypal, welche es je nach Hersteller verschieden, binnen weniger Stunden beglichen werden muss, um nicht zu verfallen.

Wieso bekommen manche immer eine Rechnung, und andere nie?

Du hast dein erstes DISO („desperate in search of“)-Tuch gefunden und willst am Draw teilnehmen? Dann los! Voraussetzung ist in den meisten Fällen  ein vorhandenes Facebookkonto (Draws laufen inzwischen fast nur noch via Facebook) und eine gültige Paypaladresse („PP“, am besten mit aktivierter Abbuchungsfunktion vom Konto oder entsprechender bei PP deponierter Geldmenge).

Wichtig: Dein Tuch wird im Falle eines Gewinns an die bei Paypal hinterlegte Adresse gesendet. Überprüfe somit, ob diese aktuell ist, um böse Überraschungen (z.B. nach einem Umzug) zu vermeiden.

Der gängigste Draw ist via Google-Formular. Hier musst du normalerweise deinen richtigen Namen, deinen Facebooknamen, dein Wunschtuch (bei einem Draw für mehrere Tücher) in der Wunschgrösse (Hinweis: nicht alle Tücher werden in allen Größen „released“), das Versandland und evtl. ob du deine E-Mail für „Silent Draws“ (siehe unten) gespeichert lassen willst.

Manche Draws erfordern auch ein Kommentar unter der Drawankündigung – lest hier somit bitte gut die Informationen der Ankündigung durch. Als Einzelner unter vielen Teilnehmern ist die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns somit statistisch gesehen relativ gering. Der Gewinn ist in jedem Fall eine Rechnung an Paypal, welche es in einer vorgegebenen Zeit zu bezahlen gilt.

Hinweis: Paypal hat seit kurzem Probleme mit der Mailbenachrichtigung bei einem Gewinn. Manche Hersteller markieren aus Kulanz daher kurz vor Ablauf der Frist die Personen mit Rechnung, deren Überweisung noch aussteht. Checkt jedoch trotzdem ab dem offiziellen Drawende mehrmals euer Paypalkonto, um dann nicht das böse Erwachen in Form einer stornierten Rechnung zu erhalten!

Verfolgt man nun Draws eines Herstellers regelmässig, so kann es vorkommen, dass ihr immer wieder die selben Namen unter den Gewinnern lest, und euch wundert, wie man soviel Glück haben kann. Die Erklärung ist simpel: Viele tragetuchversierte Personen erweitern im Laufe der Tragezeit ihren Kontaktkreis an Trageeltern auf Facebook. Steht nun ein Draw an, so bitten sie diese Bekannten ihnen „Drawhilfe“ zu geben. Noch vor nicht allzulanger Zeit bedeutete das, dass alle beteiligten Personen ihr Paypalkonto checkten und die Rechnung ggf. an die Person, der man geholfen hatte, weilterleiten mussten. Viele Hersteller haben auf diesen Umstand reagiert und bieten im Drawformular ein eigenes Feld „Biete Drawhilfe für…“ an, so dass eine Rechnung ggf. direkt an den Zahlenden, statt den Drawhelfer, geschickt wird. Ansonsten bleibt nur die „alte Methode des Weiterschickens“. Je mehr Drawhelfer, umso größer deine Chancen, ein Tuch zu ergattern!

Für Draws ist die Teilnahme nur EINMAL pro Paypal-E-Mail-Adresse erlaubt. D.h. potentielle Drawhelfer müssen immer ihre eigene PP-Adresse angeben, nicht die der Person, der sie helfen. Eine mögliche (und wahrscheinliche) Konsequenz mehrmaligen Eintragens der selben Mail-Adresse wäre ein Ausschluß vom Draw.

Übrigens: Auch das Nicht-Begleichen einer Rechnung nach Teilnahme an einem Draw kann den Ausschluß von anderen Draws des Herstellers für eine gewisse Zeit bedeuten! Nehmt also nur an einem Draw teil, wenn ihr auch das Geld dafür habt oder versucht im Notfall jemanden zu finden, der eure Rechnung übernimmt! (z.b. über die Kommentare unter der Ankündigung des Draws).

Hinweis: Es gibt übrigens auch Draws welche eine Draw-Hilfe explizit verbieten – man könnte dies natürlich umgehen, indem jeder Drawhelfer für sich selbst ins Rennen geht, das Risiko am Ende mit mehreren Rechnungen dazustehen, ist jedoch vorhanden!
Manche Draws sind auch nur für bestimmte Gruppen, z.B. Personen, die noch nie ein Tuch eines Herstellers gewonnen haben.

Die gängigsten Draw-Arten

  • Klassischer Draw via Formular (Erklärung siehe oben): im Rahmen einer gewissen Frist kann teilgenommen werden, die Tücher werden nach Ablauf der Zeit unter allen eingetragenen Personen verlost.
  • Fast Draw: Es wird eine sehr kurze Zeitspanne (z.B. 10 Minuten) für die Teilnahme am Draw vorgegeben.
  • Fastest Fingers Draw: beim Fast Draw kommt es auf Geschwindigkeit an – via Kommentar oder Formular heisst es „first come, first serve“. Die schnellsten bekommen hier somit den Zuschlag.
  • Silent Draw: Manche Hersteller verlosen im geheimen ihre Tücher, häufig Restbestände oder stornierte Ware. Hierfür losen sie unter aus vergangenen Draws abgespeicherten E-Mails und überraschen den Gewinner quasi mit der Rechnung.
  • E-Mail-Draw: wie ein normaler Draw, bei Interesse muss dem Hersteller jedoch eine E-Mail geschickt werden.
  • Etsy: Manche Marken verkaufen ihre Tücher via Etsy – hier gilt es die Seite auf neu hochgeladene Artike zu „stalken“ und extrem schnell zu sein (und auch ein makelloses Internet zu besitzen), um eine Chance zu haben. Den Einkaufsvorgang durch eine entsprechende Vorbereitung des Accounts (zb wenn möglich Adresse schon speichern; zeitsparendste Zahlungsmethode wählen, Page Monitor etc.) zu beschleunigen, sind hier das A und O, um erfolgreich zu „jagen“.

Und wenn nun alles nicht hilft: Lass den Kopf nicht hängen! 

  1. Kommt Zeit, kommt Tuch!
  2. Manche Hersteller bieten Preorder-Tücher an (Vorbestellungen) – diese sind zwar nicht so streng limitiert dh. eher „Massenware“ (je nach Nachfrage), aber sind eine Möglichkeit, um – noch dazu vergleichsweise günstig – an zumindest ein Tuch des Herstellers zu gelangen. Andere Hersteller bieten auch ein kleines „Grundsortiment“ an Standardtüchern welche immer wieder neu aufgelegt werden – auch hier ist aber dann keine Limitiertheit zu erwarten.
  3. Wenn alle Stricke reißen: Manche glücklichen Gewinner werden mit dem Tuch nicht warm und verkaufen oder vertauschen es bald wieder – die Chancen, doch noch an ein DISO zu kommen, sind somit nicht völlig aus der Welt, wenngleich du evtl. mit einem höheren Preis rechnen musst, falls das Tuch am Markt sehr gefragt ist.
  4. Manche Mamas sind auch so lieb und senden ihre Tücher auf Urlaub. Vielleicht lässt sich so ein DISO zumindest für einige Tage binden zu können. Grundvoraussetzung ist hier ein in der „Feedback-Gruppe“ auf Facebook angelegter (positiver) Feedbacklink, in welcher jeder Tausch/Verkauf/Urlaub vom Transaktionspartner mit wenigen Sätzen dokumentiert wird, um böse Überraschungen zu vermeiden. (diesen Feedbacklink könnt ihr somit auch bei Tuchkäufen als Sicherheit für euch einfordern/angeben)

Ich hoffe, dir mit diesem kleinen Artikel die wichtigsten Fragen zu Draws beantwortet zu haben. Fallen dir noch offene Fragen ein? Oder kennst du noch andere Draw-Typen? Ich freue mich über dein Feedback, um den Artikel noch entsprechend auszubauen!

Und jetzt: Viel Erfolg bei der Tuchjagd!